Netzwelt-Ticker Apple will über den Antennen-Ärger reden

Steve Jobs ruft zu einer Sonderpressekonferenz, vermutliches Thema: die Pannen-Antennen des iPhone 4. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Gericht urteilt gegen Abofallen-Betreiber, Medienhysterie um Rausch-MP3s und eine neue Version des Anti-Piraterie-Pakts Acta.

Matthias Kremp

Die Antennen-Probleme des iPhone 4 weiten sich zu einem Image-Desaster für Apple aus. Manche Analysten ziehen nun sogar einen Rückruf der geschätzt 1,7 Millionen ausgelieferten Geräte in Betracht - fordern Apple auf, zumindest kostenlose Schutzhüllen, welche die Verbindungsprobleme lösen können, zu verteilen.

Jetzt hat Apple eine außerordentliche Pressekonferenz für Freitag angekündigt; Thema unbekannt. Vermutlich aber wird es um Apples weiteres Vorgehen in Sachen Pannen-Antenne gehen. Die Frage, die nun viele Beobachter interessiert: Wird Steve Jobs sich tatsächlich zu einer Entschuldigung durchringen? Bisher fiel er eher mit arroganten Ratschlägen für enttäuschte iPhone-4-Käufer auf: Kauft eine 30-Euro-Schutzhülle, haltet das iPhone einfach anders. Die angebliche Software-Lösung, die in den vergangenen Tagen im iOS-4.1-Update veröffentlicht wurde, stellte sich darüber hinaus als rein kosmetisch heraus: Apple vergrößerte die Balken, die schlechten Empfang signalisieren.

Um den Image-GAU, beschleunigt durch einen kritischen iPhone-4-Bericht des amerikanischen "Consumer Reports", zu verhindern sind nun Taten gefordert; der Apple-Aktienkurs ist seit Bekanntwerden der Antennen-Probleme und nach stetigem Wachstum merklich gesunken.

Laut der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg hat ein hochrangiger Ingenieur das Management im vergangenen Jahr gewarnt, dass eine außenliegende Antenne die Empfangsleistung schwächen könnte. Bloomberg nannte den Ingenieur namentlich. Auch einer von Apples Partnern unter den Mobilfunk-Betreiber hat demnach seine Sorgen geäußert.

Sicher ist: Apple muss Hohn und Spott für den problematischen Kundenumgang und die kriselnde Krisen-PR einfahren. Das US-Magazin "Fortune" etwa fragt seine Leser, was beleidigender sei: dass ein Top-Microsoft-Manager das iPhone 4 mit Windows Vista vergleicht oder dass US-Talkshow-Host David Letterman den Antennen-Murks für eine Witzvorlage hernimmt?

mit Material von dpa

Urteil: Bundeshaushalt darf mit Abofallen-Gewinnen saniert werden

Neue Schlappe für Online-Abzocker: Wer im Internet versucht, Verbraucher mit einer Kosten- oder Abo-Falle zu täuschen, muss damit rechnen, dass spätestens ab einer Abmahnung die damit gemachten Gewinne abgeschöpft werden können, schreibt Golem.de. Im vorliegenden Fall hatte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main den Fall eines abgemahnten Betreiber einer Kostenfalle untersucht: Der berief sich auf eine beschwichtigende Auskunft seines Anwalts, der das Angebot für rechtens erklärte - spätestens mit Erhalt der Abmahnung, die auf eine mögliche Rechteverletzung hinweist, hätte der Abgemahnte sein Angebot prüfen müssen. Die mit der Kostenfalle erwirtschafteten Gewinne werden dem Bundeshaushalt zugeschlagen.

Konsolidierter Acta-Text veröffentlicht

Weil die Unterhändler des umstrittenen Anti-Piraterie-Abkommens Acta sich weigerten, den noch in Arbeit befindlichen Vertragstext zu veröffentlichen, hat die französische Bürgerrechtsorganisation La Quadrature du Net einen konsolidierten Vertragstext, der die jüngsten Verhandlungen in Luzern widerspiegelt, ins Netz entlassen (PDF-Datei, 8,7 MB); ein EU-Parlamentarier hat den Text der Organisation wohl zugespielt. In dem als "EU restricted" eingestuften Papier seien auch die Verhandlungspositionen der beteiligten Parteien enthalten. "Ars Technica" fragt sich in einer Analyse des Vertragstextes, warum eigentlich immer noch auf Geheimhaltung gesetzt wird, wenn doch ständig die neusten Vertragsversionen im Netz landen? Wenigstens, so das Tech-Blog, haben sich einige Acta-Unterhändler mittlerweile einer Diskussion um das umstrittene Papier gestellt (1), (2).

Die Futurezone hat sich den Text angeschaut und zeigt sich besorgt, dass etwa "den Unterzeichnerstaaten, darunter den EU-Mitgliedern und den USA, weiterhin der Weg offensteht, am Zoll auch persönliche Datenträger durchsuchen zu lassen". Ende Juli gehen die Verhandlungen in Washington weiter.

Kostenloses Funkinternet in Berlin

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, will Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit einen neuen Versuch starten, ein kostenloses, öffentliches W-Lan in der Hauptstadt zu installieren. Solche Versuche sind in der Vergangenheit mehrfach gescheitert. Aufwind bekommt die Idee nun nach einem Besuch Wowereits im Motorola-Werk in Reinickendorf - für den Netzbetreiber Unitymedia hatte Motorola in Aachen in acht Monaten so ein kostenloses Stadt-Netz installiert. Wowereit sagte dem "Tagesspiegel", dass Aachen ein konkretes Beispiel dafür ist, wie so ein städtisches W-Lan funktionieren kann. Dies sei ein guter Anlass, die Umsetzung für Berlin nochmals zu prüfen.

MP3-Hörer im Drogenrausch

Eine absurde Warnung der US-Nachrichtensendung "News 9" verzückt US-Blogger: Demnach berauschen sich immer mehr Jugendliche an "digitalen Drogen", angeblich ein " alarmierender Trend unter Teens". Über Web-Seiten würden Kinder zum kostenlosen Download dieser "digitalen Drogen" verführt, Audiodateien, die "drogenähnliche Effekte" hervorrufen sollen. Zu hören: Drones, stehende, im Stereofeld wabernde Töne. Wer sich dabei die Augen verbindet und ge-, besser noch entspannt lauscht, wird bald visuelle und auditive Halluzinationen erleben. Laut "News 9" befürchten Eltern nun, dass der Dateienrausch wie eine Einstiegsdroge für "echte" Drogen wirken kann. Auch die Drogenbehörde des US-Bundesstaats Oklahoma warne Eltern schon vor dem "i-dosing".

US-Online-Medien wie das Threat-Level-Blog von Wired.com sind ob so viel Drogenfurcht wahrlich entzückt: " Wir sind erstaunt und haben Hunderte Fragen."

Tatsache aber ist: Wer sich die Augen verbindet und eintönige Geräusche hört, der wird mit großer Sicherheit tatsächlich außersinnliche Erfahrungen machen: Sensorische Deprivation, der Entzug von Sinnesreizen führt zu Halluzinationen - ein Effekt, den man nach dieser Anleitung zur "Ganzfeld-Prozedur" mit einem Tischtennisball und einem verstellten Radio zu Hause gleich selbst überprüfen kann. Die Ganzfeld-Methode, das werden Connaisseure der achtziger-Jahre-Parawissenschaften-Hypes wissen, dient schon seit Jahrzehnten der (vergeblichen) Untersuchung von sogenannten Fernwahrnehmung: dem Erkennen von Dingen, die da einfach nicht sind …

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