Neonazi-Websites Rechtsextreme entziehen ihre Angebote dem Zugriff deutscher Behörden

Es hat ein paar Jahre gedauert, bis Rechtsextreme wagten, ihre Webangebote über deutsche Internetprovider zu verbreiten. Die meisten rechten Angebote kamen und kommen aus den USA. Jetzt bläst den deutschen Neonazis der Wind ins Gesicht - und sie verlegen ihre Websites zunehmend zurück in die Vereinigten Staaten.


Hamburg - Der Niedersächsische Verfassungsschutz zähle derzeit rund 360 rechtsextremistische Internet-Seiten, die von vielen Neonazis genutzt würden, berichtete der Norddeutsche Rundfunk am Sonntag.

In Amerika herrscht "freie Meinungsäußerung", Rechtsextreme brauchen nur ihren Anbieter zu wechseln
DPA

In Amerika herrscht "freie Meinungsäußerung", Rechtsextreme brauchen nur ihren Anbieter zu wechseln

Um ihre Internetseiten dem Zugriff deutscher Behörden zu entziehen, versuchten Rechtsextremisten aus Deutschland auf amerikanische Internet-Anbieter zurückzugreifen. In den vergangenen Tagen hätten bereits bis zu 90 Neonazi-Gruppen gewechselt.

Verfassungsschutz-Sprecher Rüdiger Hesse sagte dem NDR, die Seiten seien seit Beginn der Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland aggressiver und im Ton militanter geworden. Von den Internet-Seiten der Neonazis ließen sich mittlerweile ohne weiteres Anleitungen zum Bau von Bomben herunterladen.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gernot Erler, forderte im NDR schnelle Gespräche mit den USA. "Das kann ja nicht das Ende der Durchsage sein, dass von der Globalisierung rechtsextremistische Gruppen profitieren, indem sie auf deutschem Recht nicht zugängliche Server wechseln."

Die amerikanische Seite werde selber ein großes Interesse haben, dass in Zukunft rechtsextremistische Tendenzen in Europa nicht mit amerikanischer Hilfe verbreitet würden. "Es wäre ja auch ein peinlicher Eindruck, der da entstehen würde", sagte Erler.



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