Netz-Initiativen Aufstand gegen Rechts

Die Registrierung der "heil-hitler"-Domain hat die Problematik um rechte Tendenzen im Internet wiederbelebt. Zahlreiche Seiten im Web halten dagegen.

Medien, Provider, Start-ups und Private machen mobil und sagen mit verschiedensten Initiativen dem "Rechten Netz" den Kampf an. Die Palette reicht von Bannern, mit deren Platzierung man politisch Farbe bekennt, privaten Kontaktbörsen für In- und Ausländer bis hin zu Aufrufen, rechtsextreme Inhalte im Netz verschärft zu beobachten und zu melden. Eine der wichtigsten Aufgaben schließlich ist Information und Aufklärung, denen sämtliche Projekte viel Platz einräumen.

Hier eine erste Auflistung der Aktionen: In den kommenden Tagen wird ein "Medien-Web: Netz gegen Rechts" entstehen, das als journalistisch solide Informationsplattform dienen soll. Mit Links zu Texten über Rechtsradikale, News über Debatten und Ereignisse und selbstverständlich Verknüpfungen zu Initiativen im Netz, die gegen rechte Gewalt arbeiten.

Auch der bundesweite Start-up-Verband e-nef  hat ebenfalls am Donnerstag bekannt gegeben, sich kollektiv gegen rechtsradikale Inhalte im Netz zu stellen. "Mit dieser Initiative wollen wir zeigen, dass wir nicht gewillt sind, uns von brauen Dummköpfen terrorisieren zu lassen," berichtet der e-nef-Sprecher Kilian Lenard. e-nef will auf sämtlichen Mitglieder-Seiten Banner platzieren, um die gemeinsame Entschlossenheit zu demonstrieren.

Die "Initiative Dialog" ruft auf www.nazis.de  zum Gespräch mit Nazis auf: "Redet mit Nazis, wo Ihr sie trefft". Geschäftsleute, Juristen und Journalisten aus mittlerweile dem gesamten Bundesgebiet betreiben hier eine Plattform, und brauchen laut Eigenaussage "keine wöchentlichen Teerunden, um sich politisch abzustimmen. Unsere Berufe bringen es mit sich, dass wir nach pragmatischen Lösungen in der Realwelt suchen und uns nicht zufrieden geben können mit Sonntagsreden, bei denen diejenigen weghören, denen sie gehalten werden müssten."

Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. 
Der Verein wurde 1993 gegründet und sucht als überparteilicher Zusammenschluss von Politikern, Wissenschaftern, Pädagogen, Gewerkschaftern und Journalisten die kritische Auseinandersetzung mit jedweder Form von Extremismus und Rassismus. Durch die Erinnerung an die Vergangenheit soll die freiheitlich-demokratische Grundorndung gestärkt werden. Vorsitzender ist Ex-SPD Chef Hans Jochen Vogel.

Aktion Courage e. V. - SOS Rassismus 
Der Aktion Courage e.V. wurde 1992 gegründet und setzt sich als politische unabhängiger Bundesverband von Gruppen und Einzelpersonen aus allen gesellschaftlichen Bereichen für ein friedliches Zusammenleben von Menschen mit verschiedener Nationalität ein. Oberstes Ziel ist die Förderung von Zivilcourage, die konkretes Eingreifen im alltäglichen Rassismus bedeutet. Auf der Homepage gibt es praktische Tipps für den Umgang mit Alltags-Rassimus. Der Verein Initiierte unter anderem das bundesweite Projekt "Schule ohne Rassismus".

Kontaktinitiative Gelebe Freundschaft 
Die erst diese Woche gegründete Initiative bietet in erster Linie eine "Kontaktbörse für gelebte Freundschaft", wie der Initiator Meinrad Müller berichtet. Über die Internetseite sollen sich Deutsche und in Deutschland lebende Ausländer begegnen und erst mal virtuell Kontakte schliessen. Die Idee zur Aktion sei entstanden, nachdem der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sein Stellvertreter Michel Friedman und Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye eine Bürgerinitiative mit dem Arbeitstitel "Gesicht zeigen" angekündigt hatten.

3n 
"3n" steht für "Nein zu Nazis im Netz" und ist wurde ebenfalls erst jüngst ins Leben gerufen. Hier soll ein branchen- und schichtenübergreifendes Netzwerk gegen den wachsenden Rassismus in Deutschland geschaffen werden. Sympathisanten können mit "3n"-Logos ihre Solidarität kundgeben und verpflichten sich, bei Beobachtung einschlägiger Angebote, diese aktiv an die zuständigen Stellen weiterzuleiten.

"Web gegen Rechts" 
Diese Homepage ist ein Beitrag von drei Berliner Schülern zu einem vom Berliner Abgeordnetenhaus ausgeschriebenen Wettbewerb "Web gegen Rechts" und bietet ein umfangreiches Informationsangebot gegen die rechtsextremistische, rassistische und antisemitische Propaganda im Netz.

Provider gehen in die Offensive


Die Berliner Strato AG, über die heil-hitler-Domain angemeldet wurde, hat eine "Initiative gegen Mißbrauch im Internet" ins Leben gerufen. Zu diesem Zweck wurden vergangenen Dienstag alle DENIC-Mitglieder, dem Deutschen Network Information Center, sowie diverse Vertreter aus Presse und Politik eingeladen, dem Bündnis beizutreten. Bereits in den nächsten in zehn Tagen soll es zu einem konstitutionierenden Treffen aller Mitglieder der Initiative kommen.

"Wir wollen einen gemeinsamen Weg finden, gegen Inhalte und Namensgebungen von Internetadressen vorzugehen, die menschenverachtende Tendenzen fördern und die Regierung sowohl konzeptionell wie auch technisch unterstützen", erklärte Arthur Wetzel, Vorstandsmitglied der Strato AG. "Es ist klar, daß wir alle mithelfen müssen, das Internet als Platz des friedlichen Informationsaustausches zu etablieren, in dem extremistische Umtriebe keine Chance haben", meinte er.

Empfehlungen für weitere Initiativen und Seiten gegen Rechts an die Redaktion 

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