Netzüberlastung Das Moorhuhn führt zu Verstopfung

Beim Riesenansturm auf die neue Moorhuhn-Version wurden angeblich bis zu 180.000 Downloadversuche stündlich registriert. Viele Fans kamen gar nicht durch.


Kein Anschluss unter dieser Nummer: Auf den Download-Klick folgt das vielsagende "Ping!" des Rechners - nichts geht mehr
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Bochum - Die zweite Version der beliebten Moorhuhn-Jagd auf dem Bildschirm war am Sonntagmorgen zum kostenlosen Download aus dem Internet freigeschaltet worden. Doch bevor die Moorhühner gejagt werden konnten, mussten die Fans zunächst die Internet-Jagd nach dem Computerspiel "Moorhuhn 2" antreten. Nur selten waren die Nutzer erfolgreich.

Wie ein Sprecher der Moorhuhn-Herstellerfirma Phenomedia AG aus Bochum mitteilte, gab es zeitweise bis zu 180.000 Downloadversuche in der Stunde. Bei dieser Anzahl seien einige Netzknotenpunkte kollabiert. Phenomedia-Chef Markus Scheer sagte angesichts des überlasteten Netzes: "Wenn bis zu 180.000 Menschen stündlich versuchen, das Spiel herunterzuladen, sind offensichtlich die aktuellen Netzstrukturen des Internets in Deutschland überfordert."

Plastischer, bunter, mehr Ziele, bessere Bewaffnung - ansonsten bleibt alles beim Alten
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Eine Darstellung, der man folgen kann - oder auch nicht: Vieles deutet darauf hin, dass zumindest am Montag eher die Strukturen, die Phenomedia und Computer Channel zur Verfügung stellten, überfordert waren. Die betreffenden Webseiten sind problemlos anzusurfen, erst beim Versuch eines Download kommt es zum Vollstillstand. Das deutet eher auf einen Engpass im Bereich des betroffenen FTP-Servers hin.

"Es wird mindestens zehn Tage dauern, bis jeder, der will, das neue Spiel auf seinem Computer hat", schätzt Phenomedia-Sprecher Ulf Hausmanns. Dass einige Glückliche aber doch durchgekommen seien, zeige die Registrierung von mehr als 20.000 Usern allein bis zum Sonntagmittag.

Nach Angaben von Phenomedia hatten sich rund zehn Millionen Computerbesitzer das erste Moorhuhn-Spiel installiert. Die erste Version, ursprünglich als Werbeaktion für eine Whiskey-Firma gedacht, hatte sich schnell zu einem der beliebtesten Computerspiele in deutschen Büros entwickelt.

Mittagspausen-Gestaltung: Kommt es auch diesmal nach der "Netzverstopfung" zum Lahmlegen ganzer Büroetagen?
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Ob das diesmal gelingen kann, bleibt abzuwarten: Für die rasende Verbreitung des ersten Moorhuhn-Spieles sorgte vor allem die Verteilung per E-Mail von Fan zu Fan und die Tatsache, dass das Spiel binnen kurzer Zeit auf zahlreichen Downloadseiten zu finden war. Genau das verbieten Phenomedia und Computer Channel, die Vertreiber des Spieles, jedoch in diesem Fall. In einem Rundschreiben an die Betreiber von Webseiten und im "Kleingedruckten" der Download-Webseiten weisen die beiden Unternehmen darauf hin, dass es bei Androhung rechtlicher Konsequenzen sowohl untersagt sei, das Moorhuhn zum Download anzubieten, als auch "Deep Links" direkt auf den Download des Spieles zu legen. Das Spiel wird also exklusiv bei diesen Anbietern verbleiben.



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