Netzwelt-Ticker Chinesische Polizisten schlagen Blogger tot

Er starb, weil ihn Polizisten erwischten, wie er sie beim Prügeln filmte: In China sorgt der Tod des Bloggers Wei Wenhua für Empörung. Außerdem: Computerarbeit beschert Optikern Auftragsboom, Funkchips für britische Häftlinge, Aus für die RIAA? Das und mehr im Überblick.


Wie "Reporter ohne Grenzen" berichten, wurde vergangene Woche in China ein Blogger von der für ihre brutalen Einsätze berüchtigten "Chengguan", der örtlichen Lokalpolizei, totgeprügelt. Das Opfer, Wei Wenhua, war dabei bemerkt worden, wie er den Einsatz der Polizisten gegen Demonstranten mit seiner Handykamera gefilmt hatte.

Regierungskritiker: Demonstranten erinnern in Hongkong an die Toten der chinesischen Demokratiebewegung von 1989
REUTERS

Regierungskritiker: Demonstranten erinnern in Hongkong an die Toten der chinesischen Demokratiebewegung von 1989

Daraufhin schlugen mehrere der Polizisten, die Dorfbewohner am Protest gegen die weitere Verschmutzung ihrer Gegend durch Müll hinderten, auf den Mann ein. Wei wurde dabei so schwer verletzt, dass er noch auf dem Weg ins Krankenhaus starb.

Später fand sich auch das Handy des Mannes wieder an, allerdings waren sämtliche Aufnahmen darauf gelöscht. In einer Pressekonferenz bestätigte ein lokaler Bezirksbeamter die Vorgänge und verwies darauf, dass insgesamt 24 Mitglieder der "Chengguan" verhaftet worden seien. In der Vergangenheit waren die Einheiten schon häufiger im Zusammenhang mit gewaltsamen und tödlichen Einsätzen gegenüber Demonstranten aufgefallen.

Brillenboom durch Computerarbeit

"Geh doch mal raus und spiel Fußball!", mahnen besorgte Mütter ihre computerverliebten Kinder in der Annahme, die stundenlange Herumsitzerei könnte krank machen. Wie recht sie damit haben, wurde durch eine Bemerkung eines Vertreters der optischen Industrie deutlich. Peter Frankenstein vom Spectaris-Verband meinte während der Optikmesse Opti '08 in München, da immer mehr Menschen immer längere Zeit vorm Rechner verbringen, werde die Zahl der Brillenträger weiter ansteigen.

Nicht nur die dauernde Arbeit am Computerschirm, auch das weitverbreitete Tippen und Verschicken von SMS geht auf die Augen. Wie genau, wird derzeit genauer erforscht. Bislang hatten Wissenschaftler angenommen, konzentrierte Arbeit am Bildschirm habe ähnlich wie intensives Lesen von Büchern oder Zeitungen keine negativen Auswirkungen.

Telearbeit macht Büroarbeiter angeblich krank

Jahrelang wurden alle Anstrengungen unternommen, um den Abbau von Arbeitsplätzen in Unternehmen verträglich zu gestalten. Nicht selten sprangen dabei neugeschaffene Stellen heraus, bei denen die Arbeit von zu Hause am heimischen Rechner aus erledigt werden kann, was auch noch zusätzlich bequem ist.

Allerdings nicht für jene, die weiterhin im Büro sitzen. Wie das Rensselaer Polytechnic Institute in New York in einer Untersuchung feststellte, sinkt die Zufriedenheit von Firmenmitarbeitern drastisch, wenn eine bestimmte Anzahl ihrer Kollegen zur Telearbeit wechselt. Die Arbeitsmoral sinkt, der Stress steigt, gegenteilige Effekte im Vergleich zu Heimarbeitern.

E-Mail-Adresse geklaut - Hausdurchsuchung

Internetsurfer sollten ein bisschen mehr Aufmerksamkeit darauf verwenden, wer möglicherweise die eigene E-Mail-Adresse klaut und missbraucht. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter weist in seinem "law blog" auf einen Mann hin, dessen E-Mail-Adresse von einem Betrüger für nicht bezahlte Internetdienstleistungen missbraucht wurde.

Eines Morgens stand die Polizei in der Wohnung des Mannes, wegen Verdachts auf Computerbetrug beschlagnahmten die Beamten seinen Rechner. Nachdem er Akteneinsicht nehmen konnte, stellte er fest, dass die einzige Spur, die zu ihm führte, seine E-Mail-Adresse war. Weder nutzte er denselben Internetprovider, der bei den Betrügereien verwendet wurde, noch gab es irgendwelche Übereinstimmungen der IP-Adresse.

Interessant die Nachbemerkung, mit welcher der Mann vom Blog zitiert wird: "Der Polizist hat sich sehr darüber gewundert, dass allein aufgrund der Nennung meiner Adresse ein Durchsuchungsbeschluss angeordnet wurde." Was einige Fragen in Bezug auf die Internetkompetenz der veranlassenden Staatsanwälte aufwirft.

RFID-Chips für britische Knackis

Britische Knäste stehen vor denselben Problemen wie Gefängnisse in vielen anderen Ländern auch: Sie sind überfüllt. Also muss Platz geschaffen werden, am besten dadurch, dass zumindest die weniger schlimmen Straftäter auf freien Fuß gesetzt werden, dabei aber unter Überwachung bleiben, zum Beispiel durch elektronische Fußfesseln. Jetzt existieren Regierungspläne, den Delinquenten alternativ RFID-Chips unter die Haut zu pflanzen, ähnlich Hunden, die ein maschinenlesbares Speicherplättchen auf die gleiche Art erhalten, um sie später wieder leichter auffinden zu können.

Diese Technologie sei wesentlich sicherer und auch nicht so aufwendig wie Fußfesseln, argumentieren Befürworter im Justizministerium. Was bisher zur Ortung von Haustieren, Vieh und Fluggepäck benutzt wird, könnte demnächst zum Beispiel für Sexualstraftäter, über deren Aufenthaltsort die Behörden zu jedem Zeitpunkt informiert sein möchten, nach Verbüßung ihrer Strafe Verwendung finden. Bürgerrechtler und Bewährungshelfer sind nicht so glücklich über die Regierungspläne, die zunächst auf freiwilliger Basis umgesetzt werden sollen. Sie befürchten eine weitere Aushöhlung des Rechtes auf Privatsphäre, zumal dann, wenn solche Maßnahmen ausgeweitet und zur Vorschrift werden.

Musiklobby vor dem Ende?

Beim guten, alten Plattenlabel EMI ist seit dem Erwerb durch einen Investor ein strikter Sparkurs angesagt, und so wurde folgerichtig zum 31. März 2008 die Mitgliedschaft im internationalen Musiklobby-Verband IFPI gekündigt. Was bedeutet, dass für das amerikanische Pendant RIAA demnächst das Sterbeglöckchen läuten könnte, denn derzeit wird heftig über eine Fusion mit der IFPI nachgedacht. Was auch immer dabei herauskommt, es könnte zur Aufweichung der bislang ziemlich beinharten Linie der RIAA in Fragen des Urheberrechts und der Raubkopien führen, da die IFPI-Verantwortlichen stets die verschiedenartigen Regeln in den jeweiligen Mitgliedsländern mitbedenken müssen.

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