MySpace News Nachrichten für Community-Kids

Ganz bescheiden und schüchtern im Angebot versteckt hat MySpace nun auch eine Nachrichtenseite zu bieten. Wie zu erwarten war ist die vor allem anders.

Nachrichten gehören zu den populärsten Inhalten im Internet überhaupt. Da ist es kaum verwunderlich, dass sich das Musik- und Social-Network MySpace nun auch eine entsprechende Sammelseite leistet - zumal das Unternehmen zu Rupert Murdochs News Corp.-Imperium gehört. Seit Freitag befindet sich die Programmerweiterung nun im Betatest - still und heimlich.

Denn auf der MySpace-Seite selbst ist das Angebot bisher nicht zu finden. Wer sich dort umschauen will, braucht den direkten Link news.myspace.com  - und ist mittendrin.

Empfangen wird man von einer nüchternen, bildlosen Seite, die Nachrichten mit Schlagzeile und einem kurzen Anlauf anreißt. Der Klick auf "more" führt hin zur eigentlichen Quelle: Wie Google News und tausend andere Angebote ist auch MySpace News also eine sogenannte News-Aggregatoren-Seite, die die Nachrichten anderer Angebote einsammelt und ihnen Leser zuführt.

Allerdings ist MySpace News anders als die meisten Konkurrenten - und das fällt vor allem beim Blick auf die Inhalte auf. Grundsätzlich sind es einige wenige Themen pro Seite, die präsentiert werden, Fortlaufseiten ("mehr") gibt es nicht. Stattdessen gibt es am rechten Seitenrand ein Auswahlfenster, wo man Interessensgebiete nach Popularität, alphabetisch geordnet oder nach groben Themengebieten selektieren kann.

Bezeichnenderweise finden sich in den populären Themen die "World News" an letzter Stelle, was natürlich vordergründig am Alphabet liegt: "Eco-Friendly", "Gossip" oder "Web-Humor" liegen nun mal davor. Beim Blick in die Seiten hinein offenbart sich aber auch, dass diese Ordnung durchaus der Interessenlage der MySpace-News-Leserschaft entspricht. Die darf nämlich die gezeigten Nachrichten bewerten (also "empfehlen" wie bei digg). Und siehe da: Ernsthaftes Zeug interessiert da kein Schwein. Was populär ist, kommt aus der Entertainment-Ecke - oder aus Blogs.

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Die wurden noch von keinem Nachrichtenangebot so prominent präsentiert wie von MySpace News. Sie sind der eigentliche inhaltliche Kern der Nachrichtensammlung. Dass sie mehr Empfehlungen ernten als Berichte der "New York Post" mag aber auch daran liegen, dass bei Berichten aus großen Medien-Websites direkt dorthin gelinkt wird. Blogs und andere kleine Anbieter hingegen werden mit einem blauen MySpace-Rahmen gezeigt, über den man den gezeigten Beitrag dann auch gleich bewerten kann - vielleicht das erste Mal, dass sich eine solche Ungleichbehandlung zum Vorteil der vermeintlich schwächeren Partei auswirkt.

Ansonsten aber kommt MySpace News erstaunlich trocken und bieder daher. Abgesehen von dem Bewertungsmechanismus gibt es als Interaktiva gerade noch ein paar Funktionen am Seitenfuß: Da kann, wer will, seine Webseite oder sein Blog aus den MySpace News streichen lassen oder um Aufnahme bitten. Die liebe Nutzerschaft darf zudem um die Schaffung zusätzlicher Inhalte-Kategorien bitten: Bis hin zu Nachrichten für die Liebhaber des Wollkatzen-Schnellstrickens, heißt es in den FAQ, sei jedes "angemessene" Thema denkbar. Loben darf man das alles auch, nur was andere dazu sagen, bekommt man nicht zu sehen: Ein Forum, Gästebuch oder eine Kommentarfunktion fehlen.

Wundertüte mit reduzierter Optik

Unklar bleibt, wer die Nachrichtenauswahl trifft. Eine Maschine, ein Algorithmus wie bei Google und Co. steckt nicht dahinter - was das relativ kleine Angebot erklärt. Das hat durchaus auch Vorteile. Statt der 572 Agenturquellen zu einem Thema, wie man sie bei Google, Yahoo und Co. findet, bekommt man eben nur eine, hoffentlich gut ausgewählte, Quelle serviert. Mit den Nachrichtenanbietern hat News Corp. im Vorfeld entsprechende Vereinbarungen getroffen, soweit das überhaupt nötig war.

Denn Bescheidenheit hin oder her haben Quellen aus Rupert Murdochs News Corp. bei MySpace natürlich ein deutlich höheres Gewicht als das normalerweise so der Fall ist - so bekommt die "New York Post" einmal eine Chance, die "New York Times" klar auszustechen. Immerhin, auch die "Times" findet sich durchaus im Angebot.

Nicht bekannt ist zu guter letzt auch, wann und in welcher Form die News integraler Bestandteil des Inhalteangebotes von MySpace werden.

Innerhalb der vielfältig verzahnten Community könnten Teile des Angebotes durchaus populär werden, zumal das Modell es denkbar macht, auf Teilcommunities abgestimmte Angebote zu stricken, die sich dann in die Profilseiten integrieren ließen. In der schillernden Welt von MySpace gibt es durchaus Gruppen, deren Nachrichteninteressen von absolut niemandem bedient und befriedigt werden. Irgendwie müssen die Macher ja auf ihr Beispiel mit den Wollkatzen-Schnellstrickern gekommen sein.

Fazit: Ein für die MySpace-Community zum internen Gebrauch durchaus denkbares Angebot. Für alle anderen gibt es bessere Alternativen, von den Originalseiten der Medienhäuser ("New York Times" bis SPIEGEL ONLINE) über Google- oder Yahoo-News bis hin zu Technorati für die Liebhaber der Blogosphäre.

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