Netzwelt-Ticker Britisches Verteidigungsministerium warnt vor Facebook Places

Todesgefahr durch Facebook Places befürchten britische Militärs für ihre Schutzbefohlenen, Electronic Arts tauft die Taliban um und Störerhaftung vermiest Internetcafés das Geschäft. Das und mehr im Überblick.

Facebook Places: Bald auch in Deutschland?

Facebook Places: Bald auch in Deutschland?


Mal kurz mit der Zigarette vor die Tür, das kann in Kriegszonen schnell zum tödlichen Abenteuer werden. Denn feindliche Scharfschützen könnten die Zigarettenglut zum genauen Zielen benutzen. Doch auch modernere Mittel zur genauen Lokalisierung von Menschen können sich unter Umständen zu tödlichen Fallen entwickeln. Facebooks Geolokationsdienst Places ist so eine potentielle Gefahr, zumindest ist das britische Verteidigungsministerium davon überzeugt.

Der jüngst auch in Großbritannien online gegangene Dienst hält Facebook-Freunde stets über den jeweiligen Standort des Nutzers auf dem Laufenden. Wer bei seinen Privatsphäreeinstellungen schlampt, lebt allerdings gefährlich. Nicht nur Langfinger freuen sich, wenn sie Statusmitteilungen zum einträglichen und ungefährlichen Fischzug nutzen können. Für Militärangehörige könnte die Sache sogar lebensgefährlich werden, wenn Angreifer sich über den Aufenthaltsort ihrer Gegner informieren. In Afghanistan oder anderen Orten, an denen britische Soldaten stationiert seien, gebe es durch Facebook-Missbrauch eine reale terroristische Gefahr. Weshalb das Verteidigungsministerium nun Tipps erteilt, wie der unerwünschte Service wieder abgeschaltet werden kann.

Ganz so riskant dürfte Facebook Places für deutsche Normalnutzer wohl nicht werden - auch wenn die Vorstellung, jederzeit lokalisierbar zu sein, für den einen oder anderen doch eher Schreckensvision als Fortschrittsversprechen sein dürfte. In Kürze wird der Dienst wohl auch in Deutschland verfügbar sein, das jedenfalls kündigt Facebook an, wenn man versucht, ihn hierzulande zu aktivieren.

"Medal of Honor" jetzt ohne Taliban

Mit einem ziemlich realistischen Detail hatte sich Spielehersteller Electronic Arts (EA) vor Monatsfrist den Zorn des amerikanischen Militärs zugezogen: In der neuesten Inkarnation des Ballerspiels "Medal of Honor" traten als böse Gegner auch furchterregende Taliban auf. Und zwar nicht nur als computergesteuerte Zielscheiben, sondern auch im Multiplayer-Modus, gespielt von anderen, echten Spielern. Das war den Verantwortlichen im Pentagon dann doch zu lebensnah, also verbannten sie das Spiel aus ihren Gameshops auf Armeegelände.

Jetzt gab EA nach und benannte die in einem afghanischen Szenario angesiedelten Aufständischen um. Die heißen ab sofort schön bürokratisch "Opfor", was für "opposing forces", "gegnerische Kräfte" steht.

Das die zuvor Taliban hießen hatte auch Angehörige von im Einsatz gefallenen Soldaten empört. Neben amerikanischen Stellen hatten britische Politiker gegen die Spielerweiterung protestiert. So hatte der britische Verteidigungsminister erklärt, er sei "angewidert und zornig" über das "geschmacklose Produkt".

EA begegnete der patriotischen Kritik nun mit viel Pathos: "Aus diesem Grund und weil der Kern von 'Medal of Honor' immer auf der Verehrung für die amerikanischen Soldaten und ihre Alliierten beruhte, haben wir beschlossen, das gegnerische Team im Spiel nicht mehr Taliban zu nennen", zitiert der "Sydney Morning Herald" den zuständigen Chefproduzenten Greg Goodrich.

Ballerspiele haben es also auch in Ländern, in denen Shooter als Entertainment gelten, nicht immer leicht - die moralische Bewertung des Ballerns ist dabei abhängig davon, wer getroffen zu Boden geht. Auch in Russland gab es noch im letzten Jahr wegen eines Kriegspiels Ärger mit der Obrigkeit. Dort wurde "Call of Duty: Modern Warfare 2" verboten, weil russische Soldaten darin als Terroristen auftraten.

Macht Störerhaftung Internetcafés den Garaus?

Schnell auf einen Kaffee und die E-Mails checken, mit diesem Zusatz-Schmankerl hübschen Kaffeeketten wie Starbucks ihr Angebot schon seit längerem auf. Damit könnte es bald ein Ende haben, seit der Bundesgerichtshof im Mai 2010 ein Grundsatzurteil zur Störerhaftung verkündete. Wenn Dritte sich über eine ungesicherte W-Lan Zugang zu urheberrechtlich geschütztem Material verschaffen, kann der Zugangs-Betreiber dafür in Regress genommen werden, so die Quintessenz des allerhöchsten Richterspruchs.

Das hat die Düsseldorfer Kaffeesiederkette Woyton jetzt bewogen, in ihren Filialen den W-Lan-Zugang komplett abzuschalten. Diese Entscheidung wurde offenbar durch unrechtmäßige Downloads befördert, wie "RP Online" berichtet. Woraufhin saftige Abmahnungen ins Haus flatterten, die auch nicht an die eigentlichen Verursacher weitergereicht werden konnten, denn das Woyton-W-Lan sei komplett offen gewesen. Anmeldedaten hätten die Nutzer nicht verwenden müssen. Genau dazu aber rät die Polizei, zumindest die E-Mail-Adressen der Kunden sollten zur Identifizierung verlangt werden. In Hotels sei das mittlerweile schon Standard.

Leichen und Pinguine auf Google Street View

Etwas ungewohnt sind die neuesten Inhalte, die Googles Straßenfotodienst Street View beinhaltet. Letzte Woche wurde der Service auch für Brasilien freigeschaltet. Was die Betrachter dort mancherorts zu sehen bekamen, war allerdings wenig erfreulich. Binnen kurzem entdeckten Nutzer zwei Leichen auf den Abbildungen. Da hilft dann auch die Verpixelung von Gesichtern nicht mehr weiter, wie "Cnet" meldet. Zukünftig sollten die Street-View-Macher ein bisschen genauer auf das zur Veröffentlichung vorgesehene Material sehen. Zumal dann, wenn die Motive in Gegenden mit bekannt hoher Kriminalität entstanden sind.

Andernorten geht es friedlicher zu, dafür aber auch kälter. Wie der Suchmaschinist ankündigte, werden nun auch Bilder aus der Antarktis in das Fotomaterial aufgenommen, allerdings handelt es sich hier derzeit noch um einen Notbehelf. Bislang gibt es nur Nutzerfotos und Landschaftspanoramen aus dem eisigen Süden zu sehen. Womit auch für Pinguine das Ende der Privatsphäre gekommen ist.

Zockergold für Südkorea

Auch für Computergamer gibt es eine Art Olympische Spiele, die World Cyber Games. Obwohl in Los Angeles ausgetragen, wurden sie von südkoreanischen Zockern dominiert. Bei der zehnten Auflage der Spiele konnte das asiatische Land am Wochenende vier Goldmedaillen für sich gewinnen. Die Sieger waren dabei gegen eine Konkurrenz von 400 Spielern aus 58 Ländern angetreten. Schon zuvor hatten südkoreanische Gamer die Endausscheidungen im chinesischen Chengdu und in Köln klar beherrscht.

AFP

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