Netzwelt-Ticker Apple droht iTunes Store zu schließen

Neun Cent könnten zur Schließung von Apple iTunes-Musikladen führen, Realnetworks und Hollywood beharken sich wegen Kopierschutzfragen und Electronic Arts findet Raubkopien doch nicht so schlimm. Das und mehr im Überblick.


Apple droht mit der Schließung seines Online-Musikladens iTunes Store. Der Grund: In den USA wird derzeit über eine Erhöhung der Lizenzgelder nachgedacht. Musiker sollen demnach pro digital verkauftem Titel statt bisher sechs künftig 15 Cent überwiesen bekommen.

Apple-Chef Steve Jobs vor einem Bild des iTunes Stores: Keine Extra-Cents für Musiker
REUTERS

Apple-Chef Steve Jobs vor einem Bild des iTunes Stores: Keine Extra-Cents für Musiker

Das amerikanische Copyright Royalty Board (CRB), für die Festlegung von Urheberabgaben zuständig, wird voraussichtlich am Donnerstag eine entsprechende Anordnung verkünden. iTunes-Chef Eddy Cue quittierte dieses Ansinnen mit der Äußerung, eher würde man das Musikangebot schließen, als den Preis für Songs über die derzeitige Grenze von 99 Cent anheben. Ansonsten wären Verluste unvermeidlich, was ein Ende des dann nicht mehr profitablen Geschäftsbetriebes bedeuten würde.

Derzeit stehen alle Musikunternehmen unter dem Druck, nach dem Einbrechen der Umsätze durch CDs die geschwundenen Einnahmen durch den verstärkten Verkauf von Download-Titeln zu kompensieren. Logisch, dass sie über eine Abgabenerhöhung nicht glücklich wären. Anders die Sicht des Komponistenverbandes NMPA: "Es mag ja sein, dass Apple Songs gerne billig abgibt, um iPods besser zu verkaufen", wird NMPA-Chef David Israelite zitiert. "Aber wir bekommen keinen Penny für den Verkauf von iPods."

RealNetworks und Hollywood verklagen sich gegenseitig

Auch anderenorts gibt es Streit ums Urheberrecht. Nur kurze Zeit, nachdem RealNetworks mit dem Verkauf seiner Kopiersoftware RealDVD begonnen hat, rollte eine Klagewelle an. Der amerikanische Filmindustrieverband MPAA will RealNetworks belangen, weil deren Kopierprogramm es erlaubt, den auf den DVDs zumeist vorhandenen Kopierschutz zu umgehen. Damit verstoße die Softwareschmiede gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA).

Diesen Schritt haben die RealNetworks-Hausjuristen offensichtlich vorhergesehen und initiierten ihrerseits eine Feststellungsklage gegen diverse Filmstudios und die DVD Copy Control Association. Damit soll klargestellt werden, dass man keineswegs gegen deren Lizenzbestimmungen verstoße.

Immerhin erlaube RealDVD lediglich das einmalige Abspeichern auf der Festplatte des Nutzers, erneutes Brennen oder die Weiterverbreitung über Tauschbörsen werde durch einen eigenen Kopierschutz unterbunden. Nun müssen die Richter klären, ob die Einführung eines Kopierschutzsystems die verbotene Überwindung eines vorherigen Kopierschutzes wieder ausbügelt.

EA-Sprecherin: Nicht jede Raubkopie richtet Schaden an

Noch vor kurzer Zeit stimmte Computerspielehersteller Electronic Arts (EA) ein lautes Klagelied an, welchen Schaden die unberechtigte Verbreitung seiner raubkopierten Spiele anrichten würde. Mit den rigiden Kopierschutzmaßnahmen in der Evolutionssimulation "Spore" hatte sich das Unternehmen dann den geballten Zorn der Fangemeinde zugezogen.

Nun das überraschende Eingeständnis von EA-Sprecherin Mariam Sughayer: "Abgesehen von den rechtlichen Fragen um das Kopierschutzsystem sollte klar sein, dass nicht jeder Download über Bittorrent für eine erfolgreiche Kopie oder einen entgangenen Verkauf des Spiels steht."

Offensichtlich haben die Verantwortlichen gemerkt, dass Kundenpflege sinnvoller ist als Strafverfolgung wegen Piraterie und Diebstahl. Demnächst soll das Limit, das die Zahl von Spore-Installationen auf drei begrenzt, angehoben werden, außerdem soll ein Patch die Anzahl der Spieler, die jede "Spore"-Kopie nutzen können, erhöhen.

GNU-Erfinder Stallman: Cloud Computing ist eine teure Falle

Vor 25 Jahren kündigte der amerikanische Entwickler Richard Stallman das GNU-Projekt an, das zunächst ein völlig freies Betriebssystem entwickeln wollte, schließlich aber den Weg zu offenen Programmen wie Linux oder Firefox ebnete. Trotzdem geht für den rauschebärtigen Netzaktivisten die Gleichung "gratis = gut" nicht auf.

Gar nichts hält Stallmann zum Beispiel vom neuesten Schrei der Online-Welt, dem Cloud Computing. Hier nutzen Surfer Software- und Speicherdienste online, die von Unternehmen wie Google auf eigenen Servern bereitgestellt werden. In Wahrheit sei das " schlimmer als Dummheit", so Stallman, denn diese Angebote sollten die Surfer in die Falle geschlossener, proprietärer Dienste locken.

Die kosten zwar kein Geld, fräßen aber mehr und mehr Zeit auf. Die Speicherung persönlicher Daten in einer nicht kontrollierbaren Datenwolke sei überdies eine gefährliche Sache. Und überdies unnötig, könne der Nutzer seine Daten doch auch nach wie vor auf dem eigenen Rechner abspeichern und sie dort unter Kontrolle halten.

Clip zu langweilig? YouTube hilft

Da hat sich der Hobbyfilmer so viel Mühe gegeben und ein möglichst unterhaltsamen Clip gebastelt, stellt ihn bei YouTube ein - und dann tote Hose. Niemand interessiert sich, Kommentare bleiben aus. Was ist falsch gelaufen?

Um das herauszufinden und möglichst publikumsträchtige Videoclips zu produzieren, kann der Heimregisseur jetzt ein neues Tool von YouTube nutzen. Das Online-Filmportal hat seine Video HeatMap veröffentlicht, deren statistische Auswertung informiert, an welchen Stellen eines Clips besonders viele User zuschauen und wo sie sich wieder verabschieden. Das entsprechende Diagramm zeigt anschaulich und sekundengenau, wo der Zuschauer-Zuspruch überdurchschnittlich groß ist und an welchen Stellen Szenen vorhanden sind, die besser noch mal überarbeitet werden sollten.

Wie der Heilige Geist: Athos-Mönche per Wimax verbunden

Der griechische Berg Athos ist nicht als Heimstatt moderner Lebensführung bekannt, die dortige Mönchsrepublik untersagt bis heute Frauen den Zutritt. Ausgerechnet dieses Gebiet hat das Unternehmen OTE zur Pilotregion für ein griechisches Wimax-Netz auserkoren. Mit dem Netz, dem noch ein W-Lan-Netz in der Athos-Hauptstadt Karyes zugeschaltet wird, soll die Verbindung der 20 Klöster untereinander verbessert werden.

Mobile Breitbandformate
UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s für die Datenübertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 1024 Kbit/s. (mehr ...)
HSDPA
High Speed Downlink Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 1,4 Mbit/s. Durch technologische Verbesserungen soll sie allmählich auf 5,1 Mbit/s steigen. (mehr ...)
GPRS
General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
Edge
Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
WiMax
Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Tranferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. (mehr ...)
DVB-T
Der DVB-T-Standard regelt die Verbreitung digitaler Fernsehsignale per Funk. Der DVB-Standard ist zwar auch dafür ausgelegt, Internetinhalte zu übertragen - in den Frequenzbereich eines einzigen analogen Fernsehkanals (etwa sieben MHz) passen aber gerade mal 13 Mbit pro Sekunde hinein. Wenn an einer einzigen Sendestation also 20 Nutzer hängen, die gleichzeitig etwa einen Dateidownload versuchen, wird es schon eng - die Datenrate für jeden Nutzer läge unter einem Mbit/s, also niedriger als die der günstigsten DSL-Verbindungen, die derzeit im Angebot sind. "Die größte Gefahr für diese Technik ist, von der Gegenwart überholt zu werden", sagt Sven Hansen von der Computerzeitschrift "c't". Überträgt man die Inhalte über DVB, geht das auch nur in eine Richtung - wie beim Fernsehen eben. Der Rückkanal muss dann auf anderem Wege hergestellt werden, etwa über eine herkömmliche Telefonleitung. Mausklicks im Browser gingen bei dieser Methode über die Telefonleitung zum Provider, die angeforderten Seiten würden dann von der DVB-Sendestation zurück zum Empfänger gefunkt. Das ist umständlich - und langsam. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen einem weiteren Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. LTE konkurriert mit dem WiMax-Standard um die Marktführerschaft im mobilen Internet der Zukunft - zwischen den beiden Standards wird möglicherweise ein neuer Formatkrieg ausbrechen. LTE ist nach Einschätzung von Experten gegenüber WiMax allerdings etwa zwei Jahre im Rückstand, was die technologische Entwicklung angeht. (mehr ...)

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