Aerobic mitten im Militärputsch Video aus Myanmar mit versehentlich gefilmtem Konvoi geht viral

Eine junge Frau hat während der Aufnahme ihres morgendlichen Fitnessvideos offenbar zufällig den laufenden Militärputsch in Myanmar gefilmt. Gegen Fake-Vorwürfe wehrt sie sich.
Ausschnitt aus dem viralen Facebook-Video

Ausschnitt aus dem viralen Facebook-Video

Foto: facebook

Offenbar ungetrübt von dem laufenden Militärputsch in Myanmar hat eine Frau ihr morgendliches Aerobic-Programm absolviert – und dabei Straßensperren, Militärfahrzeuge und Soldaten mitgefilmt. So zeigt es ein am Montag zunächst auf Facebook gepostetes Video, das seither viral geht.

In dem Video ist zu sehen, wie eine junge Frau in einem neongelben Outfit unbekümmert zu elektronischer Musik tanzt. Der Hintergrund: eine große Straße in der Hauptstadt Naypyidaw, auf der plötzlich ein Militärkonvoi vorbeirollt. Im früheren Birma hatten sich die Streitkräfte am Montag an die Macht geputscht.

In der Nacht von Sonntag auf Montag hat das Militär zahlreiche Spitzenvertreter der zivilen Regierung festgenommen. Betroffen war neben der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi auch Staatspräsident Win Myint. Inzwischen soll das Militär Hunderte Abgeordnete unter Hausarrest gestellt haben.

DER SPIEGEL

Facebook-Nutzerin wehrt sich gegen Fake-Vorwürfe

Hochgeladen wurde das nach 24 Stunden 600.000 mal aufgerufene Facebook-Video von Khing Hnin Wai, die laut ihrem Profil als Sportlehrerin beim Bildungsministerium von Myanmar arbeitet. Auf Twitter spekulierten Nutzerinnen und Nutzer, es könne sich bei dem Beitrag um ein Fake-Video handeln.

Khing Hnin Wa reagierte prompt und veröffentlichte mehrere weitere Aerobic-Videos , die sie in der Vergangenheit an der gleichen Stelle aufgenommen hatte. Dabei war die breite Straße im Hintergrund immer leer zu sehen. »Ich habe nicht getanzt, um berühmt zu werden. Ich komme seit elf Monaten im Rahmen einer Fitness Dance Competition immer hierhin«, schrieb sie dazu.

In Naypyidaw sind riesige Straßen ohne jeglichen Verkehr normal. Die Planstadt ist erst seit 2005 Hauptstadt des früheren Birma und war von der Militärjunta erbaut worden. Obwohl sie größer ist als Berlin, leben hier nur etwa 300.000 Menschen.

Militär verhängt Ausnahmezustand

Am Montag hätte ursprünglich Myanmars neugewähltes Parlament das erste Mal zusammenkommen sollen. Das hat die Armee mit ihrem Putsch verhindert. Dabei wurden Berichten zufolge auch Telefonleitungen und das Internet in Naypyidaw teilweise gekappt.

Bei den Wahlen hatte sich die NLD-Partei von Aung San Suu Kyi mit einem klaren Sieg eine zweite Amtszeit gesichert. Ihre Partei NLD holte nach offiziellen Angaben die absolute Mehrheit, die Wahlbeteiligung lag über 70 Prozent. Die Unterstützer des Militärs, das noch immer große Macht in dem Land hat, schnitten bei der Wahl schlecht ab.

Seit der Wahl sprach das Militär immer wieder von Wahlbetrug – ohne jedoch Belege zu liefern. Lokale Wahlbeobachter bezeichneten das Abstimmungsresultat als »glaubwürdiges Ergebnis« einer Wahl ohne nennenswerte Unregelmäßigkeiten. Menschenrechtsaktivisten kritisierten allerdings, dass in Konfliktregionen, in denen ethnische Minderheiten leben, nicht abgestimmt wurde.

Die Armee hat am Montag einen einjährigen Ausnahmezustand verhängt und kündigte nach Ablauf dieser Zeit eine Neuwahl an. Die eigentliche Macht liegt damit nun bei Armeechef Min Aung Hlaing.

hpp/dpa