Netzwelt-Ticker Altkunden zahlen doppelt für neuen Apple-Dienst

Neuer Ärger über Apple: Wer ein älteres Mac-Betriebssystem hat, muss für 129 Euro bis Monatsende die neueste Version kaufen, um den Abo-Onlinedienst .Mac weiter benutzen zu dürfen. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Ärger um Google Adwords, Vorratsdatenspeicherung vor EU-Gericht.


Treue Apple-Kunden, die dem Mac-Konzern bislang 79 Euro im Jahr für den Online-Dienst .Mac bezahlt haben, bekamen nun für manchen Nutzer unangenehme Post: Aus .Mac wird MobileMe, viele neue Leistungen (Push-Mail auf iPhone, 20 Gigabyte Speicher) kommen dazu, das Jahresabo kostet weiter 79 Euro. Allein: Wer ein älteres Apple-Betriebssystem (10.3 statt der aktuellen 10.5.) auf seinem Mac hat, kann vom 30. Juni an den abonnierten Dienst nicht mehr nutzen.

Originalzitat aus der E-Mail von Apple:

"Um unseren Sync-Service weiterhin zu optimieren, stellen wir am 30. Juni 2008 die Unterstützung für .Mac Sync auf Computern ein, auf denen Mac OS X v10.3 Panther ausgeführt wird. Danach müssen Mac Computer, auf denen noch Mac OS X Panther oder eine frühere Version ausgeführt wird, auf Mac OS X Tiger oder Leopard aktualisiert werden."

129 Euro kostet die Leopard-Lizenz samt Datenträger und Handbuch im Apple Store. Im Klartext: Um ihren jährlich 79 Euro kostenden Dienst .Mac als MobileMe weiternutzen zu dürfen, müssen Apple-Besitzer mit OSX 10.3. bis Ende des Monat mal eben für 129 Euro Apple-Software kaufen.

Prozesse wegen Google Adwords

Viel Streit um ein paar Worte: Es geht um die kleinen Textanzeigen, mit denen Google-Kunden für ihre Produkte werben, wenn vom Nutzer zuvor die passenden Suchbegriffe verwendet wurden. Denn zuweilen werden dabei Keywords eines Konkurrenzangebots benutzt, deren Betreiber darauf begreiflicherweise verärgert reagieren. Besonders dann, wenn Markennamen ins Spiel kommen. Naheliegend, dass solche Fälle vor Gericht enden. Nur schaffen die nicht unbedingt die erwünschte Klarheit.

Wie die Kanzlei Bahr im Rechts-Newsletter berichtet, hat das Oberlandesgericht Braunschweig (Az: 2 U 33/08) entschieden, dass der Werbende auch für vom Google-System automatisch vorgeschlagene Keywords haftet. Sprich: Wenn das Google-System einen Markennamen vorschlägt, den ein Konkurrent geschützt hat, haftet der Werbende.

Damit bewegen sich die Braunschweiger durchaus im Mainstream zuvor ergangener Urteile. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Das OLG München nämlich (Az.: 29 W 1355/08) stellte zwar in einem Beschluss zur Mitstörerhaftung bei Google Adwords (zum Werbesystem siehe Kasten unten) fest, die Verwendung fremder Markennamen als Keywords stelle eine Markenverletzung dar.

Googles Werbeprogramme
Google verdient sein Geld fast ausschließlich mit Werbung - mit zwei nahezu vollautomatisierten Programmen.
AdSense
Mit diesem Programm können Blogger und kleine Unternehmen schnell und einfach Werbeeinnahmen erzielen: Auf ihren Internetseiten erscheinen nur kontextbasierte Suchwörter. Die sind auf den Seiteninhalt abgestimmt. Der Seitenbetreiber erhält pro Klick einen Betrag in US-Dollar gutgeschrieben. Google zahlt ab 100 Dollar Werbeeinnahmen per Scheck in US-Dollar oder als Überweisung in Euro aus. Welches Suchwort wie hoch bewertet wird und wie viel Prozent Google für seine Dienste einbehält, erfährt der Seitenbetreiber nicht.
AdWords
Werbende Unternehmen buchen Suchwörter, die in Google-Suchergebnissen oder auf anderen Internetseiten erscheinen. Das Wort "Orchidee" beispielsweise erscheint nur dann, wenn nach Orchideen gesucht wird oder sich die Web-Seite mit dem Thema beschäftigt. Der Werbetreibende bezahlt nur, wenn ein Nutzer auf das gebuchte Suchwort klickt. Der Preis für jedes Suchwort wird in einem Auktionsverfahren ermittelt. Je beliebter das Wort ist und je weiter oben es in den Suchergebnissen auftauchen soll, desto teurer ist es.

Wenn das benutzte Keyword jedoch einen "Allgemeinbegriff" darstellt, gelte dies nicht. Denn sonst könnten Mitbewerber beliebige, rein beschreibende Wald-und-Wiesen-Wörter monopolisieren. Eines zumindest ist sicher: Anwälte und Gerichte wird das Thema Adwords auch weiterhin beschäftigen.

EuGH verhandelt Vorratsdatenspeicherung am 1. Juli

Die Speicherung der Verbindungsdaten für Telefon, E-Mail und Web-Nutzung (siehe Kasten unten) treibt nicht nur Datenschützer in Deutschland um, da es sich ursprünglich um eine europaweite EU-Initiative handelt. Und so wie es hierzulande demnächst ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Thema geben wird, verhandelt am 1. Juli auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Angelegenheit.

Der Kläger hier: Irland. Die Juristen der grünen Insel machen bei ihrem Vorgehen gegen die europäische Vorratsdatenspeicherung weniger inhaltliche als formale Einwände geltend. Die entsprechende EU-Richtlinie sei schließlich ohne die geeignete Rechtsgrundlage erlassen worden. Die richte sich nämlich vor allem gegen schwere Kriminalität und Terrorismus, ziehe aber zur Begründung zu Unrecht den Artikel 95 EG heran. Der aber befasst sich mit Fragen der Harmonisierung des Binnenmarktes.

Die Großprojekte des Spannerstaats
Vorratsdatenspeicherung
DPA
Seit Anfang 2008 müssen Telekomfirmen sechs Monate lang speichern, wer mit wem, wie lange und von wo aus gemailt oder telefoniert (Handy/Festnetz) hat, das Internet genutzt oder Faxe verschickt hat. Für Internet-Provider, Anbieter von VoIP-Telefonie und E-Mail-Diensten gilt die Speicherpflicht von 2009 an. Sie sollen protokollieren, wer wann unter welchen IP-Adressen das Internet benutzt, an wen er E-Mails versendet und von wem er welche erhalten hat. mehr auf der Themenseite
Bundestrojaner
DPA
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will dem Bundeskriminalamt erlauben, Computer von Verdächtigen heimlich per Trojaner-Software zu durchsuchen, E-Mails zu protokollieren, Dateien auszuwerten. Über die geplante Neufassung des BKA-Gesetzes streitet die Regierungskoalition. Die entsprechende Software scheint einsatzbereit zu sein: Im August 2007 teilte Schäubles Innenministerium der SPD-Bundestagsfraktion schriftlich mit, die sogenannten "Remote Forensic Software" ("Fernforensische Software", RFS) könnte "bei Aufhebung des gegenwärtig verfügten Entwicklungsstopps unverzüglich abgeschlossen" sein. Es gebe schon "fertiggestellte Teilmodule". In einem Urteil zum Verfassungschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen setzten die Verassungsrichter in Karlsruhe dem Einsatz solcher Methoden Ende Februar 2008 enge Grenzen.
Biometrischer Pass
DPA
Seit November 2007 geben die deutschen Meldeämter nur noch E-Reisepässe der sogenannten zweiten Generation aus: In einem winzigen Funkchip im Pass sind die Abdrücke der Fingerkuppe beider Zeigefinger gespeichert – seit zwei Jahren enthalten deutsche Reisepässe bereits eine digitale Version des Passbilds. Experten kritisieren am Biometriepass: Der Pass kann selbst nicht feststellen, ob der Schlüssel eines Lesegeräts noch gültig ist. Ist der Schlüssel einmal geknackt, kann man nicht nachrüsten. Heute gilt der Schlüssel als kaum knackbar – aber das könnte mit der in einigen Jahren verfügbaren Rechenkraft ganz anders aussehen. Weiteres Risiko: Deutschland wird anderen Staaten die zum Auslesen nötigen Schlüssel weitergeben. Welche Daten diese Staaten tatsächlich auslesen, ob sie sie speichern, wie sie sie nutzen und schützen, kann Deutschland nicht kontrollieren. Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz: "Diese Daten könnten also in Personendatenbanken einfließen." mehr auf der Themenseite
Elektronische Gesundheitskarte
2009 soll bundesweit eine neue Krankenversichertenkarte eingeführt werden. 30.000 Versicherte testen die Speicherkarte in sieben Regionen heute schon. Ein Speicherchip auf der Karte soll zunächst Basisdaten wie Name, Adresse, Krankenkasse speichern; falls die Patienten es wollen, auch Notfallinformationen wie die Blutgruppe. Später soll der Chip aber den Zugang zu auf Zentralrechnern gespeicherten digitalen Krankenakten ermöglichen – hier sollen dann, kontrolliert vom Patienten, Details zu Erkrankungen, Unfällen, Behandlungen, Arztbesuchen und Therapien gespeichert werden. Vor allem die Speicherung persönlicher Daten auf Zentralcomputern macht Datenschützern Sorgen: Dietmar Müller, Sprecher des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, sagte im Frühjahr dem Hamburger Abendblatt: "Wir haben Vorbehalte bei der elektronischen Gesundheitskarte. Für den Datenschutz ist es ein Problem, wenn Patientendaten auf zentralen Servern lagern." Denn werden die Daten erst einmal zentral erfasst, wächst nicht nur das Hack-Risiko – solche Datenbanken können auch Begehrlichkeiten für weitere Auswertungsmöglichkeiten wecken. mehr auf der Themenseite

Google bastelt am eigenen Browser - auf Safari-Basis

Die Gerüchteküche um Suchmaschinenbetreiber Google brodelt mal wieder heftig. Diesmal im Gespräch: Der angebliche Google-Browser. An dem sollen Entwickler im kalifornischen Mountain View arbeiten, wobei aber nicht der Code des populären Firefox die Basis bilden soll, sondern Apples Safari.

Was zumindest insofern befremdlich wäre, als dass Google zu den aktiven Unterstützern von Firefox-Entwickler Mozilla zählt. Im Steuerjahr 2006 entfielen rund 85 Prozent des Gesamtumsatzes der Mozilla-Stiftung (mehr zur Geschichte im Kasten unten) auf Einnahmen einem Vertrag mit Google. Google ist als Standard-Suchmaschine im Firefox-Browser auseingestellt - dafür zahlt der Konzern. Mozilla hat seinen Sitz in direkter Nachbarschaft zu Googles Firmensitz. Bis November 2008 gilt ein Unterstützungsvertrag zwischen Google und Mozilla, wie es danach weitergeht, ist noch offen. Google und Safari: ein Omen?

Immer mehr Spam in Social Networks

Seit sich eine zunehmende Anzahl von Nutzern der weit verbreiteten "Social Networks" der datentechnischen Rundumerfassung entzieht, z.B. durch die Verwendung von Phantasienamen, steigt auch die Menge des täglich verabreichten Werbemülls. Ein Marktforschungsinstitut legte nun eine Studie vor, wonach innerhalb der letzten zwölf Monate 83 Prozent der Mitglieder von Netzwerken mit Spam belästigt worden seien. Wobei damit nicht nur nervtötende Reklame gemeint ist, sondern auch Phishing-Attacken. Und die User sind sauer: Zwei Drittel der Befragten gaben an, das Netzwerk wechseln zu wollen, wenn der Werbemüll weiter zunehme.

Disney streamt ins Netz - gratis

Alle gehen ins Netz - jetzt auch Disney. Der Mickeymaus-Konzern plant, eine ganze Reihe seiner Filme ins Internet zu stellen, und zwar gratis. Zuvor werden die Streifen im konzerneigenen TV-Sender ABC ausgestrahlt, um dann auch auf der Disney-Website zum Nulltarif angeboten zu werden.

Die Online-Offerte umfasst populäre Filme wie "Findet Nemo", "Monster AG" und "Peter Pan". Leider scheitern alle Versuche, den entsprechenden Link aus Europa aufzurufen. Das Angebot scheint wie üblich auf Nutzer innerhalb der USA beschränkt zu sein. Bis auf weiteres gilt also, dass die mediale Zukunft weitgehend an uns vorbeigeht. Denn bei den attraktiven TV- und Filmangeboten aus den USA müssen Europäer grundsätzlich draußen bleiben.

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