Netzwelt-Ticker 50 Millionen Handys überschwemmen Deutschland

Mehr Handys in Deutschland, mehr Windows Vista für die Welt, aber nur ganz, ganz wenige Fans für MySpace News - das und mehr im Nachrichten-Überblick.


Vier von fünf Deutschen haben ein Handy

In seiner "Zahl der Woche" ließ das Statistische Bundesamt diesmal wissen, dass 80 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland über ein Handy verfügten, insgesamt gebe es in deutschen Wohnungen beinahe 50 Millionen Mobiltelefone.

LG-Prada-Handy: 80 Prozent der deutschen Haushalte haben ein Mobiltelefon
DPA

LG-Prada-Handy: 80 Prozent der deutschen Haushalte haben ein Mobiltelefon

Haushalte mit Kindern haben dabei schon fast Vollausstattung erreicht: bei 97,9 Prozent klingele regelmäßig das Handy, Singles dagegen mögen es anscheinend ein wenig zurückgezogener, von ihnen benutzten das Gerät nur knapp zwei Drittel (64 Prozent).

Vista schon 40 Millionen Mal verkauft

Eine Microsoft-Konferenz ohne Jubelmeldung übers Unternehmen? Natürlich nicht, auch nicht auf der diesjährigen WinHEC, einer Drängelschau von Hardwareherstellern, die zeigen wollen, was ihre Produkte mit Windows alles können. Zur Eröffnung gab Bill Gates bekannt, das neue Betriebssystem Windows Vista sei ein Riesenerfolg, man habe bereits im ersten Verkaufsquartal 40 Millionen Lizenzen verkaufen können, wobei in 78 Prozent der Fälle die Premium-Version an den Käufer gebracht worden sei. Und wie das bei Quasimonopolisten so ist: Alle bemühen sich, den neuen Standards zu entsprechen. 10.000 Hard- und Softwareprodukte seien mittlerweile als Vista-kompatibel klassifiziert worden. Und wer sich gefragt hat, wie denn nun der richtige Name der neuen Windows-Servergeneration lauten werde, die bislang unter dem Arbeitstitel "Longhorn" bekannt war, wurde in seiner Neugier ebenfalls befriedigt: "Windows Server 2008" soll nach ausgiebigen Testläufen noch in diesem Jahr in Produktion gehen.

Vinyl-MP3-Hybrid kommt

First Word Records, ein britisches Plattenlabel, hat ein Herz für die Freunde des warmen Klangs mit ein wenig Bratkartoffelsound: Das Unternehmen verkauft nämlich gute alte Schallplatten. Allerdings ist man schon auf der Höhe der Zeit, mit den Vinylscheiben erwirbt der Käufer zugleich auch das Recht, die 320-kbit MP3-Version der jeweiligen Titel herunterzuladen, wie Wired.com weiß. Ähnliches bietet auch ein anderes Label namens Saddle Creek, das ebenfalls den Download der Musik einiger LPs offeriert. Das Interessante daran ist die Tatsache, dass die Musikdateien ohne DRM-Kopierschutz abgegeben werden. Die Begründung von First Word-Chef Aly Gillani ist bestechend einfach: "Es ist sinnlos, die bezahlte Version einer Datei weniger gebrauchsfähig zu machen als eine Raubkopie."

MySpace News bislang ein Flop

Vor einem Monat wurde die Nachrichtenseite der Onlineplattform MySpace vorgestellt, und die Erwartungen an das neueste Produkt der weltweit größten Internetseite waren entsprechend. Neue Nachrichten werden automatisch in eine von zwei Dutzend Kategorien abgelegt, ihr Ranking ist dann abhängig vom Zuspruch der User, die - ähnlich wie bei Digg - beliebte oder interessante Beiträge "nach oben" stimmen können. Bei zig Millionen mehr oder weniger aktiven MySpace-Mitgliedern wäre also ordentlich Bewegung zu erwarten. Dieser Tage wies TechCrunch nun auf die Wirklichkeit hin, die eher einer Geisterstadt vergleichbar sei. Schon auf der Startseite finden sich jede Menge Artikel, die nicht eine einzige Stimme aufweisen, einige haben zumindest einmal Zuspruch erhalten, das war's aber auch schon. Auch die Durchsuchung der einzelnen News-Kategorien ergibt dasselbe Bild. Was seine Ursache darin haben mag, dass die Macher der Seite noch nicht auf die eigentlich nahe liegende Idee gekommen sind, ihr Produkt auch auf der MySpace-Hauptseite zu verlinken. Aber vielleicht haben die Verantwortlichen auch nur ein ganz besonderes Verständnis, was "exklusive Nachrichten" bedeuten.

Piratenreport: Mehr Raubkopien in Deutschland

Einmal im Jahr kommt nicht nur die Kriminalstatistik der Polizei heraus, sondern auch die Pirateriestudie der BSA (Business Software Alliance), die seit anderthalb Jahrzehnten die entsprechenden illegalen Umtriebe in über 100 Ländern untersucht. Das Ergebnis: Der Anteil weltweit eingesetzter raubkopierter Software stagniert bei ungefähr 35 Prozent, in einigen Ländern wie China nimmt er sogar leicht ab, hier allerdings von sehr hoher Ausgangsposition. Zuwächse mussten nur drei Länder hinnehmen: Finnland, Albanien und Deutschland. Allerdings sind die Zahlen nicht dramatisch, in Deutschland beträgt die Zahl 28 Prozent, wohingegen in China immer noch 82 Prozent der verwendeten Programme illegaler Herkunft sind. In Indien, aber auch anderswo wie zum Beispiel in Brasilien zeigt sich allerdings ein anderer, gegenläufiger Trend: Zwar sinkt der Piratenanteil am Markt, aber die Programme werden immer teuerer und entsprechend schnell steigen die Umsatzausfälle der Softwarehersteller an, in Indien haben sich diese Werte sogar verdoppelt.

Ganzkörperscans auf dem Flughafen Amsterdam

Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol gingen dieser Tage zwei Anlagen in Betrieb, die per Ganzkörperscan die komplette Durchleuchtung der Flugpassagiere ermöglichen, wie Reuters meldet. Mit der verwendeten Technik sollen unter der Kleidung versteckte Sprengstoffe und potentiell gefährliche Gegenstände aus Metall wie Pistolen oder Messer entdeckt werden. Damit die Privatsphäre der so Untersuchten gewahrt bleibt - immerhin erscheinen sie auf den Bildern der Anlage quasi nackt - erfolgt die Auswertung in einem anderen Raum, wo die Beamten außerdem auch nicht die Gesichter erkennen können. Der Scandurchlauf ist nach drei Sekunden vorbei, was angesichts der 160.000 Passagiere, die tagtäglich in Schiphol ankommen oder von dort abreisen, immer noch ziemlich lange dauert, selbst im Vergleich zur umständlichen Leibesvisitation. Daher planen die Sicherheitsverantwortlichen die Anschaffung von 15 weiteren Anlagen. Die Durchleuchtung ist bislang freiwillig, wer sich vor der Belastung durch die Wellenabtastung fürchtet, kann sich weiterhin wie bisher abtasten lassen.

Patentstreit: Linus Torvalds ist sauer

Vor einigen Tagen beschwerte sich Microsoft, freie Betriebssysteme wie Linux würden jede Menge konzerneigene Patente verletzen. Damit hat Redmond wieder richtig Stimmung in die niemals endenden Zänkereien um Softwarepatente gebracht, wie Futurezone zusammenfasst. IBM und Red Hat planen, nun umgekehrt eigene Patente gegen Microsoft in Stellung zu bringen und Szeneguru Tim O'Reilly verglich Bill Gates' Chefanwalt gar mit dem einst zur Kommunistenhatz blasenden US-Senator Joseph McCarthy. Allgemein herrscht Unverständnis bis Ärger darüber, dass Microsoft diese Debatte wieder lostrete und dabei nie konkret werde, welche Patente genau denn nun verletzt worden sein sollen. Das ist auch einer Kritikpunkte, die Linux-Begründer Linus Torvalds in seiner harschen Entgegnung nannte. Im Infodienst Informationweek schlug er vor, Microsoft möge die verletzten Patente benennen, damit die Angelegenheit vor Gericht überprüft werden könne. Außerdem, wird der Entwickler zitiert, "verletzt Microsoft sicherlich mehr Patente als Linux das tut".

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