Femen Musliminnen wehren sich gegen Femen-Nacktprotest

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Eine mit Hidschab verhüllte Frau hält ein Schild vor ihrem Gesicht, auf dem zu lesen ist: "Wenn Ihr mir die Freiheit nehmt, mich zu verschleiern, unterdrückt IHR mich." Auf einem anderen Foto blickt eine junge Frau offen in die Kamera und zeigt ein Schild mit den Worten: "Ich kann Frauenrechte auch vertreten, wenn ich bekleidet bin."

Bilder wie diese finden sich seit einigen Tagen zahlreich auf Twitter. Unter dem Hashtag #MuslimahPride  reagieren muslimische Frauen unterschiedlichster Länder auf die Demonstrantinnen von Femen . Es ist ein Protest gegen Protest, gegen die Vereinnahmung sämtlicher Musliminnen unter dem Femen-Banner.

Mit ihren Nackt-Aktionen erregen die Aktivistinnen weltweit Aufsehen und gewinnen immer mehr Anhängerinnen. Ihren Ausgang nahm die Protestform in der Ukraine, heute aber tauchen die entblößten Demonstrantinnen vielerorts auf. Sie legten sich mit Dominique Strauss-Kahn an, mit Paris Hilton, mit der Fußball-EM und nun vor allem mit dem Islam an sich. Dadurch bekommen sie jedoch nicht nur den Widerstand von Ordnungskräften zu spüren, von denen sie sich barbusig und medienwirksam festnehmen lassen, sondern auch von Musliminnen, die den nackten Protest für falsch halten.

Die in Washington D.C. lebende muslimische Feministin Ilana Allazeh  kritisiert die Femen-Proteste als rassistisch und islamophob, Muslime würden pauschal verurteilt. Hier der Link zu einer Videodiskussion von der "Huffington Post" mit weiteren muslimischen Aktivistinnen: HuffPost .

Der Gegenprotest formierte sich nachdem Femen-Gründerin Inna Schewtschenko mit dem "International Topless Jihad Day" zur Solidarität für die Tunesierin Amina Tyler aufrief. Die 19-jährige gehört zu den Gründerinnen der tunesischen Femen-Gruppe. Anfang März postete sie bei Facebook ein Foto, auf dem in arabischer Schrift auf ihren nackten Brüsten geschrieben stand: "F**k your Morals!" Der provozierte Skandal ließ nicht lang auf sich warten. Hacker legten die Seite lahm, ein salafistischer Priester forderte 100 Peitschenhiebe oder die Todesstrafe durch Steinigung für Amina.

Seitdem veröffentlicht Femen auf Facebook  täglich neue Bilder von Frauen, deren nackte Körper Parolen gegen den Islam und für Aminas Freiheit tragen.

Während das tunesische Mädchen zeitweise als vermisst galt, blühte aber auch der Gegenprotest auf. Eine Facebook-Gruppe namens "Muslim Women against Femen"  zählt bereits über 4500 Fans. Auch in Berlin bekennen Frauen sich öffentlich zu ihrem Kopftuch und gegen Femen . Für Inna Schewtschenko und ihre Anhängerinnen dürfte dies eine Lektion darüber sein, dass es unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit und Gleichheit gibt. Schewtschenko aber erklärte Tunesien zu ihrem dringendsten Reiseziel.

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