Netz-Kunst "Die ultimative YouTube-Playlist"

Wer sich bei YouTube flüchtig umsieht, könnte leicht dem Eindruck verfallen, dort gäbe es nichts als pubertären Käse und Musikvideos. Wer gründlicher sucht, findet aber immer Perlen - gewagte, poetische, witzige, provozierende Videos. Das New Yorker Guggenheim Museum vergibt dafür erstmals Preise.
Screenshot YouTube Play - Guggenheim

Screenshot YouTube Play - Guggenheim

Auszeichnungen und Awards gibt es im Web wie Sand am Meer: Lange Zeit gehörte das Vergeben von Preisen und Ehrentiteln zu den beliebtesten Methoden, auch um für sich selbst Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wer allerdings am Donnerstag eine der 25 Auszeichnungen des weltbekannten Guggenheim-Museums in New York erhalten wird, bekommt damit mehr als nur einen virtuellen Orden - er erhält gewissermaßen höhere Weihen.

Denn was das Guggenheim da mit " YouTube Play: A Biennal of Creative Videos " angeht, wird zumindest die Werke der 25 Preisträger auf das Podest der Kunst heben. Die Preisträgervideos werden am Donnerstagabend nicht nur im berühmten von Frank Lloyd-Wright entworfenen Guggenheim-Museum in New York zu sehen sein, sondern auch davor: Sie werden als Projektion auf dem Rundbau des Museums auch außen gezeigt. In den Guggenheim Museen Berlin, Bilbao und Venedig können die Kreationen danach noch in speziell designten Kiosken angeschaut werden.

Und natürlich dort, wo sie herkamen: im Web.

Ziel der Aktion war es, im unüberschaubaren Angebotswust von YouTube, der jeden Tag um angeblich 65.000 neue Videos ergänzt wird, Beiträge von künstlerischem Werk zu finden. So etwas kann man nicht suchen und finden in diesem Konglomerat aus Teenager-Meinungsäußerungen, selbstgemachten Stunt-Videos, Musik-Clips und Blödelformaten, Propagandavideos, Papst- und Politikerselbstdarstellungen, in dem man eben auch Kurzfilme, ambitionierte Statements, poetische Bildwerke und originelle Trickfilme findet. Man kann darüber stolpern, darauf hingewiesen werden - oder man kann nachhelfen.

Das hat das Guggenheim-Museum getan. Am Anfang der Aktion "YouTube Play" stand eine reguläre Ausschreibung. Man konnte seine Werke einsenden, auf dass sie dann von einer prominent besetzten Jury (unter anderen die Musikerin und Performance-Künstlerin Laurie Anderson, der Hollywood-Regisseur Darren Aronofsky, der österreichische Grafikdesigner Stefan Sagmeister und der japanische Pop-Künstler Takashi Murakami) begutachtet werden konnten.

Über Unterbeschäftigung konnte die wohl nicht klagen. 23.000 Videos gingen bei der Jury ein, auf der "Shortlist" der Nominierten stehen nun noch 125, davon mehrere aus Deutschland. Verblüffend ist die Bandbreite der Werke, die in ihrer Häufung so gar nicht "youtubig" wirken - und doch passt jedes einzelne dorthin.

Alles zusammen, sagt Nancy Spector, die Chefkuratorin und Vorsitzende der Jury, zeige den vollen Umfang der Genres, die für die Videoplattform typisch seien: "Die ultimative YouTube-Playlist". Was natürlich nicht so ganz stimmt, denn das schrille, doofe, pubertäre Element fehlt hier völlig. Dafür sind Künstler und Studenten klar überrepräsentiert - doch auch Hobbyfilmer haben es in die letzte Auswahl geschafft.

Wer am Ende das Rennen macht, wird man in Deutschland erst in der Nacht von Donnerstag auf Freitag erfahren. Ausgezeichnet sind die 125 Filme der Shortlist so oder so alle. Wir haben einmal ganz willkürlich in diese Wundertüte gegriffen und sechs Pretiosen hervorgezogen. Wer mehr will, findet alle Nominierten auf der YouTube-Seite des Projektes. Ein mehr als abendfüllendes, wirklich lohnendes Kontrastprogramm zum TV-Einerlei.

Hulachess - Multitasking als Kunstform

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Superjenium alias Jennifer Shahade publiziert nicht nur zahlreiche Videos bei YouTube, sondern ist auch schreiberisch aktiv. Wirklich bekannt ist sie allerdings aus einem anderen Grund: Sie ist Schach-Großmeisterin und zweifache US-Meisterin. Hulachess hat sie bereits 2009 veröffentlicht, wirklich bekannt wurde das Video aber erst in den letzten Tagen.

Dass das Ganze mehr ist als nur ein ästhetisches Experiment, ist Shahade wichtig: Für sie ist der Film ein Spiel mit Motiven des Schach, der Weiblichkeit, des Multitasking - und ganz nebenbei die Verbesserung einer historischen Schachpartie, für die sie und ihre weiße Gegnerin, die Tänzerin Gabrielle Revlock, gegen Ende des Videos ein alternatives Ende des Spiels entwickeln.

Machinima "Eine Frage der Ehre" - eine wahrhaft Web-typische Filmform

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Noch so ein typisches YouTube-Ding: "A question of honour" ist ein Machinima - ein mit Hilfe eines Videospiels oder einer spielerischen virtuellen Umgebung produzierter Trickfilm. Dieser hier wurde in Second Life "gedreht", der Autor Ionoallen gewann damit unter anderem den Hosoi Ibicha Machinima Award - denn in der Web-Community gelten Machinima seit langem als eigenständige Kunstform.

"Stoop Sitting" - Dokumentarfilm in der Web-Version

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"Stoop Sitting" von EveryoneForeverNow ist eine kunstvolle Dokumentation, ein Schlaglicht, ein Einblick in das Leben von Menschen. Genauer: Es schaut auf die Schönheit des gepflegten Müßiggangs, auf der Veranda, vor der Tür, auf der Treppe sitzend. Wer sich schon immer einmal gefragt hat, warum Menschen das tun, ist nachher schlauer. Vielleicht setzt er sich sogar dazu.

Aus deutschen Landen... - kantiges Vergnügen, das mit teutonischen Klischees spielt

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"Der präzise Peter", präsentiert von der Kunsthochschule Kassel und produziert von Martin Schmidt, ist ein Trickfilm, der mit teutonischer Eckigkeit daherkommt - und sich in einem herrlich sympathischen Chaos auflöst, das man nur als Happy End beschreiben kann. Der kurze Trickfilm ist einer der höchstdekorierten beiträge im Wettbewerb, gewann bereits eine ganze Reihe von Preisen. Zuletzt wurde er im Rahmen der Ars Electronica 2010 ausgezeichnet.

"Contemporary America" - YouTube-typischer Kommentar zur Gegenwart

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"Contemporary America" ist ein Kommentar zum großstädtischen Leben - kurz und prägnant, subjektiv und deutlich, wie wir das von YouTube kennen. Im TV wäre ein Filmchen wie dieses von Dandy Noel undenkbar, auf Videoportalen wie YouTube haben sie sich zu einer ganz eigenständigen Form entwickelt.

"One Day in Creativity" - auf den Fersen des Kreativen

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"One Day in Creativity" ist eine Kurz-Doku, wenn man so will. Der Film folgt einen Tag lang den Unternehmungen eines jungen französischen Kreativen. Ein wirklich YouTube-typisches Werk in seiner Uneitelkeit: Als Verfasser firmiert "lhommeokeurbride", hinter dem sich wiederum eine französische Künstlergruppe namens FrenchArtTouch  verbirgt, die sich gemeinsam im Web präsentiert. Motto: "Tomorrow's artists, today".

pat
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