Netzwelt-Ticker Apple hält Pottwale für anstößig

Im iPad-Digitalbuchladen zensiert Apple vermeintlich anstößige Werbetexte und säubert den Klappentext zu "Moby Dick". Außerdem im Nachrichtenüberblick: Google will den Ruf als Reklame-Monopolist loswerden und Verbraucherschützer rufen zum Facebook-Boykott auf.

iPad-Buchladen: Anstößige Begriffe werden hier aus den Klappentexten getilgt
AP

iPad-Buchladen: Anstößige Begriffe werden hier aus den Klappentexten getilgt


Bei dem Versuch, möglichst wenig anzuecken, ist Apple ein Missgeschick passiert: Ein automatischer Wortfilter, der in den Beschreibungen von Büchern der neuen iBook-Anwendung nach anstößige Ausdrücken fahndet, ist über das Ziel hinausgeschossen. In dem Klappentext zu Herman Melvilles "Moby Dick" wurde aus dem "sperm whale", dem Pottwal, ein "s**** whale". Das Wort "sperm", Sperma, hatte den Filter zuschlagen lassen. Der erkannte das zusammengesetzte Wort nicht als solches und ersetzte zumindest in der Inhaltsangabe Buchstaben durch Sternsymbole.

Auch der Titel des Buchs "The Nigger of the 'Narcissus'", eines Klassikers von Joseph Conrad aus dem Jahr 1897, liest sich in der gesäuberten Apple-Fassung etwas anders. Statt des verpönten Ausdrucks "Nigger" schreibt Apple lieber "N****", um ja keinen Ärger zu bekommen. Auf BoingBoing machen sich Kommentatoren über den Wortfilter lustig und fragen sich, ob nicht auch das "Dick" aus "Moby Dick" verschwinden müssten. Schließlich wird so das männliche Geschlechtsteil bezeichnet.

Auch im App-Store geht Apple rabiat vor und sperrt, sehr zum Entsetzen deutscher Verleger, Programme, die entgegen der Geschäftsbedingungen zu viel nackte Haut auf iPhone und Co. zeigen. Das traf schon die Anwendungen des "Stern" mit freizügigen Fotos und die der "Bild"-Zeitung, in der sich Models per Schüttelbewegung ausziehen lassen. Weniger strikt geht der Konzern mit Musik um: Lieder der unangenehmen White-Pride-Band Skrewdriver ("Blood and Honour") lassen sich ohne Probleme im US-Store kaufen. (ore)

Apple setzt auf Online-Werbung - und Google freut sich

Wer dachte, nach der Vorstellung des iPad sei erst mal Ruhe in Apples Gerüchteküche eingekehrt, der täuscht sich. Am Donnerstag soll auf Apples iPhone Developer Event angeblich eine neue Vermarktungsplattform für mobile Anzeigen vorgestellt werden, wie MediaMemo berichtet. Und man ist sich sicher, dass Online-Reklamekonkurrent Google diese Nachricht mit Entzücken vernimmt. Das klingt auf den ersten Blick merkwürdig, wird aber bei näherem Hinschauen schlüssig.

Denn Google ist gerade dabei, einen 750-Millionen-Dollar-Deal für den Kauf des Online-Werbevermarkters Admob endlich in trockene Tücher zu bringen. Derzeit ist das Verfahren in der Schwebe, weil die US-Handelskommission FTC kartellrechtliche Bedenken hat. Der Einstieg des Elektronik- und Software-Riesen Apple ins Anzeigengeschäft kommt Google da wie gerufen, denn nun kann der Suchmaschinist darauf verweisen, mitnichten eine Monopolstellung zu besetzen.

Vermutungen über Apples Interesse an Online-Werbung gab es schon länger. Spätestens im Januar lichteten sich die Nebel, als Apple Quattro Wireless schluckte, einen Spezialisten für Werbung, die in Apps läuft. Derzeit sei das noch ein kleines Segment, so MediaMemo, aber der explodierende Markt für Applikationen könnte diesen Bereich bald kräftig wachsen lassen. Auf Nachfrage erklärte Adam Kovacevich von Googles Kommunikationsabteilung: "Auch nach Abschluss des Admob-Kaufs wird Mobile Advertising weiterhin von Wettbewerb geprägt sein. Anzeigen für Apps existieren gerade seit zwei Jahren, es gibt mehr als ein Dutzend Werbenetzwerke. App-Entwickler und Inserenten nutzen gewöhnlich mehrere Netzwerke."

Randale nach Party-Einladung auf SchülerVZ

Eine 16-Jährige aus Münster hat sich mit einer Party-Einladung im Internet eine Gruppe Randalierer ins Elternhaus geholt. Das Mädchen verbreitete die Nachricht von der geplanten Feier im Haus ihrer Eltern über SchülerVZ, wie die Polizei mitteilte. Neben den geladenen Gästen erschienen aber auch etwa 20 Unbekannte auf der Party und randalierten. Als zwei junge Männer einschritten, bewarfen die Randalierer die beiden mit Möbeln und anderem Inventar und jagten sie durch die Nachbarschaft. Im Haus eines Nachbarn fanden die Gejagten schließlich Schutz und verständigten die Polizei. Die Täter flüchteten. (dpa)

Preissturz bei Rhapsody

Der bis letzte Woche RealNetworks zugehörige Musik-Streaming-Service Rhapsody senkt seine Preise. War das Abo für unbegrenzten Hörgenuss bislang für 15 Dollar im Monat zu haben, muss der Kunde nun nur noch zehn Dollar bezahlen. Manche sehen in diesem Schritt ein Lockangebot an iPhone-Besitzer. Die sind übrigens nicht mehr die einzigen, die auf den Musikdienst zugreifen können. Denn Rhapsody veröffentlichte jetzt eine App für Android-Smartphones, eine App für den Blackberry soll bald folgen, meldet "Mashable". Damit, wie auch mit den vergünstigten Preisen, wollen die unabhängigen Rhapsody-Betreiber ihren geschrumpften Kundenstamm erweitern, der derzeit 675.000 Nutzer umfasst. Die Chancen stehen gar nicht schlecht. Zwar gibt es im Streaming-Bereich jede Menge Konkurrenz, die oftmals sogar noch billiger ist wie zum Beispiel das alte Musik-Schlachtross Napster. Bloß bieten die meisten keine Nutzungsmöglichkeiten für Mobiltelefone.

Kripo-Beamte fordern Internet-Notruf

Gibt's im richtigen Leben Probleme mit Ganoven, ist schnell die 110 gewählt und schon bald taucht die Polizei auf. So ähnlich soll das zukünftig auch in der Online-Welt möglich sein. Genügend kriminelle Umtriebe gibt es ja, von Identitätsklau über Kreditkartenbetrug bis zu sexueller Belästigung. Geht es nach der Vorstellung des Bundesverbands Deutscher Kriminalbeamter (BDK), soll demnächst ein Notrufsystem fürs Internet installiert werden. Wie BDK-Chef Klaus Jansen gegenüber der "Rheinischen Post" erklärte, sei "eine 110 im Netz" erforderlich, "um die Internetkriminalität in den Griff zu bekommen". Für die Zwecke der Kriminalprävention sei eigens ein Projekt namens "Webpatrol" entwickelt worden. Das beinhaltet den schon des Öfteren diskutierten Notrufknopf, der beim Surfen beständig sichtbar sein soll. Bei verdächtigen Seiten erstellt das 110-Programm nach dem Anklicken des Buttons einen Screenshot und schickt diesen zur weiteren Auswertung an eine geeignete Polizeistelle. "So könnten beispielsweise Amokaufrufe oder kinderpornografische Inhalte frühzeitig gemeldet werden", gibt sich Jansen hoffnungsvoll. Beim Bundesinnenministerium findet man die Idee zwar grundsätzlich prima, aber ansonsten gebe es noch keine abschließende Bewertung. Zum einen ist noch unklar, wie besagter Petzknopf überhaupt konkret eingesetzt werden soll. Außerdem müsse es neben der geeigneten Software auch genügend kompetente Beamte zur Auswertung geben. "Wir müssen die Polizei technisch und personell so ausstatten, dass sie ihrem Ermittlungsauftrag auch im Netz nachkommen kann", wie CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach feststellt.

Erfolgsvorhersage für Kinofilme mit Twitter

Volle Kassen oder Pleitegeier? Diese bange Frage stellen sich Filmproduzenten jedes Mal, wenn sie wieder einen neuen, mehrere hundert Millionen teuren Streifen in die Kinos bringen. Am liebsten würden sie schon vorher wissen, wie die Erfolgsaussichten sind. Aber alle Versuche mit Umfragen oder Testvorführungen vor repräsentativem Publikum haben immer nur sehr ungenaue Ergebnisse geliefert. Das könnte jetzt anders werden, mit Hilfe von Twitter. Denn natürlich lassen sich Kinofans auch auf dem Zwitscherdienst ausgiebig über neue Streifen aus. Diese Tweets haben sich zwei Forscher aus den HP Labs in Palo Alto näher angesehen. Sie flöhten das Getwitter nach Tweets zu neuen Filmtiteln und analysierten diese mit speziellen Computer-Algorithmen. Nach eigener Aussage konnten sie so den Kassenerfolg eines ausgewählten Films mit 97-prozentiger Genauigkeit vorhersagen. So habe das Analyse-Tool für die Romanze "Dear John" ein Einspielergebnis von 30,46 Millionen Dollar berechnet, tatsächlich kamen 30,71 Millionen zusammen. Ähnlich gut die Werte für "The Crazies", auch hier wich die Vorhersage von 16,8 Millionen Dollar von den eingenommen 16,07 Millionen nur wenig ab.

"The New Republic" auch online nur noch gegen Bezahlung

Und schon wieder eine Zeitung, die für ihr Online-Angebot ein Kassenhäuschen aufstellt. "The New Republic", ein amerikanisches Polit-Magazin, verlangt seit heute Geld vom Leser. Mit Ausnahme einiger Blog-Beiträge und Online-Kolumnen sollen besonders die umfangreicheren Artikel bezahlt werden. Die Leser haben die Wahl zwischen mehren Modellen. Das einfache Online-Jahresabo schlägt mit 30 Dollar zu Buche, für 40 Dollar gibt's außerdem die Printausgabe und wer 45 Dollar über den Tresen reicht, darf außerdem ins Online-Archiv gucken und wird zu "hochkarätigen Events" eingeladen.

Auch das noch:

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.