Netzwelt-Ticker Android läuft auch auf dem Rechner

Was fürs Handy gut ist, ist auch für Netbook und Co. geeignet: Scheint so, als tauge Googles Android auch als schlankes PC-Betriebssystem. Außerdem: Die US-Musikindustrie trennt sich von Datenschnüfflern, Facebook verklagt Power.com. Das und mehr im Überblick.

Wer hätte das gedacht? Googles Handy-Betriebssystem Android, nach offiziellen Aussagen einzig für Mobiltelefone konzipiert, läuft auch auf ganz normalen Rechnern.

Blogger nahmen Googles Produktbeschreibung nicht wörtlich und installierten Android auf einem Asus EeePC 1000H. In nur vier Stunden war die Umstellungsarbeit geschafft, dabei war auch die Erkennung der größeren Bildschirmauflösung keine Hürde mehr, wie Matthäus Krzykowski und Daniel Hartmann auf VentureBeat berichten .

Auch Notebook- und PC-Besitzer können sich glücklich schätzen, denn auf diesen Geräten läuft schließlich auch Linux, und Android basiert auf ebenjenem Open-Source-Betriebssystem. Allerdings fehlen Android einige Grafiktreiber, so dass der Bildaufbau vergleichsweise lahm ist. Das Ganze ist mehr als eine schnurrige Nachricht aus der Bastlerecke, denn damit erhalten die Vermutungen, Google plane den Markteinstieg für weitere mobile Geräte wie beispielsweise Netbooks, neue Nahrung.

Schluss mit Massenklagen, RIAA kündigt MediaSentry

Schon im alten Jahr wusste die amerikanische Musikindustrie mit ungewohnter Einsicht zu überraschen. Offensichtlich haben die Verbandshäuptlinge bemerkt, dass es nicht von Weisheit zeugt, die eigene Kundschaft als potentielle Verbrecher zu behandeln und mit Massenklagen zu überziehen. Diese Strategie soll zugunsten einer engeren Kooperation mit Internet-Providern aufgegeben werden. Auf die will die Musikindustrie künftig die Sanktionierung von Nutzern illegaler P2P-Börsen abwälzen.

Dass es der Musikverband RIAA damit ernst meint, wird durch die Kündigung der Zusammenarbeit mit den Piratenjägern von MediaSentry deutlich. Bislang durchsuchte das US-Unternehmen im RIAA-Auftrag das Internet nach den Spuren von P2P-Fans, die unerlaubt geschützte Daten verteilten. Mit diesen Beweisen zog der Verband anschließend gegen die Filesharer vor Gericht.

Nachdem MediaSentry jedoch immer häufiger ins Visier von Datenschützern und Bürgerrechtlern geriet, war der Imageverlust wohl so groß, dass das Unternehmen vom Schlitten musste. Wie das "Wall Street Journal" berichtet , stand der Entschluss zur Beendigung der Kooperation schon seit längerem fest und wurde nun in aller Stille vollzogen.

Friedhof der Zeitschriften

Das Blog Retromedia gehört sicherlich nicht zu den am häufigsten aktualisierten Angeboten im Netz. Trotzdem lohnt sich die Lektüre, denn Autor Jens Schröder hat dort einen Friedhof der Medienbranche  errichtet.

Auch diesmal gibt es einen Rückblick auf die im vergangenen Jahr dahingegangenen Zeitschriften. Dabei ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Wurden 2006 noch 82 eingestellte Titel benannt, waren es 2007 schon 86 und 2008 gar 92.

Ein paar Magazine zucken und röcheln noch, was zum Jahresauftakt dafür sorgt, dass die eine oder andere Angabe zurückgenommen werden muss. Am Ende, versichert Schröder aus langjähriger Erfahrung, komme aber meist alles noch viel schlimmer: Erst in einigen Wochen wird man wissen, wer sich da noch still und heimlich verabschiedet hat. Die Gesamtzahl der verendeten Titel, so Schröder, könnte durchaus auf mehr als hundert steigen.

Facebook gegen Power.com

Ein schlaues Prinzip bietet der brasilianische Zugangsaggregator Power.com seinen Nutzern: einmal anmelden und gleichzeitig diverse Nutzerkonten bei sozialen Netzwerken, E-Mail-Diensten und Messengern verwenden. Dumm nur, dass manches Social Network seine Werbeverträge auf die Einzelanmeldung seiner Mitglieder stützt.

So hält das auch Facebook, dessen Verantwortliche daher mit Power.com auch nicht sehr glücklich sind, weil damit der eigene netzwerkübergreifende Service Connect angegriffen wird. Also verklagte Facebook die ungeliebte Konkurrenz wegen des Verstoßes gegen Urheber- und Markenrechte. Woraufhin Power.com erschreckt zurückzuckte, die Anmeldemöglichkeit für Facebook deaktivierte und gelobte, sich bis Ende Januar Facebook Connect anzuschließen .

Hell leuchtende Displays künftig keine Stromfresser mehr

Funzelige Displays sind ärgerlich, weil auf ihnen nichts zu erkennen ist. Also stellt der lesehungrige Nutzer sein Gerät möglichst hell, allerdings hat die Helligkeit ihren Preis. Gerade bei mobilen Geräten wie Handys und Netbooks geht die Leuchtkraft ordentlich auf den Akku. Nun sind Forscher des amerikanischen Displayherstellers Pixtronix dabei, neue Bildschirme zu entwickeln, die bei gleicher Leuchtkraft nur noch ein Viertel der ursprünglichen Energie verbrauchen. Im Unterschied zu den bisherigen Flüssigkristall-Anzeigen arbeitet eine neue, "PerfectLight" genannte Technik mit Leuchtkristallen und vermag die einzelnen LEDs wesentlich effizienter anzusteuern .

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Nutzung der Umgebungshelligkeit, die durch winzige Spiegel nach dem RGB-Prinzip jeweils rotes, grünes und blaues Licht reflektieren und so ein farbiges Bild entstehen lassen. Dieses Verfahren funktioniert am besten in besonders heller Umgebung, also gerade unter für LCDs oder LEDs gemeinhin ungeeigneten Bedingungen. Und es kommt mit noch weniger Energie aus, der Bedarf liegt bei 1/50 des schon niedrigen "PerfectLight"-Verbrauchs.

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