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31. Oktober 2011, 16:13 Uhr

Netzwelt-Ticker

600.000 falsche Facebook-Logins pro Tag

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Facebook blockiert mehr als eine halbe Million nicht legitime Loginversuche täglich - und will die Nutzerkonten deshalb mit neuen Sicherheitsfunktionen abdichten. Außerdem: RIM hört in Indien angeblich Blackerry-Daten ab, Londons Polizei sammelt Daten über Handynutzer.

Facebooks Sicherheitsabteilung hat eine Infografik zur aktuellen Bedrohungslage des sozialen Netzwerks veröffentlicht. Dieser entnimmt der geneigte Betrachter, bei nur 0,06 Prozent der Logins gebe es Unstimmigkeiten. Klingt zunächst beruhigend, bedeutet aber, dass es bei 600.000 der einen Milliarde Logins täglich nicht mit rechten Dingen zugeht. Bei derart großen Zahlen machen sich eben auch kleine prozentuale Anteile deutlich bemerkbar.

Die verdächtigen Einwahlversuche würden allerdings automatisch unterbunden, erklärte Facebook gegenüber "Ars Technica". Zudem handele es sich bei vielen dieser "kompromittierten" Login-Versuche um solche, bei denen der Anwender "dasselbe Passwort auch für E-Mail benutzt" oder dessen Passwort durch ein Phishing-Attacke offengelegt wurde. Facebook selber habe kein Sicherheitsproblem.

Trotzdem ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste, weshalb in den kommenden Wochen ein neues Sicherheitssystem eingeführt werden soll. Es stützt sich auf besonders vertrauenswürdige Freunde in der Kontaktliste. Drei davon bekommen im Fall, dass sich ein Profilbesitzer aus seinem Account ausgesperrt oder sein Passwort vergessen hat, von Facebook jeweils einen Code-Schnipsel zugesandt. Erst wenn der Ausgesperrte diese Schnipsel richtig und vollständig zusammensetzt, bekommt er wieder Zugriff auf sein Profil.

Außerdem will Facebook künftig App-Passworte verwenden. Statt sich also einer Facebook-App gegenüber mit demselben Passwort auszuweisen, das man auch beim Login auf der Facebook-Website benutzt, soll man jeder App ein individuelles Passwort zuweisen.

RIM betreibt angeblich Blackberry-Überwachungsanlage in Indien

Seit längerem wirft die indische Regierung begehrliche Blicke auf den verschlüsselten Datenverkehr, der zwischen den im Lande genutzten Blackberrys fließt. Hersteller Research in Motion (RIM) hatte stets erklärt, keinen Zugriff auf diese Inhalte zu besitzen. Die Behörden in Neu Delhi hatten daraufhin damit gedroht, die Blackberry-Dienste im Land komplett zu unterbinden. Davon ist längst keine Rede mehr.

Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet, hat RIM schon vor Monaten in Mumbai eine Überwachungsstelle eingerichtet, von der aus sehr wohl Datenzugriffe auf den E-Mail-Verkehr indischer Blackberrys möglich seien. Die indische Regierung würde der Abhörstelle den Namen eines Verdächtigen übermitteln, dessen E-Mails und Chat-Protokolle RIM dann in dekodierter Form aushändige, sollen mit den Vorgängen vertraute Personen dem Blatt erklärt haben. Allerdings nur, wenn die RIM-Angestellten davon überzeugt seien, dass die Anfragen rechtlich legitim, also per Gerichtsbeschluss angeordnet worden sind.

Obwohl RIM den Behörden damit bereits viele Zugeständnisse gemacht habe, scheinen die mit dem Stand der Dinge nicht zufrieden zu sein. Zum einen, weil sie immer noch keinen direkten Datenzugang besitzen, jedes Mal bei RIM nachfragen müssen. Zum anderen weil sich das kanadische Unternehmen weiterhin weigert, Unternehmens-Datenverkehr offenzulegen. Es sei nicht möglich, die hohen Sicherheitsvorkehrungen, mit denen RIMs sogenannte Enterprise-Lösungen arbeiten, zu umgehen.

RIM erklärte laut "WSJ", man arbeite "weiterhin sehr gut" mit den indischen Behörden zusammen und sei überzeugt, die Regierung lege dieselben Sicherheitsrichtlinien bei allen Handyherstellern an.

Londons Polizei will Handydaten sammeln

Auch in Großbritannien bleibt Überwachung ein Topthema. Dort hat die Metropolitan Police, die Londoner Polizei, ein besonders schlaues Stück Überwachungstechnik im Einsatz. Wie der "Guardian" berichtet, tarnt sich das Schnüffelsystem als Mobilfunknetz und ermöglicht es, eingewählte Handys auf Knopfdruck auszuschalten.

Mehr noch, es können auch Gespräche abgefangen und Daten über Tausende Handy-Nutzer im betroffenen Gebiet gesammelt werden. Mit einem einzigen Knopfdruck könne das System Handys im Umkreis von zehn Quadratkilometern veranlassen, Seriennummern und Nutzerkennungen zu übermitteln. Anhand solcher Daten ließen sich mühelos Bewegungsprotokolle erstellen.

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