Netzwelt-Ticker Bei Anruf Tod

Handys können tödlich sein - wenn man mit ihnen drei Zentimeter neben einem lebenswichtigen technischen Gerät im Krankenhaus online geht. Nicht tödlich, aber doch schlecht fürs Image ist dagegen der Spam-Versand durch Rechner des Viagra-Herstellers. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.


Sind Mobiltelefone gesundheitsschädlich? Ist Handystrahlung gefährlich? Eine Studie niederländischer Forscher untersuchte den Einfluss von Mobiltelefonen auf medizinische Geräte in Krankenhäusern. Ihr Ergebnis: Aktuelle Funktechnik und ein geringer Abstand zu Geräten stellen tatsächlich eine Gefahr dar – die aber im Alltag keine große Rolle spielen dürfte.

Medizinische Behandlungsgeräte können von Handys gestört werden. Im Ernstfall ist aber die schnelle Kommunikation per Mobiltelefon wichtiger
DPA

Medizinische Behandlungsgeräte können von Handys gestört werden. Im Ernstfall ist aber die schnelle Kommunikation per Mobiltelefon wichtiger

Die Studie führt eine ältere Untersuchung weiter, die nahelegte, dass nicht alle Mobiltechniken in gleichem Maße mit elektronischer Krankenhauseinrichtung interferieren. Während GSM– und UMTS-Netze relativ harmlos seien, stelle GPRS-Datenverkehr eine große Gefahr dar.

Von 48 Vorfällen mit medizinischen Geräten konnten 13 Prozent auf UMTS-Signale und 66 Prozent auf GPRS-Signale zurückgeführt werden.

Allerdings spiele der Abstand eine wichtige Rolle: In den meisten Fällen mussten Mobiltelefone praktisch auf den untersuchten Pumpen, Monitoren, Defibrillatoren oder anderen Geräten liegen. Bei einem Abstand von bis zu drei Zentimetern trat die Hälfte aller Vorfälle auf – ein Problem wurde jedoch schon bei einem Abstand von drei Metern festgestellt.

Was nicht vergessen werden darf: Bereits in der Vergangenheit untersuchten andere Studien die Rolle von Mobiltelefonen in Krankenhäusern. Dabei wurden entweder keine Störungen bemerkt – oder es wurde sogar darauf hingewiesen, dass die möglichen Schäden durch die Vorteile einer schnellen, mobilen Kommunikation mehr als wettgemacht werden.

Pfizer-Zombie spuckt Viagra-Spam

Peinlich, peinlich. Ausgerechnet von Rechnern aus dem Netzwerk des Pharmakonzerns Pfizer, berühmt für die blaue Potenzpille Viagra, scheinen massenhaft Spam-E-Mails ins Netz zu gelangen, die neben vermeintlichen Rolex-Uhren und fragwürdigen Aktien vor allem auch für Viagra werben.

Der amerikanischen Sicherheitsfirma Support Intelligence fiel laut "Wired News" auf, dass 138 IP-Adressen, die Pfizer zugeschrieben werden können, von verschiedenen Spam-Datenbanken als Spamversender markiert worden sind. "In dieser Firma gibt es ein Desaster und sie wissen nichts davon", so Rick Wesson, Chef von Support Intelligence. Auf Nachfragen von "Wired News" reagierte das Pharmaunternehmen nicht.

Spam-Wellen werden von sogenannten Botnetzen verursacht: Internet-Würmer wie der "Storm Worm" infizieren Rechner und machen aus ihnen Spamversand-Maschinen, sogenannte Zombies. Hacker können die infizierten Rechner fernsteuern und zum Beispiel mit massenweisen Anfragen Websites lahmlegen. Allein dem Storm Worm wird ein Botnetz von über 1,8 Millionen Rechnern zugeschrieben – eine willfährige Armee von Spamzombies.

Lord British macht reinen Tisch

Der immense Erfolg von Online-Rollenspielen wie "World of Warcraft" (neun Millionen Abonnenten) oder "Everquest", die Faszination von Onlinewelten wie "Second Life" kann auf die Pionierarbeit von Richard "Lord British" Garriott, dem Erfinder von Ultima Online zurückgeführt werden. Er schuf als einer der ersten eine sehr erfolgreiche, hochkomplexe virtuelle Welt, in der Spiel und normales Leben ein fesselndes Duo bildeten. Abseits von Monsterjagd und Detektivarbeit verbrachten Ultima-Online-Spieler viel Zeit mit Quatschen, Erz sammeln, Waffen schmieden oder gar Brötchen backen.

Seit Jahren arbeitete Garriott schon an "Tabula Rasa", einem Spiel, das seiner Aussage zufolge wieder alles revolutionieren soll. Spieler müssten viel zu viel Zeit damit verbringen, ihre Spielfiguren auszurüsten und aufzupäppeln. Einige Design-Entscheidungen in Tabula Rasa, so Garriott bei Reuters, werden maßgebend für die nächsten zehn Jahre sein.

Tabula Rasa wird vom Südkoreanischen Publisher NCSoft veröffentlicht, der mit "Lineage" eines der dort erfolgreichsten Onlinespiele im Portfolio hat. Am 19. Oktober soll das neue Spiel zeitgleich in den Vereinigten Staaten und in Europa erscheinen.

Alchemie I: Batterien? Überflüssig!

Auto an die Steckdose anschließen, fünf Minuten warten, 900 Kilometer fahren. Ein Traum, den das amerikanische Unternehmen EEStor mit einer Akku-Technologie wahrmachen will, die es schon im April letzten Jahres unter der Nummer 7.033.406 beim amerikanischen Patentamt registrieren ließ.

Als Basismaterial für die phantastischen Stromspeicher soll ein Barium-Titanat-Keramikpulver zum Einsatz kommen, das mit Aluminiumoxyd sowie einem Kalzium-Magnesium-Aluminiumsilikat-Glas überzogen sein soll und pro Bauteil 52 Kilowattstunden elektrische Energie speichern könnte - bei einem Gewicht von ungefähr 165 Kilogramm. Zu schwer also fürs Handy. Schade.

Wem die ganze Chemie komisch vorkommt - Associated Press warnt sowieso: Viel Energie, schnelle Ladung – das hört sich sehr nach Alchemie an. Auch wenn die Idee, herkömmliche Batterien mit Akkumulatoren auszutauschen, weder neu noch dubios ist.

Robert Hebner, Direktor des University of Texas Center for Electromechanics meint dazu jedoch: "Wir versuchen das schon seit 20 Jahren und bisher hat das niemand geschafft. Je nachdem, wem man glaubt, sind EEStor am Gipfel des Möglichen. Oder weit darüber hinaus…"

Alchemie II: iPod-Komprimiersoftware

Erinnert sich noch jemand an den "RAM Doubler" oder "SoftRam? 1995, das Jahr in dem mit der Einführung von Windows 95 zahllose Computerbesitzer über ein teures Upgrade des Arbeitsspeichers nachdachten, jagten aufwühlende Meldungen durch die Computermagazine: Per Software sollte der physikalische Arbeitsspeicher (meist gerade einmal vier Megabyte) mittels skurriler Kompressionstechniken scheinbar verdoppelt werden. Und das Ganze, ohne dass teure Speichermodule gekauft oder der Schraubenzieher gezückt werden müsste! Die Computerzeitschrift "c't" nahm damals genüsslich so einen Ram-Doubler auseinander und bewies, was eigentlich hätte klar sein müssen: Was für ein himmelschreiender Blödsinn!

Vielleicht ist dieses Debakel zwölf Jahre später vergessen. Aber die ShrinkMyTunes-Software von Z Group könnte alte Gefühle aufwärmen: Mit Kodiermagie soll sie iTunes-Songs auf ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe pressen können. Bei unveränderter Qualität. Natürlich.

Das Wunder soll etwa so geschehen: Die Software entpackt die bereits komprimierten Songs, analysiert sie auf Überflüssiges, entfernt das und kodiert sie dann wieder. Tataaa.

Allein: Im Prinzip genau so funktionieren die gängigen Musik-Komprimierer wie zum Beispiel MP3. Mehr Kompression bedeutet dabei weniger Musik. Und nicht anders kann der ShrinkMyTunes-Hokuspokus funktionieren. Den gleichen Effekt hat man, wenn man MP3-Dateien nicht mit 192 Kilobit/s, sondern zum Beispiel nur mit 64 Kbit/s encodiert – mit fragwürdigem Ergebnis. Das bestätigt zum Beispiel auch dieser harmlose Softwaretest von "Personal Computer World". Playerbites.com analysierte die Dateien, sah einen dramatischen Qualitätsverlust – wollte ihn aber nicht heraushören.

Es bleibt die Feststellung: Wer mehr Musik auf seinen MP3-Player will, kann einfach selbst neu-encodieren oder sich lieber mehr Speicherplatz kaufen statt auf Klangqualität verzichten.

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