Musik-Downloads Amazon attackiert Apple

Zwei Millionen Songs, kein Kopierschutz, günstige Preise: Der Musik-Download-Shop von Amazon hat fast alles, was sich Musikfans wünschen. Dem Marktführer Apple dürfte das Vorpreschen der Konkurrenz den Spaß verderben.

Noch ist es nur eine Testversion, was Amazon auf seiner US-Webseite anbietet, doch die ist schon beeindruckend genug. Rund zwei Millionen Songs von 180.000 Künstlern stehen ab sofort zum Herunterladen bereit. Alle ohne Kopierschutz, alle zu Preisen zwischen 89 und 99 US-Cent und alle im MP3-Format.

"MP3-Downloads für jeden Mediaplayer", steht denn auch fett als Überschrift auf der Homepage von Amazons neuem Download-Shop. Daneben und etwas kleiner wird vermerkt, was das wirklich bedeutet: Alle Songs sind sowohl mit Apples iTunes-Software als auch mit dem Windows Mediaplayer kompatibel - um nur zwei zu nennen.

Das heißt auch, dass die Songs auf allen handelsüblichen MP3-Playern laufen. Die meisten anderen Anbieter von Download-Musik hingegen sperren ihr Angebot für die eine oder andere Fraktion. So sind kopiergeschützte Songs aus Apples iTunes Store beispielsweise nur auf den iPods der Firma sowie auf dem iPhone abspielbar. Wer sich hingegen beim deutschen Musicload bedienen will, sollte besser keinen iPod haben, denn die mit einem Microsoft-DRM kopiergeschützten Songs sind wiederum nicht auf einem Apple-Player abspielbar.

Die große Freiheit

Solches hin und her soll es bei Amazon nicht geben. "Amazon MP3 ist ein komplett auf MP3-basierendes, DRM-freies Angebot", sagte Amazon Manager Bill Carr anlässlich des Verkaufsstarts. Das heißt, die Songs sind mit jedem Gerät abspielbar, das mit dem MP3-Format umgehen kann. Also auch mit billigen Supermarkt-Playern, modernen Autoradios und MP3-Radioweckern. Außerdem kann man sie beliebig auf CDs brennen - das geht bei der Konkurrenz auch, dort gibt es aber offiziell Beschränkungen für die maximale Zahl der gebrannten Kopien.

Der Amazon-Dienst habe bereits eine ausführliche Testphase abgeschlossen, so Carr. Nun sei es an der Zeit, die Beta-Version des Angebots der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Wir sind gespannt auf die Reaktionen unserer Kunden, die wir nutzen wollen, um unseren Dienst zu verbessern."

Billiger als Apple

Schmerzhaft für Apple ist das von Amazon vorgesehene Preisgefüge. Songs kosten zwischen in der Regel 89 und 99 US-Cent, komplette Alben zwischen 5,99 und 9,99 Dollar. Und: Die 100 bestverkauften Songs sollen je 89 Cent und die 100 bestverkauften Alben je 8,99 Dollar kosten. Damit unterbietet das Versandhaus die Angebote von Apple deutlich. Zum Vergleich: Kopiergeschützte Titel kosten bei Apple 99 Cent, Songs ohne DRM werden für 1,29 angeboten.

Zudem werden die Musiktitel von Amazon grundsätzlich als MP3-Dateien mit einer Qualität von 256 Kilobit pro Sekunde angeboten, einer Qualitätsstufe, die allgemein als sehr hoch angesehen wird. Im iTunes Store hingegen werden nur die teuren DRM-freien Songs in einer derartigen Qualität angeboten.

Noch ist viel zu tun

Die Plattenlabels wird's freuen, dass es endlich ernstzunehmende Konkurrenz zum Marktführer Apple gibt. Bisher jedoch ist es Amazon nur gelungen, zwei der sogenannten Major Labels unter Vertrag zu nehmen: EMI und die Universal Music Group. Darüber hinaus sind einige tausend Independent-Labels mit an Bord.

An großen Namen fehlt es Amazon aber nicht. So sind beispielsweise Alben der Beastie Boys, von Coldplay, Ella Fitzgerald, Amy Whinehouse, Pink Floyd, Lilly Allen und The Chemical Brothers zu kaufen.

Bis das Angebot sich tatsächlich mit dem von Apple messen kann, müssen allerdings noch weitere große Plattenfirmen davon überzeugt werden, ihre Kataloge DRM-frei bei Amazon feilzubieten. Mit rund fünf Millionen Titeln von allen großen und etlichen kleinen Firmen liegt Apple immer noch weit vorn - aber der Abstand scheint langsam zu schrumpfen.

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