Netztests von »Chip« und »Connect« Die Mobilfunknetze werden besser – aber nicht überall

Funklöcher werden seltener und die Datenraten höher, dazu steigt die Sprachqualität, attestieren Mobilfunknetz-Tests von Fachzeitschriften. Zwei Großbaustellen aber bleiben immer noch unvollendet.
Logos der drei deutschen Netzbetreiber: Die Reihenfolge ist kein Zufall

Logos der drei deutschen Netzbetreiber: Die Reihenfolge ist kein Zufall

Foto: Manngold / IMAGO

Tests der Mobilfunknetze der drei großen deutschen Provider gehören zur Vorweihnachtszeit wie Lebkuchen und Kerzenlicht – nur so gemütlich sind sie nicht. Seit Jahren wetteifern Fachzeitschriften darum, den König der mobilen Kommunikation zu küren, den Anbieter mit dem besten Netz also. Während die Unterschiede zwischen den Netzbetreibern – Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 – immer geringer werden, scheinen die Tester immer aufwendiger zu testen.

So gibt die »Chip « an, für ihren Netztest mit mehreren Fahrzeugen voller Messtechnik insgesamt 10.633 Kilometer auf Autobahnen und Landstraßen zurückgelegt zu haben. Zugleich fuhr ein Messteam samt Ausrüstung 1832 Kilometer in ICEs, während andere Tester 79 Stunden lang mit Rucksäcken voller Equipment durch Großstädte wanderten. Für den Test der »Connect « wiederum fuhren Messwagen 13.196 Kilometer deutscher Straßen ab und zusätzlich 5580 Kilometer in Österreich und 6400 Kilometer in der Schweiz. Natürlich wanderten auch hier Tester durch die Städte und fuhren mit der Bahn umher.

Zusätzlich werten beide Zeitschriften Crowdsourcing-Daten aus. Dazu hätten »Tausende populäre Apps« bei einer nicht genannten Zahl von Nutzern alle 15 Minuten im Hintergrund geprüft, »ob Kontakt zum Netz besteht, welche Netztechnologien zur Verfügung stehen und mit welcher Datenrate und Latenz die Übertragung erfolgt«, heißt es, »sofern der Nutzer der vollkommen anonymen Datenerhebung zugestimmt hat«. Die einmal täglich gesammelt an einen Server übertragenen Daten umfassten nur wenige Bytes, »sodass sie das Datenvolumen des Nutzers kaum belasten«, erklärt das Magazin.

Die Frage, wer denn nun das beste, das zweitbeste und das drittbeste Netz hat, beantwortet »Connect«-Autor Hannes Rügheimer: »Trotz stürmischer Zeiten bleibt die Rangfolge in unserem Mobilfunknetztest stabil.« Die Telekom liegt mit ihrem Mobilfunknetz erneut auf dem ersten Platz, heißt es, »mit klarem Abstand zum Verfolgerfeld«. Die »Chip« sieht in der Telekom ebenfalls den Testsieger, weil sie das beste 5G-Netz hat und in Fernzügen die besten Verbindungen ermöglicht. Der Vorsprung schmelze jedoch dahin, schreibt »Chip«, »denn das Niveau der drei deutschen Netze gleicht sich immer mehr an.«

Insgesamt hätten alle drei Provider ihre Netze verbessert, heißt es von der »Connect«. Vodafone erziele »im Vorjahresvergleich den größten Punktezuwachs«. Auch O2 habe sich deutlich verbessert, habe aber Nachholbedarf bei der Versorgung ländlicher Gebiete mit schnellen Datenverbindungen und 5G-Technik. In den Städten hingegen sei der 5G-Ausbau von O2 vorbildlich.

Verzug im Zug

Während sich die Tester mit dem Ausbau der Netze vor allem in städtischen Regionen zufrieden zeigen, sehen sie weiterhin Verbesserungspotenzial bei der Mobilfunkversorgung auf dem Land und in der Bahn. Alle Netzbetreiber blieben »aufgefordert, ihre Performance in deutschen Zügen weiter zu verbessern«, schreibt die »Connect«.

In ihrem Test sei die Netzqualität in Zügen im Vergleich zum Vorjahr sogar »auf ein niedrigeres Level« gesunken, attestiert die »Chip«. Besonders im Netz von O2 hapere es an der Zuverlässigkeit von Datenverbindungen, das Netz schrammt damit nur knapp an der Note »ausreichend« vorbei.

Am Ende ändert sich kaum etwas daran, wie die beiden Fachzeitschriften die drei Netze bewerten. Es sind alle besser geworden, und das Netz der Telekom wird erneut als das beste bewertet, vor Vodafone und Telefónica/O2. Bemerkenswert ist allerdings, dass O2 beim 5G-Ausbau in den Städten kräftig aufholt.

Für Hamburg, München und Frankfurt am Main attestiert die »Chip« O2 die beste Verfügbarkeit der besonders schnellen, aber reichweitenschwachen 5G-Netze im 3,6-GHz-Frequenzband. Dass das Unternehmen in der 5G-Gesamtwertung der »Chip« trotzdem weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz liegt, liegt auch daran, dass O2 die 5G-Datenrate auf 500 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) begrenzt. Die Konkurrenz erreicht deutlich höhere Werte.

mak
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