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06. Mai 2010, 15:56 Uhr

Netzwelt-Ticker

Apple missfällt iPhone-Parodie

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Eine US-Moderatorin nahm es mit Apples übereifriger Image-Abteilung auf - und musste sich schließlich vor laufender Kamera bei Apple entschuldigen. Außerdem: Überraschendes Bekenntnis der US-Regulierungsbehörde zur Netzneutralität und ein Hackertool für jedermann. Das und mehr im Überblick.

Weil sie den Eindruck erweckt habe, das iPhone sei schwierig zu benutzen, musste sich US-Talkshow-Moderatorin Ellen DeGeneres vor laufender Kamera entschuldigen: "An alle bei Apple, Steve Jobs, Mr. Macintosh: Ich entschuldige mich. Es tut mir leid." Apples überaufmerksame Image-Polizei, lästert der "Sydney Morning Herald", hat also ein neues Opfer gefunden.

Für anstößig hielt Apples offenbar völlig humorfreie PR-Abteilung einen Fernsehsketch, in dem DeGeneres vergeblich versucht, eine SMS per iPhone zu verschicken. In ihrer nächsten Sendung entschuldigte sie sich: "Die Apple-Leute fanden das nicht so lustig. Sie dachten, ich stelle es so dar, als ob es schwer zu benutzen sei, und ich wollte nur sagen, dass es mir leid tut, falls ich den Anschein erweckte, das iPhone wäre schwierig zu benutzen."

Zwar nimmt die ganze Tech-Presse nun Apple ins Gericht: "Wie kann man nur so wenig Spaß verstehen?" Offen bleibt aber die Frage, warum sich DeGeneres überhaupt genötigt sah, sich für einen Fernsehscherz - und dazu noch einen so lahmen - zu entschuldigen. Wenn man einmal davon absieht, dass die Entschuldigung den ganzen Irrwitz durchaus auf die Spitze treibt: Blamiert steht ja nicht die Moderatorin da, sondern das als humorfreie Zone geoutete Unternehmen Apple. Im Video wird klar, wer da die Lacher auf ihrer Seite hat:

Wifi-Hack im Hardware-Basar

Auf dem Internetschwarzmarkt ist laut "Networkworld" ein neues Hackerschnäppchen aufgetaucht: Für weniger als 20 Euro bieten diverse zwielichtige Internethändler fertig präparierte USB-W-Lan-Sticks an, mit denen sich auch Anfänger in passwortverschlüsselte Funknetzwerke einloggen können. Mit WEP verschlüsselte Verbindungen seien in Sekunden bis wenigen Minuten geknackt, Angriffe auf WPA-Schlüssel dauern wohl etwas länger.

Obwohl die Hacker-Sticks illegal sind, erfreuen sie sich angeblich großer Beliebtheit: Networkworld hat mit dem Entwickler des auf manchen Sticks vorinstallierten Hacker-Linux BackTrack gesprochen. Der warnt davor, dass mit dem Stick nicht nur W-Lan-Verbindungen geknackt werden können, sondern auch Datenverkehr protokolliert werden kann. Ein Grund mehr, die W-Lan-Verschlüsselung auf WPA2 umzustellen.

FCC: Überraschendes Bekenntnis zur Netzneutralität

Überraschender Umschwung: Die US-Regulierungsbehörde FCC (Federal Communications Commission) hat sich einem Bericht der "Washington Post" zufolge nun - zumindest in Teilen - doch pro Netzneutralität entschieden. Netzneutralität bedeutet die inhaltsblinde Übertragung von Internetdaten und wird von vielen Verbraucherschützern als Schutz vor Provider-Willkür angesehen.

Zur Frage stand die Klassifizierung von Internetprovidern als Informations- oder als allgemeine Netzbetreiberdienste. Erstere unterstünden einer schwächeren Kontrolle durch die FCC - die sich Befürworter der Netzneutralität aber gerade wünschen. Gegner so einer Regelung befürchten Überregulierung und wirtschaftliche Nachteile für die Internetanbieter. Ohne Netzneutralität könnten Internetbetreiber bestimmte Internetdienste, etwa Filesharing oder Internettelefonie, teurer verkaufen als Surfen oder Chatten.

Die FCC hat sich nun offensichtlich für einen "dritten Weg" entschieden, will an einigen Stellen weniger, an anderen wieder mehr regulieren. Tatsächlich bedeutet das ein neues Bekenntnis der FCC zur Netzneutralität.

Der IT-Blog Ars Technica ist ob dieser Nachricht ganz aus dem Häuschen: Noch Anfang der Woche, schreibt er, schien es ganz so, als ob die Federal Communications Commission in dieser Sache das Handtuch hinwerfen, sich nicht für eine Reklassifizierung der Internetanbieter als allgemeine Netzdienstleister entscheiden würde. Grund: Der richterliche Rückpfiff einer FCC-Order gegen den US-Internetanbieter Comcast, der mit Filesharing-Drosseln gegen Netzneutralitätsregeln verstoßen hatte. Das wurde damals als Entmachtung der FCC in Sachen Netzneutralität gesehen.

Am heutigen Donnerstag will FCC-Chef Julius Genachowski einen entsprechenden Entwurf für den "dritten Weg" veröffentlichen, über den dann ein fünfköpfiges Komitee entscheiden werde.

Hackerkonferenz: Rootkit im Bankautomaten

Der Überfall im Geldautomaten muss nicht unbedingt mit einem Skimming-Modul passieren: Wie "Computerworld" berichtet, wird Sicherheitsexperte und Profi-Hacker Barnaby Jack auf der nächsten "Black Hat"-Hacker-Konferenz in Las Vegas eine Software vorstellen, die sich unbemerkt in Bankautomaten einnisten kann. Sein dazugehöriger Vortrag trägt den vielversprechenden Titel " Jackpotting Automated Teller Machines" (Geldautomaten zu Hauptgewinnen machen).

Neue Testversion vom Internet Explorer 9

Microsoft hat auf IEtestdrive.com eine neue Testversion des Internet Explorer 9 zum Download freigegeben. Die neue IE9-Version soll bei der JavaScript-Verarbeitung Gas geben und Web-Standards besser unterstützen. Alle Informationen zum IE9 bietet Microsoft als PDF-Factsheet an (269 KB).

EuGH zur Vorratsdatenspeicherung

Wie Heise berichtet, will der irische High Court vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf Antrag der Bürgerrechtsinitiative Digital Rights Ireland (DRI) wissen, ob die EU-Richtlinien zur Vorratsdatenspeicherung mit den EU-Grundrechten vereinbar sind. Die Luxemburger Richter, so Heise weiter, müssen nun prüfen, ob die Vorgaben zur Vorratsdatenspeicherung gegen die Europäische Menschenrechtskonvention und das EU-Datenschutzrecht verstoßen.

EU-Parlament stichelt gegen Acta

Laut ORF-Futurezone hat das EU-Parlament am Mittwoch auf seiner Sitzung in Brüssel mit großer Mehrheit einen Bericht zur "digitalen Agenda" der Union bis 2015 verabschiedet. Darin geht es um die Stärkung von Bürgerrechten, Netzneutralität und die Ablehnung der im Anti-Piraterie-Abkommen Acta vorgesehenen Provider-Haftung für Netzinhalte. Den interessanten Bericht zur "digitalen Agenda" hat das Parlament auch auf Deutsch veröffentlicht.

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