Gruppe "Team Digi7al" Navy-Hacker arbeitete auf Flugzeugträger

Die Gruppe "Team Digi7al" veröffentlichte am liebsten Dokumente von US-Behörden und -Militärinstitutionen. Jetzt wurde aus Gerichtsunterlagen bekannt, dass einer der Hacker einen höchst brisanten Arbeitsplatz hatte.

Flugzeugträger USS Harry Truman: Hacker an Bord
DPA

Flugzeugträger USS Harry Truman: Hacker an Bord


Die NSA sucht mit Uralt-Code auf Twitter nach Hacker-Nachwuchs?Vielleicht sollte sie sich lieber in den eigenen Reihen umsehen. Zu diesem Schluss jedenfalls könnte kommen, wer eine Anklageschrift liest, die das US-Magazin "The Atlantic" veröffentlicht hat.

Das Dokument hat es in sich: Staatsanwalt Danny Williams beschreibt darin, wie Nicholas Kn. und der Mitbeschuldigte Daniel Kr. angeblich in Websites und Rechnersysteme eingedrungen sind und Daten entwendet haben. Anschließend sollen sie bei Twitter als "Team Digi7al" mit ihren Hacks angegeben haben, darunter ein Angriff auf Computer der US-Kriegsmarine.

Neben der Navy war die National Geospatial-Intelligence Agency ("Google Earth fürs Militär") ein Ziel, ebenso richteten sich Angriffe gegen das Heimatschutzministerium, die Forschungseinrichtung Los Alamos National Laboratory, den Toronto Police Service, gegen AT&T und den Musiker Rashod Holmes.

Bei Hack-Versuch ertappt

Noch brisanter macht die Angelegenheit ein Detail, das jetzt ebenfalls durch die Gerichtsunterlagen bekannt wurde: Zur Zeit der Hacks arbeitete Kn. als Systemadministrator auf der USS Harry S. Truman, einem nukleargetriebenen Flugzeugträger der Nimitz-Klasse. Schlimmer noch: Er wurde bei einem Hack-Versuch ertappt, während er auf dem Flugzeugträger war.

Im Februar 2013 durchsuchte der Naval Criminal Investigative Service (NCIS) Kn.s Wohnung, woraufhin dieser alle Taten zugab und volle Kooperation zusicherte. Einem jugendlichen Hack-Kameraden gab er aber noch den Tipp, Daten zu löschen.

Kn. und sein mutmaßlicher Komplize Kr. hatten es bei ihren Hack-Attacken offenbar auf Regierungs-Websites abgesehen, schreibt die Staatsanwaltschaft. Ihre Suche nach ausnutzbaren Sicherheitslücken konzentrierten sie auf Angebote von Militär-, Bildungs-, Geheimdienst-, Heimatschutz-Einrichtungen und auf andere kritischer Infrastruktur.

An persönliche Daten von Soldaten gelangt

Und die Hacker wurden häufig fündig: Sie stießen zum Beispiel auf persönliche Daten von Soldaten, die für Truppentransporte bereit standen und veröffentlichten sie leicht redigiert im Netz, um sich auf Twitter darüber lustig zu machen. Der Einbruch in die Systeme der Polizei von Toronto brachte ihnen unter anderem Zugangsdaten und die Klarnamen von 500 Polizeiinformanten.

Die Suche nach Motiven fiel Staatsanwalt Williams nicht schwer: Nicholas Kn. soll sich selbst als "nuclear black hat" bezeichnen, der für das amerikanische Volk und nicht die Regierung kämpfe; Daniel Kr. hacke "aus Langeweile". Es hätte sich "irgendwie politisch angeboten, die gefundenen Daten zu veröffentlichen", zitiert die Anklageschrift Hack-Gefährten, und: "weil es Spaß macht und wir es können."

Geht es nach Staatsanwalt Williams, werden beide Hacker empfindliche Strafen bekommen: Er will ihnen eine Verschwörung vorwerfen. Die Angeklagten hätten sich wissentlich, vorsätzlich und absichtlich zusammengetan, verschworen und mit anderen darauf geeinigt, die Vereinigten Staaten zu betrügen. Sie seien unrechtmäßig in Computer eingedrungen, hätten Schaden angerichtet, Identitätsdiebstahl begangen und die Ermittlungsbehörden behindert. Ein Verhandlungstermin ist bislang nicht bekannt.

fko



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
cruiserxl 12.05.2014
1. ...wie können sie es wagen sich so zu...
...verhalten wie es die staatlichen Institutionen machen...unverantwortlich...hahahaha
cptlars 13.05.2014
2. ncis
McGee macht das doch auch immer. .. ;-)
Jack 13.05.2014
3. Ncis
"Im Februar 2013 durchsuchte der Naval Criminal Investigative Service (NCIS) Kn.s Wohnung, woraufhin dieser alle Taten zugab und volle Kooperation zusicherte." - Na, da haben Gibbs und sein Team ja ganze Arbeit geleistet.
wauz, 13.05.2014
4. Großes Geschrei
machen die Staatsanwälte immer, wenn es eigentlich für "ihre" Seite peinlich ist.
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