Tipps von Profi-Schnäppchenjägern So finden Sie die wirklich guten Angebote

Günstige Panzerfahrten, Tankgutscheine, Geld-zurück-Aktionen: Auf Portalen wie mydealz und DealDoktor teilen Tausende Angebote. Doch wie spart man am besten? Vier Experten geben Tipps für die Schnäppchenjagd.
Bestellungen aus dem Internet, hier als Symbolbild: Wer Preise vergleicht, kann oft viel Geld sparen

Bestellungen aus dem Internet, hier als Symbolbild: Wer Preise vergleicht, kann oft viel Geld sparen

Foto: Neil Godwin / Future Publishing via Getty Images

Wer bei Lidl mindestens 20 Euro ausgibt , bekommt eine FF2-Maske geschenkt. Für 169 Euro ist ein Gutschein für 30 Minuten Panzerfahren  zu haben, inklusive Einweisung und Kraftstoff. Post- oder Paketzusteller haben mit ein wenig Losglück  die Chance auf einen 20-Euro-Tankgutschein von Aral. Dank einer KfW-Förderung ist eine Elektroauto-Ladestation rechnerisch schon für zum Beispiel nur einen Euro zu haben . Und auf alle Visa-Zahlungen bis 25 Euro gibt es zwei Prozent und insgesamt maximal 50 Euro Cashback .

Von all dem haben Sie noch nichts mitbekommen? Dann sind Sie vermutlich selten auf Websites wie mydealz  und DealDoktor  unterwegs. Die Portale sind für viele Schnäppchenjägerinnen und -jäger ein täglicher Anlaufpunkt, ein Tor in die weite Welt der Online-Angebote, in der sich viel sparen, aber auch viel unnützes Zeug bestellen lässt.

DealDoktor und mydealz verdienen durch Provisionen an einigen Angeboten mit, die Mehrzahl der Deals stellen aber Privatpersonen ein, die davon selbst keinen finanziellen Vorteil haben. Die meisten davon sind Männer, das erklärt womöglich einen gewissen Fokus auf Themen wie Technik und Gadgets: Bei mydealz liegt der Männeranteil dem Unternehmen zufolge bei 80 Prozent und das Durchschnittsalter der Nutzerschaft bei ungefähr 29 Jahren.

Manch einer postet Tausende Deals

Viele Nutzerinnen und Nutzer weisen nur ab und zu auf Angebote hin, die sie online oder offline entdeckt haben. Ihnen geht es um ein paar Dankeschöns in den Kommentaren oder darum, anderen beim Sparen zu helfen, damit auch sie selbst weiter interessante Deals serviert bekommen.

Für manche ist das Einstellen sogenannter Deals aber auch eine Freizeitbeschäftigung: Sie haben bereits Hunderte oder gar Tausende Angebote gepostet. Die Hingabe, die andere eigenen Blogs oder Instagram-Präsenzen schenken, widmen sie der Schnäppchenjagd.

Der SPIEGEL hat vier besonders aktive Deal-Poster zu ihrem Hobby befragt und ihre Antworten protokolliert.

»Aktivster Schnäppchenjäger aller Zeiten – das ist ein cooler Titel«

  • Der Nutzer »steveband« lebt bei Frankfurt am Main und leitet einen Supermarkt. Auf DealDoktor hat er in sechs Jahren mehr als 5300 Deals gepostet. In einer Art Aktivitätsrangliste der Plattform steht er auf Platz eins.

»Mit meinen 56 Jahren gehöre ich zu den älteren Onlineschnäppchenjägern. Vor zwei Jahren war ich wegen einer Erkrankung fast ein Jahr lang zu Hause. Statt rumzuhängen, habe ich jeden Tag ungefähr zwei bis drei Stunden nach Deals gesucht, so kamen einige Posts zusammen. Mir hat das damals richtig gutgetan, es war Teil meines Tagesablaufs. Angespornt hat mich dabei auch das öffentlich sichtbare Nutzer-Ranking von DealDoktor, das auf sogenannten Heartbeats basiert, die man für Aktivitäten bekommt . Irgendwann wollte ich da einfach die Nummer eins werden.

Über die Heartbeats kann man sich bei DealDoktor auch Amazon-Gutscheine verdienen, aber mir geht es vor allem um Anerkennung, um den Austausch mit der Community. Bei den Gutscheinen kommt man auf einen Stundenlohn von vielleicht 25 Cent, das rechnet sich nicht. Auch mein Spitzenplatz in der Rangliste ist prinzipiell wertlos, aber ich muss sagen: Aktivster Schnäppchenjäger aller Zeiten – das ist ein cooler Titel. So langsam werde ich übrigens nervös, dass mich bald jemand überholt, denn momentan poste ich nur selten.

Dafür halten mich private Anfragen auf Trab. Menschen aus dem Freundes- und Familienkreis wollen wissen, wie sich zum Beispiel bei Fernsehern oder Waschmaschinen Geld sparen lässt. Der beste Tipp dafür lautet oft: warten. Wenn man sie nicht sofort braucht, sind bei solchen Produkten über Angebote oder Gutschein-Aktionen auch mal 20 bis 30 Prozent Rabatt drin.

Geht es ums Sparen im Alltag, rate ich Leuten gern, den Stromanbieter zu wechseln. Viele machen das nie, dabei lohnt sich das richtig. Ich selbst spare, wenn ich jedes Jahr einmal wechsele, durch die Bonuszahlungen jeweils ungefähr 300 Euro. Und so ein Wechsel dauert fünf Minuten.

Auch bei Handyverträgen lässt sich dank Angeboten mit Boni oder Auszahlungen viel sparen, wenn man den Vertrag zum Ende der ersten 24 Monate kündigt. Klar, es gibt Prepaid-Karten vom Discounter, aber ich habe gerade ein Fünf-Gigabyte-Datenvolumen im Vodafone-Netz und zahle nur 5,18 Euro im Monat. Hin und wieder wechsele ich auch das Depot oder das Bankkonto, da sind schon mal 150 Euro Prämie drin.

Grundsätzlich bestelle ich wenig, nur weil es günstig oder gratis ist. Ein kostenloser Kalender oder eine Flasche Spülmittel wäre für mich kein Grund, irgendeiner Firma meine Daten anzuvertrauen. Auch bei Amazon bestelle ich selten: Die sollen erst einmal ihre Mitarbeiter ordentlich bezahlen.

Und noch etwas mache ich nicht mit: diese Shoppingtage wie den Black Friday. Das ist fürchterlich, wie man da mit Angeboten zugeschüttet wird. Da kaufe ich lieber wann anders, idealerweise antizyklisch. Gerade habe ich mir neue Winterschuhe besorgt, zum halben Preis. Der nächste Winter kommt ja bestimmt.«

»Manche Deals haben auch Haken«

  • »thetank« hat auf mydealz knapp 1800 Deals veröffentlicht, sie reichen vom günstigen Geodreieck bis zu Brettspielen zu Bestpreisen. Er ist 34 Jahre alt, kommt aus Hamburg und arbeitet in der IT-Branche.

»Preise verglichen habe ich schon immer. Bei mydealz bin ich seit Ende 2019 aktiv, davor habe ich dort aber bereits sieben Jahre mitgelesen. Derzeit gehe ich jeden Tag ungefähr eine Stunde auf die Suche nach Schnäppchen. Dabei suche ich primär für die Community und nicht, weil ich selbst etwas kaufen will.

Mittlerweile weiß ich, dass manche Anbieter immer zur selben Zeit neue Angebote ins Netz stellen. Bei denen schaue ich natürlich bevorzugt zu diesen Zeiten rein. Einen Wecker stelle ich mir dafür aber nicht.

Menschen, die ein Produkt im Blick haben, es aber nicht akut benötigen, rate ich dazu, sich bei mydealz anzumelden und einen sogenannten Deal-Alarm dafür einzurichten. So bekommt man eine Mail oder eine Push-Benachrichtigung, sobald jemand ein passendes Angebot postet.

Zugleich sollte man aber auch nie blind zuschlagen, wenn ein Deal auftaucht. Preisvergleiche sind immer sinnvoll, ich empfehle dafür Portale wie Geizhals oder Idealo. Bei mydealz selbst signalisieren Temperaturen, wie heiß ein Deal ist. Perfekt ist dieses System aber nicht: So werden manche Produkte wie Apple-Geräte schon bei geringer Ersparnis sehr heiß, weil bei ihnen selten mehr als zehn Prozent Rabatt drin sind. Günstige Nischenprodukte gehen derweil eher unter, weil es viel weniger Menschen gibt, die diese Angebote nach oben voten.

Manche Deals haben auch Haken, die man kennen sollte. So gibt es immer mal wieder die Chance, zum Beispiel Xiaomi-Smartphones zu Superpreisen direkt aus China zu bekommen. Anders als bei einem Kauf im hiesigen Elektronikmarkt hat man dabei aber meistens keine Gewährleistung.«

»Vorsichtig wäre ich bei offensichtlichen Preisfehlern«

  • »DerOli« ist seit 2008 auf mydealz aktiv. Jetzt, mit 36, knackt er gerade die Marke von 1000 veröffentlichten Deals. Er arbeitet im öffentlichen Dienst und lebt in Dresden.

»Zu mydealz kam ich während meiner Zeit als IT-Soldat, da ich mir durch Preisvergleiche einfach mehr leisten konnte. Ihren Reiz hat die Plattform auch in meinem 13. Jahr noch. Mindestens einmal nach dem Aufstehen und vor dem Ins-Bett-Gehen schaue ich mir die aktuellen Deals an – man will ja nichts verpassen.

Gelernt habe ich über die Jahre, dass man am einfachsten sparen kann, wenn man antizyklisch kauft. Oft ist es auch sinnvoll, über die Suchfunktion zu schauen, welche ähnlichen Deals es in der Vergangenheit gab – so kann man abschätzen, welche Preise überhaupt gut sind und welche nicht. So merkt man beispielsweise auch, dass es bei Luxusartikeln extrem schwer ist, überhaupt Rabatte zu bekommen.

Für den Besuch im Supermarkt rate ich, sich mal mit Geld-zurück-Aktionen zu beschäftigen. Eine Tabelle bei mydealz  hilft dabei, und sie lässt sich auch aus dem Laden aufrufen. Bei manchen Lebensmitteln oder Haushaltsprodukten bekommt man vom Hersteller den vollen Kaufpreis zurück, wenn man ein Foto des Kaufbelegs hochlädt.

Ich selbst nutze auch die Cashback-Seite Shoop, zum Beispiel bei Essensbestellungen und Hotelbuchungen. Durch sie habe ich über die Jahre insgesamt um die 4000 Euro zurückbekommen.

Vorsichtig wäre ich bei offensichtlichen Preisfehlern, wenn Produkte einfach viel zu günstig sind. Dahinter stecken in vielen Fällen Tippfehler oder auch mal gehackte Accounts. Wer unter solchen Umständen etwas in der Hoffnung auf ein Superschnäppchen bestellt, läuft am Ende oft seinem Geld hinterher.«

»Die Deal-Temperaturen taugen als grober Richtwert«

  • »MarzoK«, 22, aus Leipzig, gilt bei mydealz als Hardware-Experte, er hat auf der Plattform rund 1150 Follower. Gepostet hat der Informatikstudent bislang 324 Deals.

»Auf mydealz stieß ich Mitte 2017 zufällig, als ich mir einen Gaming-PC baute. Erst war ich stiller Mitleser, dann fing ich an, auch eigene Deals zu posten. Es gab Zeiten, da war ich bestimmt sechs Stunden am Tag aktiv. Momentan nehme ich mir pro Tag mindestens eine Stunde Zeit – für die Dealsuche, aber auch zum Durchlesen und Kommentieren der Posts und Nachrichten anderer. Geld verdiene ich dadurch keins. Ein paar Mal aber haben mir andere Nutzer fünf oder zehn Euro für etwas Kaufberatung überwiesen, das war nett.

Gute, sehr gute und schlechte Technikdeals kann ich mittlerweile binnen Sekunden erkennen. Doch es war schon mal leichter, in dem Bereich echte Schnäppchen zu machen. Im Moment ist es zum Beispiel fast unmöglich, Notebooks bis 500 Euro mit vernünftigem Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden, auch weil die Nachfrage nach Geräten fürs Homeoffice anhält.

Ähnlich ist es bei aktuellen Grafikkarten. Die neueren Modelle sind im Zuge von Lieferschwierigkeiten absurd überteuert. Und auch auf dem Gebrauchtmarkt sieht es nicht gut aus, weil die Karten außer fürs Videospielen insbesondere fürs Kryptomining gefragt sind. Im Moment ist es daher oft günstiger, einen Fertig-PC zu kaufen, als sich einen Rechner mit denselben Komponenten selbst zu bauen.

Die Deal-Temperaturen von mydealz taugen als grober Richtwert dafür, ob Angebote gut sind. Man sollte jedoch wissen, dass die Temperatur jeweils nicht allein vom Preis und dem Produkt abhängt, sondern ein Stück weit auch von Faktoren wie der Beschreibung, dem Bild, der Uhrzeit der Veröffentlichung oder der Beliebtheit des Erstellers. Ein Blick in die Kommentare zu einem Deal lohnt sich daher vor dem Kauf eigentlich immer, gerade bei Computern, wo es nicht nur um den Preis, sondern auch die richtige Konfiguration geht.

Mir selbst gefällt nicht alles, was auf Schnäppchenseiten beliebt ist. Problematisch finde ich China-Importe mit sogenanntem Priority-Versand. Dabei wird suggeriert, dass der Händler die Einfuhrumsatzsteuer übernimmt. Der gesunde Menschenverstand sagt einem aber, dass die Pakete über bestimmte Importketten einfach am Zoll vorbei in die EU geschleust werden. Bevor ich so etwas unterstütze, würde ich Artikel, die in Deutschland nicht viel mehr kosten, lieber direkt hier bestellen, wenn sie mal im Angebot sind.«

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