Netzwelt-Ticker Chinas Netz-Untergrund, Pyramidenspiel, gecrackte Apps

Im Netzwelt-Ticker: Eine Studie beleuchtet Struktur und Beschaffenheit des chinesischen Internetuntergrunds; die US-Börsenaufsicht hat ein riesiges Pyramidenspiel auffliegen lassen; 92 Prozent aller iOS-Apps sind geknackt.
Chinesische Flagge (Symbolbild): Internet-Untergrund soll 90.000 Menschen beschäftigen

Chinesische Flagge (Symbolbild): Internet-Untergrund soll 90.000 Menschen beschäftigen

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Eine neue Studie beleuchtet Struktur und Beschaffenheit des chinesischen Internetuntergrunds: Online-Schwarzmärkte, Hackerforen, Cyber-Kriminalität (PDF-Datei ). Die drei Forscher des Institutes on Global Conflict and Cooperation der University of California schätzen den Schaden, der den über 500 Millionen chinesischen Surfern im vergangenen Jahr durch Internet- und Kommunikationskriminalität entsteht, auf umgerechnet 682 Millionen Euro. Über 110 Millionen Chinesen und 1,1 Millionen Websites, ein Fünftel aller, seien Opfer der einen oder anderen Form dieser Untergrundökonomie geworden. 2011 seien mindestens 90.000 Menschen irgendwie in die dunklen Machenschaften involviert gewesen - die Forscher zählten 320.000 Nachrichten in 80.000 Forendiskussionen.

Den größten Teil der Studie macht eine detaillierte Analyse dieses Marktes und seiner Entwicklungen aus - und Möglichkeiten, ihm beizukommen. Den Studienautoren zufolge habe der Untergrund eine "komplizierte und gut organisierte Struktur" entwickelt, "mit Dutzenden von Geschäftsmodellen: Diebstahl echter und virtueller Güter, Missbrauch von Internetdienstleistungen und Hacking (inklusive Hackertraining, Verkauf von Hacker-Software und -Wissen).

Der Markt boome, "das [rapide] Wachstum wird ohne Intervention nicht so schnell aufhören". Chinesische Netzbetreiber und Sicherheitsbehörden sollten "ein weitreichenderes Überwachungssystem für die Untergrundmärkte errichten", "global kooperieren" und durch neue Gesetze die "Wertschöpfungsketten im Graubereich" strafbar machen.

600 Millionen Dollar Schaden

Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) hat am Freitag bekanntgegeben, sie habe einen riesigen Betrug im Internet auffliegen  lassen. Ein Online-Vermarkter habe mit seiner Firma Rex Venture Group und über die Website ZeekRewards.com über eine Million Internetnutzer weltweit zur Teilnahme an einem Pyramidenspiel überredet.

Dabei wurden die alten "Investoren" mit den Geldeinlagen der neuen bezahlt: 162 Millionen flossen im Juli in das Pyramidenspiel, 160 wurden ausgeschüttet - laut den Behörden hätte sich aber das Auszahlungsverhältnis bald gegen die Spieler gewendet. Noch hält der Betreiber von ZeekRewards 225 Millionen Dollar in 15 Banken weltweit. Das Geld wurde von der SEC beschlagnahmt. Opfer dürfen auf eine teilweise Rückerstattung ihrer "Investitionen" hoffen.

92 Prozent aller Apps geknackt

Glaubt man einem Bericht der IT-Sicherheitsfirma Arxan Technologies, sind 92 der 100 erfolgreichsten iOS-Apps und alle 100 meistverkauften Android-Apps bereits von Raubkopierern geknackt (PDF-Datei ). Das heißt: Statt die Apps in Apples App Store oder bei Google Play zu kaufen, können Smartphone-Besitzer sie ohne Kopierschutz aus dem Netz laden. Das Betriebssystem der Apple-Geräte muss dafür allerdings vorher ausgetrickst werden.

Selbst kostenlose Apps werden regelmäßig geknackt und in Raubkopiesammlungen angeboten. Das könnte einen einfachen Grund haben: Wer ein modifiziertes Smartphone-Betriebssystem einsetzt oder aus prinzipiellen oder Datenschutzgründen Apps nicht von einem App Store beziehen will, freut sich über das illegale Angebot von Apps aus Cracker-Hand.

Außerdem:

  • Windows 8 wehrt sich Medienberichten zufolge gegen die Änderung der sogenannten Hosts-Datei  - einer Liste von Webadressen und Umleitungen zu anderen Webadressen. Windows 8 untersage damit etwa, dass ein Nutzer ganz Windows dazu zwingt, keine Werbeanzeigen von Doubleclick oder Facebook-Daten mehr zu laden. Doch dahinter dürften keine Marktinteressen stecken, wie zunächst oft behauptet wurde: Vielmehr dürften Virenschutzbedenken  dahinter stecken. Bevormundung oder sinnvolle Sicherheitsmaßnahme? Diese Frage sollten sich Computernutzer häufiger stellen.
  • Weg mit dem Schmutz: Laut "The Telegraph" stimmten 37 Prozent von 2000 befragten Briten einer pauschalen Sperrung von Pornoseiten im Netz  aus Jugendschutzgründen zu. Dass diese Frage überhaupt gestellt wurde, liegt an einer äußerst peinlichen Panne bei einer öffentlichen Konsultation  der Briten durch ihre eigene Regierung.
  • Radio-Internet: "Ars Technica" erinnert sich an eine Zeit, als in Finnland noch Computerprogramme per Radio und zum Mitschneiden  verschickt wurden. Diese Idee lebt heute weiter: Sollte einmal das Internet ausfallen, planen einzelne Staaten schon einen Programm- und Patch-Versand über Mittelwelle.
  • Wer bloggt für Google? Ein US-Gericht gibt sich nicht mit einer Liste von Bloggern zufrieden, die auf Googles Gehaltsliste standen. Google muss nun offenlegen, welche Blogger über den Patentstreit mit der Softwarefirma Oracle berichteten und gleichzeitig Geld von Google erhielten - als Berater, Auftragnehmer, Verkäufer und Angestellte .