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Web-Konzern: Alles, was Sie über Google wissen müssen

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Netzwelt-Ticker Amazon erhebt Einspruch gegen Google Booksearch

Ein Tag vor Ablauf der Einspruchfrist bezog nun der Online-Buchhändler Amazon Stellung gegen den Vergleich im Streit um Googles Buchdigitalisierung. Außerdem: Blitzüberfall auf Apple-Laden, Bittorrent-Razzien in Deutschland, Aus für alte Zunes. Das und mehr im Überblick.

Der Online-Händler Amazon mischt sich in letzter Minute in den umstrittenen Vergleich zwischen Google, US-Buchautoren und Buchverlagen ein, der dem Internetunternehmen gegen Zahlung einer pauschalen Entschädigung erlauben würde, Bücher ohne Zustimmung der einzelnen Autoren digitalisieren zu können. Bis Freitag können nicht direkt am Prozess beteiligte Parteien ihre Einwände gegen eine Billigung des Vergleichs vor Gericht einreichen - wie zum Beispiel die deutsche Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die versuchte, deutsche Autoren und Verlage aus dem Kompromissvertrag herauszunehmen.

Jetzt also auch Amazon: In einem 49-seitigen Schreiben (PDF-Datei, 475 KB)  an das mit der Entscheidung über die Billigung des Vergleichs betraute US-Bundesgericht bezeichnet der Konzern das sogenannte Google Book Settlement  als wettbewerbsschädigend. Die Einigung sei der Albtraum eines jeden Kartellamts und führe zu einer Benachteiligung der Verbraucher. Google verletze darüber hinaus massiv Urheberrechte - ganz im Gegensatz natürlich zum eigenen Amazon-Buchscandienst, für den man sich rechtzeitig alle notwendigen Erlaubnisse geholt habe. Amazon fordert deshalb sogar den US-Kongress auf, sich in den Prozess einzumischen: Es gehe nicht an, dass Google mit Hilfe eines Massenvergleichs das US-Urheberrecht faktisch nach eigenem Gusto umschreibe.

Die Beschwerde kommt nicht unerwartet. Erst Mitte August hatten sich Amazon, Yahoo und Microsoft, die drei größten Google-Konkurrenten, der Open Book Alliance angeschlossen . Die Mitglieder des vom Web-Portal Internet Archive gegründeten Zusammenschlusses befürchten, dass das Google Book Settlement zu einem von Google bestimmten Einheitspreis bei Büchern führen wird. Das Bündnis zieht nun im Kampf gegen die Vereinbarung auch Verbraucherargumente aus dem Hut: Google könnte weiter persönliche Daten der Nutzer sammeln, etwa welche Bücher einzelne Nutzer lesen, auf welchen Seiten sie verharren.

Der japanischen Elektronikriese Sony gibt Google derweil Rückendeckung, sprach sich vor Gericht für eine Billigung des Vergleichs aus. Kein Wunder: Erst kürzlich beschlossen die beiden Unternehmen, dass Sony 500.000 Bücher aus dem Google-Fundus auf dem eigenen Sony E-Buch-Lesegerät anbieten darf, dem größten Konkurrenten von Amazons Lesegerät Kindle .

Piratenfilmhit ohne Filmpiraten

Es dürfte nicht viele Filmmacher geben, die sich über Online-Piraterie so gefreut haben, wie Kedar Korde und Christopher Hill. Ihr Film "X's and O's" (Budget: 850.000 Dollar) war ein Ladenhüter beim Online-Händler Amazon - bis sie herausfanden, dass Filesharer den Film außerordentlich liebten: 150.000-mal pro Woche wurde die romantische Komödie illegal heruntergeladen - eine Zahl, die Korde und Hill letztlich einen DVD- und vielleicht sogar einen Fernsehdeal einbrachte, wie das "Media Decoder"-Blog der "New York Times" schreibt .

Doch die Filesharing-Insider von FreakBits wurden misstrauisch: 150.000 Downloads die Woche, und wir kennen den Film nicht einmal? Eine eigene, wohl vertrauenswürdigere Zählung kam auf gerade einmal tausend Downloads die Woche. Die glücklichen Filmmacher hatten wohl gefälschten Promo-Zahlen vertraut, mit denen Tauschbörsen auf Werbekundenfang gehen  - und damit vermutlich unwissentlich mit falschen Zahlen erfolgreich für sich geworben.

Microsoft lässt Zune-Dinos aussterben

Microsoft wird laut Medienberichten nicht weiter glücklos versuchen, die alten Modelle des iPod-Konkurrenten Zune zu verkaufen: Nur die neuen, noch nicht veröffentlichten HD-Modelle will Redmond zukünftig anbieten, die älteren Modelle auslaufen lassen . Der Zune HD (US-Verkaufsstart: 15. September) kommt mit Touchscreen-Display, HD-Radio, HD-Video-Ausgabe und einem Browser zum mobilen Surfen. Zum Verkaufsstart will Microsoft außerdem Kaufvideos über den "Xbox Live"-Shop anbieten.

Digitale Kunst: Ars Electronica beginnt

Am heutigen Donnerstag wird in Linz die Ars Electronica , ein Festival der digitalen Kunst, eröffnet. Motto der 30. Ausgabe des Linzer Festivals für Kunst, Technologie und Gesellschaft ist die menschliche Natur. Unter dem Zentralthema "Human Nature" werden von 3. bis 8. September industrielle und technologische Eingriffe in die Grundlagen des Lebens untersucht, schreibt die ORF Futurezone . Wie immer ist die Ars Electronica ein spannender Grenzgang zwischen Kunst und Technologie. Einen kurzen Überblick samt gruseliger Beispiele gibt Roland Gratzer im FM4-Blog. 

Bittorrent-Razzien

Weil sie angeblich einen Bittorrent-Tracker betrieben haben, über den Schwarzkopien verbreitet wurden, haben Polizeibeamte in sechs Bundesländern Wohnungen von Tatverdächtigen durchsucht. Der Bittorrent-Dienst soll rund 2000 angemeldete Nutzer gehabt haben, schreibt Golem.de . Ob der Dienst kostenpflichtig war, geht nicht aus dem Artikel hervor, jedoch dass sich Mitglieder gegen eine Zahlung von 15 Euro besondere Rechte erkaufen konnten, zum Beispiel mehr Daten herunter- als hinaufladen zu können.

Blitzdiebe gehen auf Apple-Klau

Fünf Dieben ist ein atemberaubend schneller Einbruch unter den wachsamen, aber wenig hilfreichen Augen der Überwachungskameras in einem Apple-Laden in Sagemore im US-Bundesstaat New Jersey gelungen . In gerade einmal 31 Sekunden schlugen sie eine Scheibe ein, stürmten den Verkaufsraum, schnappten sich 23 MacBook Pros, 14 iPhones und neun iPod Touch. Der Fernsehsender 6abc veröffentlichte das Überwachungsvideo:

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