Netzwelt-Ticker Britischer Staat feuert Angestellte wegen Privat-Surfen

Behörden, Ministerien und Polizeistellen in Großbritannien haben 1700 Staatsdiener entlassen und abgemahnt - die Büroarbeiter waren am Bürorechner privat im Netz unterwegs. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Angekündigter Cyber-Anschlag floppt und Hack des Jahres gekürt.


Die Mittagspause ist noch fern, der Feierabend unendlich weit weg. Wer hat in so einer Notsituation nicht schon "nur mal eben" die Privat-Mails gecheckt, ein paar neue Freundschaftsanfragen bei MySpace akzeptiert oder vor der Mittagspause noch das Flirtprofil erneuert? In Großbritannien wurde das in den vergangenen drei Jahren ein ernsthaftes Problem für viele Staatdiener, fand der "Guardian" heraus: Über 1700 Angestellte des öffentlichen Dienstes wurden in diesem Zeitraum wegen Internet- oder E-Mail-Missbrauchs gefeuert oder erhielten eine Disziplinarstrafe.

Internet-Nutzer: Surfen gegen die Langeweile ist im Büro eine schlechte Idee - das britische Justizministerium hat deshalb 30 Angestellte gefeuert
AFP

Internet-Nutzer: Surfen gegen die Langeweile ist im Büro eine schlechte Idee - das britische Justizministerium hat deshalb 30 Angestellte gefeuert

Die Zahlen stammen von 65 britischen Institutionen; ausgerechnet in Regierungsbüros wurde am härtesten gegen die Privat-Surfer vorgegangen: Im Justizministerium wurde 30 Angestellten deswegen gekündigt, im Arbeits- und Rentenministerium wurden 313 gerügt.

Arbeitgeber nehmen den bezahlten Surfurlaub während der Arbeitszeit immer ernster. Studien berichten von einem Produktivitätsverlust von über 180 Millionen Euro - täglich. An vielen Stellen wird deswegen nun mit Netz-Filtern dem Surftrieb der Arbeiter ein Riegel vorgeschoben. Freilich: So einfach darf nicht gerechnet werden. Dass Büroangestellte auch wirklich arbeiten, wenn sie nicht surfen, ist nicht belegt...

TomTom nutzt anonymes Handytracking

Der niederländische Hersteller von Navigationsgeräten TomTom will zukünftig detailliertere Verkehrsdaten liefern können. Dafür sollen "anonyme” Bewegungs- und Standortdaten von Mobiltelefonen in die Verkehrsprognose mit einbezogen werden. Wer "High Definition Traffic” einsetzt, soll bis zu fünfmal so oft neue Informationen über die aktuelle Verkehrssituation geliefert bekommen - bisher aber nur fürs niederländische Autobahnnetz und für einen großen Teil der niederländischen Straßen. Das mobile Navigationsgerät "One XL High Definition Traffic" bietet den neuen Dienst an: Kostenpunkt 399 Euro. Im Preis inbegriffen ist ein Ein-Jahres-Abo. Jedes weitere Jahr schlägt mit 9,95 Euro zu Buche.

Zu den datenschutzrechtlichen Aspekten des Handy-Trackings machte das Unternehmen bislang keine Angaben, moniert Heise zu Recht.

Cyber-Dschihadisten: Internet-Terroranschlag gescheitert

Am 11. November hätte die Bombe hochgehen sollen: Cyber-Dschihadisten, so warnte Ende Oktober die Militärseite Debkafile, kündigten eine Attacke auf das Internet an. Aber Ars Technica gibt Entwarnung: Nix passiert! Sicherheitsexperten hatten zuvor schon bezweifelt, dass so ein "elektronischer Dschihad" gegen "westliche, jüdische, israelische, muslimisch-abtrünnige und schiitische Websiten" tatsächlich eine Gefahr fürs Netz darstellen könnte. Am 5. November schrieb Johannes Ullrich vom Sans Institut, dass die Website, die zur Attacke blies, schon in der Vergangenheit mit ähnlichen Aufrufen gescheitert sei.

Sein Kollege Marcus Sachs fügte hinzu: "Die Chancen, dass eine Terroristengruppe das Internet mit Cyber-Patronen und E-Bomben terrorisieren könne, sei so klein wie die Chance, dass der Morse-Code als vorrangiges Kommunikationsmittel zurückkehre. Nicht Null, aber auch nicht viel mehr als Null."

Der Hack des Jahres

Wie hat er das bloß geschafft? Dan Egerstad, 22 Jahre jung, brach in ein globales Kommunikationsnetz ein, das zum Beispiel Botschaften zum Austausch von E-Mails verwenden. Dort entwendete er 1000 Zugangsdaten zu E-Mail-Postfächern von Mitarbeitern verschiedener Botschaften, 100 davon veröffentlichte er in seinem Blog und behauptete dann auch noch dreist: "Ich habe das Gesetz nicht gebrochen." Der "Sydney Morning Herald" ging jetzt der Geschichte nach - und erklärt zusammen mit Egerstad, wie einfach es war, an die Zugangsdaten zu gelangen. Für den "Sydney Morning Herald" ganz klar der Hack des Jahres 2007.

Netz, Blogs und Rock 'n' Roll

Radiohead veröffentlichen ein Album zuerst im Netz, ein erfolgreicher Musiker ruft zum Raubkopieren auf und die erfolgreiche und riesige Tausch-Plattform Oink.cd geht nach einer Polizeirazzia aus dem Netz: Die Diskussion um Internet und Musik wurde in den letzten Wochen vor allem über die Aspekte Piraterie und Filesharing geführt. Dabei fiel das eigentlich revolutionäre Potential der Musikdienste wie Last.fm oder Pandora unter den Tisch. Das könnte mit der Veröffentlichung von "Net, Blogs and Rock 'n' Roll” des britischen Psychologen David Jennings ein Ende finden. Die ORF Futurezone sprach mit dem Autor über "die Auswirkungen des digitalen Entdeckens von Musik auf das Musikgeschäft". Sehr interessant!

Musik nach Ihren Wünschen

Andrew ist Hobbymusiker, Blogger und verrückt genug, die ganze Welt aufzufordern, ihm Song-Rezepte zu schicken: "Ich mache Musik nach eurer Anleitung." Die Song-Wünsche sind wild, seine Kleinode super. Ein Lied über einen traurigen Toaster aus Glas wünschte sich da einer, einen Fanrap zur Tetris-Melodie ein anderer.

Wem das nicht verrückt genug ist, könnte sein Glück beim "Keltischen Techno Burrito" finden: "Ich finde, du solltest einen Song über einen Mann schreiben, der einen Burrito bestellt und von dessen Größe extrem eingeschüchtert ist. Die Musik sollte keltischer Techno oder jede andere Mischung zweier Genres sein, die man niemals zusammen einen Burrito essen sähe." Und Andrew schreibt und veröffentlicht und beweist: Das klappt super. Selbst wenn es um einen schmierigen Popsong um menschenfressende Schnecken geht...

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