Netzwelt-Ticker Anonymous attackiert Simbabwe und Tunesien

Die Anonymous-Gruppierung greift Simbabwe und Tunesien per DDoS-an. Der Grund: Maßnahmen gegen WikiLeaks. Außerdem: Facebook analysiert Statusänderungen - ein Blick ins Sozialleben der Mitglieder, Google-Entwickler findet Microsoft-Lücke, Italien erklärt YouTube zum Fernsehsender.

Robert und Grace Mugabe: Die Ehefrau des Staatspräsidenten Simbabwes ließ der Presse verbieten, über für sie peinliche WikiLeaks-Enthüllungen zu berichten
AFP

Robert und Grace Mugabe: Die Ehefrau des Staatspräsidenten Simbabwes ließ der Presse verbieten, über für sie peinliche WikiLeaks-Enthüllungen zu berichten


Die (derzeit von der Polizei gesuchten) Köpfe der Anonymous-Netzprotestler haben zwei neue Angriffe gegen die Regierungen von Simbabwe und Tunesien gestartet. Websites der beiden Regierungen waren zeitweise nicht erreichbarund dann zeitweise verunstaltet, nachdem Anonymous-Aktivisten die Server in die Knie zwangen oder mit Hackereien veränderten ( hier gibt es Bilder des Hacks).

Grund für die Aktion: Juristische Schritte gegen den Indiskretions-Dienst WikiLeaks in beiden Ländern. In einem Statement von Anonymous heißt es: "Wir greifen [Simbabwes Präsident] Mugabe und sein Regime der [Partei] Zanu-PF an, weil sie die freie Presse für vogelfrei erklärten und drohen, jeden zu verklagen, der WikiLeaks[-Dokumente] veröffentlicht."

Voraus gingen Klagen von Mugabes Ehefrau Grace gegen Simbabwische Zeitungen, die anhand von WikiLeaks-Dokumenten zeigen wollten, dass sie von illegalem Diamantenhandel profitierte.

Eine tunesische Regierungs-Site wurde mit massenhaften Server-Anfragenaus der Anonymous-Protestsoftware Loic lahmgelegt, weil Tunesien, so der Vorwurf der Anonymous-Lenker, versuche, den Zugriff auf WikiLeaks und Websites, die WikiLeaks-Dokumente veröffentlichen, zu blockieren.

Google-Programmierer outet Zero-Day-Lücke im Internet Explorer

Ausgerechnet ein Google-Programmierer hat mehrere, möglicherweise schwerwiegende Sicherheitslücken in Microsofts Browser Internet Explorer entdeckt - die offenbar zur selben Zeit auch Sicherheitsexperten in China aufgefallen sind. Problematisch daran: Michal Zalewski informierte Microsoft zwar bereits im Juli über die sogenannten Zero-Day-Exploits, also bis dahin nicht dokumentierte Sicherheitsprobleme. Bis auf die Bitte, die bei der Entdeckung eingesetzte Software nicht zu veröffentlichen, reagierte Microsoft aber angeblich nicht auf die Enthüllung Zalewskis.

Wobei anzunehmen ist, dass im Hintergrund intensiv an einem Sicherheits-Patch gearbeitet wurde - ein nicht gerade leichtes Unterfangen, tauchen doch beim Patchen unzählige Unwägbarkeiten auf, muss der IE doch viele Tests neu durchlaufen. Gegenüber dem "PC Magazin" erklärte ein Microsoft-Sprecher, dass man von Zalewski über die Lücken informiert wurde, deren Tragweite untersuche und glaube, dass es derzeit keine Malware gebe, welche die vermutlichen Sicherheitsprobleme ausnutze.

Man habe ein Ohr für externe Programmierer, die Sicherheitslücken aufdecken, erklärte der Sprecher weiter: "Das trägt zur Sicherheit der Anwender bei". Nur in diesem Fall sei das anders: Weil Zalewskis seine Hack-Software öffentlich machte (nicht aber die eigentlichen Lücken), sei die tatsächliche Gefahr für Anwender gestiegen.

Wer sich vor den unbekannten Sicherheitslücken fürchtet: Im Protected Mode dürfte der Internet Explorer vor ihnen gefeit sein. Oder man nimmt einen anderen Browser.

43 Millionen neue Singles bei Facebook

Facebook hat eine Reihe ganz interessanter Nutzungszahlen aus dem Jahr 2010 veröffentlicht: Demnach haben im letzten Jahr zum Beispiel rund 43 Millionen Mitglieder ihren Beziehungs-Status auf "Single", drei Millionen ihren Status auf "es ist kompliziert" und 28,5 Millionen auf "in einer Beziehung" gesetzt. 36,7 Millionen gaben auf Facebook ihre Heirat bekannt.

Alle 20 Minuten wurden eine Million Links geteilt, 1,3 Millionen Fotos getaggt, 1,5 Millionen Event-Einladungen verschickt, 1,6 Millionen Pinnwand-Einträge geschrieben, 1,9 Status-Updates veröffentlicht, knapp zwei Millionen Freundschaftseinladungen angenommen und 2,7 Millionen Fotos hochgeladen. Eindrucksvoll? Es machen ja auch ungefähr eine Dreiviertelmilliarde Menschen mit ...

Ach ja: Die beiden "meistgemochten", also populärsten Prominenten waren Lady Gaga und Eminem. Wundersame Facebook-Welt.

Video-Experiment: iTunes testet Videosuche

Mit interessanten Extra-Funktionen versucht die Filmfirma Sony Pictures iTunes-Kunden zum Kauf von Online-Videos zu bewegen. Wer etwa - natürlich erstmal nur in Amerika - den Film "Die etwas anderen Cops" bei iTunes kauft, kann interessante neue Funktionen ausprobieren, die künftig wohl öfters eingesetzt werden.

Zum Beispiel eine Volltextsuche für den Film: Wer nach einem Stichwort sucht, kann direkt die entsprechenden Stellen anspringen, verschiedene Clips dürfen per "Sharing"-Feature direkt ins Facebook-Profil gepostet werden, eine Playlist mit Songs aus dem Film führt direkt in den iTunes-Musikshop. Filme, das zeigen diese kleinen Beispiele, sollen künftig auch Einkaufs-Kataloge sein, ein Klick-Shop für Merchandise und selbstverbreitendes Promo-Material. Darauf haben wir doch sicher alle gewartet.

Italien will YouTube wie einen Fernsehsender behandeln

Italiens Regulierungsbehörde AGCOM wird künftig Video-Angebote wie YouTube wie einen Fernsehsender behandeln - und das ist keine gute Nachricht, meint das Blog Tech.Blorge: Denn für diese Web-Angebote gelten nun die gleichen Einschränkungen wie für Fernsehsender, etwa beim Jugendschutz oder beim Recht auf Gegendarstellungen und Berichtigungen.

Einen direkten Zusammenhang mit der laufenden Klage von Berlusconis Fernsehgruppe Mediaset gegen YouTube will Tech.Blorge zwar nicht herstellen - bezeichnet die Neuregulierung aber trotzdem als noch größere Gefahr für die Video-Site. Mediaset verklagt Google wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen mit Mediaset-Material auf YouTube. Mit der neuen Regulierung dürfte es Google schwer fallen, sich auf die Standard-Argumentation zu stützen, nur begrenzten Einfluss auf die Inhalte bei YouTube zu haben.

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rinah 04.01.2011
1. Anhaltende Unruhen in Tunesien und das Schweigen unserer Medien
Zitat von sysopDie Anonymous-Gruppierung greift Simbabwe und Tunesien per DDoS-an. Der Grund: Maßnahmen gegen WikiLeaks. Außerdem: Facebook analysiert*Statusänderungen - ein Blick ins Sozialleben der Mitglieder, Google-Entwickler findet Microsoft-Lücke, Italien erklärt YouTube zum Fernsehsender. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,737695,00.html
Kein Wort in diesem Artikel über die anhaltenden Unruhen in Tunesien. Warum schweigen die westlichen Medien mehr oder weniger hierzu? Seit Wochen demonstrieren die Tunesier gegen Arbeitslosigkeit,Zensierung etc. des diktatorischen Regimes. Würde es in Tunesien bei den Protesten um unterdrückte islamische Frauen gehen, würde die Berichterstattung sicherlich anders ausehen.
#sidibouzid 07.01.2011
2. Brutale Verfolgung und Arrestation unschuldiger tunesischer durch das Ben Ali Regime
: Vor ca. 3 Wochen wurden einem 26 Jahre altem diplomierten tunesischen Gemüseverkäufer die Konfession entzogen, worauf er sich anschließend vor der besagten Behörde mit Benzin übergoss und anzündete. Er protestierte gegen die Lebensbedingungen und Arbeitslosigkeit in Tunesien. am 2.01.2010 starb Mohammad Bouazizi im Krankenhaus in Tunis (nach eines Besuches des Diktators Ben Ali). Daraufhin gab es übergreifende Proteste vom Süd-Osten Tunesiens beginnend bis zur Hauptstadt. Das Land leidet seit fast 24 Jahren unter, dem unter Putsch an Burghiba empor gestiegene General der Streitkräfte Zine El Abedine Ben Ali, der seit seiner Machtergreifung einen gut funktionierenden Polizeistaat gegründet hat. Ende Dezember 2010 blutige Proteste und Demonstrationen blutig von Polizei unterdrückt, z.Z. 5 Tote (zwei Demonstranten wurden in den Rücken erschossen und 3 Selbstmorde aus Protest. In Tunesien moniert man den große sozialen Gefälle, die Selbst-Bediener-Manier der herrschen Familienmitglieder. Die Unterdrückung der Menschenrechte und die Zensur der Medien (v.a. das Internet) erschwert das Leben der zum Teil gut ausgebildeten jährlichen 70 Tausend Absolventen. Wer sich schon immer Einmal gefragt hatte wo genau die gemäßigten Muslime leben, dem sei gesagt, dass sie in Tunesien unter Repressionen leben. Es ist das Erste Mal, dass sich ein muslimisches Land gegen die Herrscher auflehnt; zuvor waren es immer Widerstände gegen Besatzer oder kolonien. Der tunesische Aufstand ist weder von islamistischen noch von idiologischen Hintergründen entstanden, es geht lediglich um dass Verlangen nach Bürgerrechten und sozialer Gerechtigkeit Status-Quo: Totale Zensur in Tunesien. Weder lokale noch internationale Journalisten sind zugelassen. Einzige Medienquelle ist das Internet (Twitter, Facebook, babtounes.com, etc. ). Präsident Ben Ali ist in Dubai im Exil. Sein Mafia Klan inklusive seiner privaten Para-Milize versuchen mit Massenverhaftungen (v.a. Journalisten, oppositionelle, Blogger, Demonstranten). In Thala (Tala) nordwestlich in Tunesien gibt es seit 11 Tagen massive Straßenkämpfe zwischen den Bewohnern und der Polizei. heute am 06.01.2010 rückt das Militär in Thala ein, weil die Polizei die Kontrolle verloren hat. Aufruf an die deutschen Medien: Warum nehmen deutsche Medien ihre Berichtserstattungspflicht nicht Ernst in Bezug auf die Vorfälle in Tunesien? Warum wird diese schlimme Thematik fast nicht aufgegriffen ( bis auf die TAZ)? Für die EU und die USA ist Tunesien ein handlungssicherer Partner (v.a. im Bereich der Wirtschaft/Tourismus und des Einwanderungsschutzes, was durch den Bau eines Gefängnisses in Tunesien darstellt, das von der EU finanziert wird um die Flüchtlinge auf nicht-EU Boden zu behandeln; man gibt diese Verantwortung und Schicksale in die Hände eines Polizeistaates, der mit 500 politischen Häftlingen als Nummer Eins unter den arabischen Länder ist. Arabische Medien wie "Al Jazeera" oder westliche wie "Washington Post" oder "The Guardian" berichten intensiv unter den seit dem 17.12.2010 anhaltenden Proteste, politische Verfolgungen und blutige Auseinandersetzungen. nur in Deutschland hält man sich zurück, wenn man von einem kleinen Bericht in der Bildzeitung absieht, der nur Protesten tunesischer Arbeitslose berichtete. Der "Spiegel" enttäuscht leider auch bzgl. der Berichtserstattung über den Bürgerkrieg ähnlichen Zustand in Tunesien. SOS, hilft Tunesien zumindest mit der Verbreitung der Nachrichten !
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