Fotokunst Facebook sperrt Museumsseite wegen Nacktbild von 1940

Facebook macht keinen Unterschied zwischen Kunst und Pornografie. Das ist bekannt, ein aktueller Fall aber wirkt besonders skurril: Das Profil eines französischen Museums wurde gesperrt - wegen eines dezenten Aktfotos aus dem Jahr 1940.
Zensiertes historisches Foto: Museumsprofil bei Facebook gesperrt

Zensiertes historisches Foto: Museumsprofil bei Facebook gesperrt

Foto: Jeu De Paume / Facebook

Aus europäischer Perspektive wirken die Bemühungen amerikanischer Unternehmen um Wohlanständigkeit zuweilen bizarr. Neben Apple ist Facebook zuverlässiger Lieferant entsprechender Meldungen. So auch im Fall des Pariser Museums "Jeu de Paume" . Das bekannte Ausstellungshaus ist auf historische und moderne Fotokunst spezialisiert, derzeit läuft dort noch bis zum 12. Mai eine Retrospektive der französischen Fotografin Laure Albin Guillot (1879-1962). Da war es naheliegend, mit einem Werk der Künstlerin auch beim Facebook-Profil des Museums für die Ausstellung zu werben. Das dafür ausgewählte Schwarzweiß-Bild von 1940 namens "L'Étude du Nu" (Nacktstudie) zeigt eine liegende unbekleidete Frau , lediglich der Schambereich ist durch ein weißes Tuch verdeckt.

Allerdings sind die Brüste der Dame inklusive der Brustwarzen zu erkennen, damit aber war für die Facebook-Zensur der Anlass zum Einschreiten vorhanden. Die Netzwerk-Verantwortlichen sperrten am vergangenen Freitag das komplette Museumsprofil für die Dauer von 24 Stunden.

Am Mittwoch machte das Museum schließlich seinen Ärger öffentlich , die Nachrichtenagentur AFP zitiert die erboste Stellungnahme: "Nicht zwischen einem Kunstwerk und einem Bild mit pornografischem Charakter zu unterscheiden, ist nicht nur eine fragwürdige, sondern vor allem gefährliche Vermischung."

Gemälde ja, Fotos nein

Ein Sprecher von Facebook France erklärte, es sei "bisweilen schwierig, zwischen Kunst und Pornografie zu unterscheiden". Daher seien Irrtümer nicht auszuschließen. Würden diese erkannt, stelle man gelöschte Inhalte schnellstmöglich wieder her. Auch "L'Étude du Nu" erschien am Mittwoch vorübergehend wieder, allerdings mit einem schwarzen Balken über den inkriminierten Körperzonen.

Während der Zorn der Facebook-Freunde des Museums ungebrochen ist und zum Beispiel den "amerikanischen Puritanismus" kritisiert, dankten die Museumsverantwortlichen ihren Unterstützern und erklärten, die Kontroverse könnte für die Facebook-Administratoren Anlass sein, um ihre Position zu überdenken: "Wir erwarten, dass die 'Facebook Community Standards' demnächst überprüft werden und weigern uns, uns jeglicher Form der Zensur zu unterwerfen."

"Cnet" nutzte die Gelegenheit, um genüsslich an frühere Skandale wie die Verwechslung von Ellenbogen mit Brustwarzen zu erinnern. Dann fragte das IT-News-Portal beim Netzwerk nach, ob es nicht ein Zeichen der Vernunft sei, einem Museum zu erlauben, künstlerische Bilder auf seinem eigenen Profil zu zeigen, dessen Betrachter darüber wohl kaum schockiert wären. Ein Facebook-Sprecher teilte daraufhin mit, das Netzwerk erlaube "bedauerlicherweise" Gemälde von Nackten, jedoch keine Fotos.

meu
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