Netzwelt-Ticker Boot Camp für Vista

Ein Spammer bekommt jetzt richtig Ärger, Windows Vista ein kerniges Feature und seine Passwörter kann man getrost vergessen - dank einer neuen Kamera. Das und mehr im Überblick.


3D-Filme feiern Comeback

Die Financial Times Deutschland ruft das Comeback der 3D-Filme aus. Dank digitaler Produktionstechniken und prominenter Fürsprecher sollen zukünftig nicht nur in iMax-Kinos Filme in 3D präsentiert werden. Wer jedoch mit irgendwelchen neuartigen technischen Entwicklungen rechnet, dürfte eher enttäuscht werden.

Brillenmode im 3D-Kino: Starrer Blick auf die Leinwand
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Brillenmode im 3D-Kino: Starrer Blick auf die Leinwand

Noch immer müssen Kinozuschauer mit ungemütlichen Spezialbrillen auf die Leinwand starren. Ein Anblick, der an eine Roboterarmee erinnert, die wissbegierig und ein bisschen dämlich den Befehlen ihres Zentralcomputers lauscht. Aber allen ästhetischen Mängeln zum Trotz haben 3D-Kinos zumindest für die Filmindustrie einen gewaltigen Vorteil: Das dreidimensionale Vergnügen gibt es nur im Kino. Und nicht zu Hause, aus dem Internet heruntergeladen.

MySpace gegen Spammer-König

Zumindest einem Spammer geht es jetzt so richtig an den Kragen: Sanford Wallace, zuvor schon von der US-Handelskammer FTC zur Zahlung von vier Millionen US-Dollar gezwungen, wurde nun auch von MySpace verklagt. Die Community wirft dem selbsternannten Spam-König vor, sich über Phishing-Angriffe Zugang zu fremden Profilen verschafft, in der Community Tausende User mit Werbung belästigt und schließlich Profile, Gruppen und Foren allein dafür eingerichtet zu haben, um User auf seine Spam-Websites zu locken. MySpace will laut The Internet Patrol nun 100 Millionen Dollar Schadensersatz von Wallace. Eine ansehnliche Summe für das wahrscheinlich lästigste Individuum in der Geschichte des Internets.

Die von MySpace eingereichte Klage fußt auf dem kalifornischen Anti-Spam-Gesetz "CAN-SPAM Act" von 2003, das gewerbliche E-Mails reglementiert und kontrollieren soll. Auch in Deutschland soll mit Gesetzen gegen Spam vorgegangen werden. Ob das allerdings im Kampf gegen die ärgerlichen Werbemails hilft, ist fraglich. Selbst die drastischen Strafen, die der "CAN-SPAM Act" ermöglicht, haben kaum für ein Einsehen bei den Spammern gesorgt. Gerade einmal 0,27 Prozent aller Werbemails, so ein Report der Sicherheitsfirma MX Logic bei Techweb erfüllten die Vorgaben des Gesetzes.

Der Grund dürfte sein, dass die meisten Spammer aus einem anderen Land kommen oder schlicht und ergreifend nicht dingfest zu machen sind. Längst sind globusumspannende Botnetze von virenbefallenen Rechnern für die großen Spamwellen verantwortlich, die ständig über das Internet schwappen. Der verantwortliche Virenautor ist praktisch nicht ausfindig zu machen, die in den Spam-Mails beworbenen Firmen sitzen auf unangreifbarem Terrain. Gegen Spam, wie gegen die meisten großen Übel der Welt, hilft deswegen wahrscheinlich nur Aufklärung: Auf welche Mails man nicht antwortet, wie man Spam-Filter bedient und vor allem, wie man seinen Computer mit Antiviren-Software und Windows-Updates schützt.

Boot Camp auch für Vista

Apple hat in einem Update der Dual-Boot-Software Boot Camp ein kerniges Feature hinzugefügt: die Unterstützung von Windows Vista. Damit ist es jetzt möglich, neben dem Apple-Betriebssystem OS X auch Windows Vista auf einem Mac zu installieren und zu betreiben. Das Boot-Camp-Update bringt aber auch weitere Verbesserungen: So funktioniert nun auch die Apple Fernsteuerung unter Windows. Und XP und Vista haben ihre eigene Version vom Apple Software Update bekommen. Boot Camp 1.2 beta kann kostenlos heruntergeladen und ausprobiert werden und soll als fertiges Produkt in Apples nächstem Betriebssystem Mac OS X Leopard integriert sein.

Aber nicht nur OS X rückt näher an Vista heran, auch Vista sieht sich zum Kuschelkurs gezwungen. Nicht länger sollen iPods unter Vista leiden. Wer bislang einen an den Rechner angeschlossenen iPod softwareseitig mit "Hardware sicher entfernen" ausstöpseln wollte, konnte Daten auf dem iPod beschädigen. Auch gab es eine Reihe anderer Probleme. Apple reagiert zunächst mit einem kleinen Tool, dann mit einem iTunes-Update – das behob aber nicht alle Probleme. Jetzt hatte Microsoft laut Macwelt ein Einsehen und endlich einen Patch veröffentlicht, der Abhilfe schafft. Allein: Das gilt nur für die 32-Bit-Version von Vista. 64-Bit-User sollten noch immer nicht mit ihrem iPod an den Computer gehen.

Danke, Webcam: Gesicht als Passwort

Eine kanadische Firma hat am Mittwoch eine Kamera vorgestellt, die sowohl als Webcam als auch als Türsteher funktioniert. Dank Infrarotlicht soll sie Gesichter dreidimensional abtasten und eindeutig zuordnen können. Nur wen die Kamera erkennt, den lässt sie auch in den Computer.

Im Gegensatz zum typischen Clubtürsteher, der einen abhängig von der Begleitung und Bekleidung erkennt oder auch nicht, zieht die Kamera ganz objektiv 40.000 Punkte zur Identifikation heran. Laut Cnet liegen die vor allem auf der Stirn, in den Augenhöhlen und auf dem Nasenbein. Dabei soll die Gesichtserkennung so gut funktionieren, dass sie sogar eineiige Zwillinge auseinanderhalten kann und sich nicht von professionellen Masken verunsichern lässt. Und wer sich der Webcam ohne Bart vorstellt, muss sich beim nächsten Besuch nicht erst wieder rasieren. Eine Schönheitsoperation jedoch wirft das System aus der Bahn. Den stattlichen Preis von 350 Dollar rechtfertigt der Hersteller Bioscrypt damit, dass man sich nie wieder Passwörter merken müsse – und dass die Gesichtserkennung schneller und einfacher sei, als andere biometrische Verfahren.

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