Netzwelt-Ticker Computerfehler legt Niedersachsens Polizei lahm

Zwei Tage lang konnten Niedersachsens Polizisten kein Knöllchen schreiben, I-Dötzchen lernen mit dem iPad und der US-Senat macht TV-Reklame endlich leise. Das und mehr im Überblick.

Polizei-PC-Alarm in Niedersachsen: Zwangspause für die Knöllchenverarbeitung
DDP

Polizei-PC-Alarm in Niedersachsen: Zwangspause für die Knöllchenverarbeitung


Von Sicherheit sollten sie eigentlich mehr wissen als alle anderen: Jeden Tag geben Polizisten Tipps und Ratschläge, wie Hausbesitzer und Mieter ihre Fenster und Türen gegen Einbrecher sichern können. Im Online-Bereich scheint da allerdings noch einiger Nachholbedarf zu bestehen. Am Sonntag trat eine Computerpanne bei den landeseigenen Servern auf.

Auf denen läuft sonst auch Nivadis, das Niedersächsische Vorgangsbearbeitungs-, Analyse-, Dokumentations- und Informationssystem. Doch zwei Tage lang hatten die Beamten, wenn überhaupt, nur eingeschränkten Zugriff auf ihr Verwaltungssystem, mit dem auch Straftaten erfasst und verarbeitet werden. Der Streifendienst und die Aufnahme von Unfällen und Straftaten vor Ort waren nicht betroffen, die nachfolgenden Abschlussberichte schon.

Bis zum Dienstagvormittag mussten sie liegenbleiben. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde die Quelle des Übels entdeckt und beseitigt, der Ausfall eines Speichersystems, wie "Heise" berichtet.

Nicht berichtet wurde, ob und inwieweit das Polizeikommissariat in Lüchow von der Panne betroffen war. Dort ist die Polizei nämlich gerade damit beschäftigt, Atomkraftgegner erkennungsdienstlich zu behandeln. Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtet, wurden dafür auch unbescholtene Bürger vorgeladen, die noch nie für eine Straftat verurteilt worden sind. Trotzdem erging auch an sie die Aufforderung zur verdachtslosen Speicherung ihrer Daten.

Und die beschränken sich keineswegs auf Fingerabdrücke, die Polizei sei auch an Abdrücken von Handflächen und Handkanten interessiert. Und noch mehr: "Mehrere Fotos sollen aufgenommen werden. Außerdem steht die 'Feststellung äußerer körperlicher Merkmale' auf dem Programm: Etwaige Narben oder Tätowierungen will die Polizei fotografieren und vermessen."

Passwort verweigert: 16 Wochen Haft

Seit zehn Jahren erlaubt ein britisches Gesetz zur Telekommunikationsüberwachung den Behörden, Verdächtige bis zu einem Jahr zu inhaftieren, sollten sie sich weigern, ihr Computer-Passwort herauszugeben. Nun ist es erstmalig zur Anwendung gelangt.

Betroffen ist ein 19-Jähriger aus Liverpool, gegen den die Polizei seit Mai 2009 wegen des Verdachts auf Kinderpornografie ermittelt. Im Zuge dieser Ermittlungen beschlagnahmte sie auch den Rechner des Verdächtigen, die Daten blieben für die Beamten allerdings unlesbar. Denn ihr Besitzer hatte sie mit einem 50-Zeichen-Passwort verschlüsselt, seine Herausgabe verweigerte er.

Nun wurde er zu einer 16-wöchigen Haftstrafe verurteilt. In dieser Zeit können sich die Polizisten weiter mühen, das Passwort zu knacken, was allerdings schwierig werden dürfte. Mehr Erfolg verspricht sich die Polizei von dem Signal, das die Inhaftierung des Verdächtigen nach ihrer Meinung gibt: "Das sendet eine eindeutige Botschaft an die, die versuchen, ihre kriminellen Online-Machenschaften zu verbergen. Dass sie nämlich vor Gericht landen und im schlimmsten Fall, so wie jetzt, eine Haftstrafe kassieren", so ein Beamter zur BBC.

IPads für I-Dötzchen

Im österreichischen Burgenland geht das Unterrichtsministerium mit großen Schritten in die Zukunft. An zwei Schulen wurden jetzt iPad-Klassen eingerichtet. Statt Heft und Stift werden die Erstklässler nun ein Jahr lang mit den vielseitigen Tablet-Rechnern lesen und schreiben lernen.

Das Ganze ist ein von der Pädagogischen Hochschule Burgenland angestoßenes Forschungsprojekt. Die Wissenschaftler möchten herausfinden, welche elektronischen Lerninhalte es überhaupt gibt und welche Standards dafür festzulegen sind.

Ein ganz konkreter Nutzen des mit 37.000 Euro Kostenaufwand maßvoll teuren Versuchs steht schon jetzt fest. Durch das Abspeichern von Lehrbüchern auf den Plattrechnern müssten die Schüler keine schweren Schultaschen mehr schleppen, angefüllt mit Schulbüchern und Atlanten. Vor allem erhoffen sich die Pädagogen eine schnellere und leichtere Vermittlung des Schulstoffs. Dessen Verknüpfung mit Multimedia-Inhalten und dem Internet ermögliche es, gleichzeitig verschiedene Lerntypen unter den Schülern anzusprechen. Das interaktive Gerät könne den Unterricht wesentlich verbessern, so die Projektverantwortlichen zum ORF.

US-Senat gegen zu laute TV-Reklame

Wer kennt das nicht? Als ob die ständigen Werbepausen beim Fernsehgenuss nicht schon lästig genug wären, strapaziert die plötzlich erhöhte Lautstärke die Nerven noch zusätzlich. In den USA hat sich jetzt sogar der amerikanische Senat mit diesem Problem beschäftigt, obwohl es hier kaum um ein neuartiges Phänomen geht.

"Tech Blorge" weist darauf hin, dass schon in den fünfziger Jahren Beschwerden wegen überlauter TV-Reklame in Fernsehzeitschriften erschienen. Der US-Senat jedenfalls hat jetzt in seltener Einmütigkeit einen Beschluss verabschiedet. Der gibt den von der TV-Industrie entwickelten Mittelwerten jetzt Gesetzeskraft, aufgrund derer die Regulierungsbehörde FCC im Verlauf des kommenden Jahres die entsprechenden Verordnungen erlassen soll. Da auch das Repräsentantenhaus, die andere US-Parlamentskammer, mit dem sogenannten Lautstärkeabschwächungsgesetz eine gleichlautende Verordnung erlassen hat, bestehen nun gute Aussichten, das Problem nach einem halben Jahrhundert endlich zu lösen.

Der Vorteil: Der Fernseher hört auf, seine Nutzer in Werbepausen regelrecht anzubrüllen. Der Nachteil: man hört in der Küche nicht mehr, wenn die Werbepause vorbei ist und das Programm weitergeht.

Auch das noch:



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schmarrnsepp 06.10.2010
1. Seit zehn Jahren erlaubt...
...ein britisches Gesetz zur Telekommunikationsüberwachung... & »Nun ist es erstmalig zur Anwendung gelangt«. Das ist absoluter Dummfug, werter Richard Meusers. Dieses Gesetz namens »Regulation of Investigatory Powers Act« gilt erstens seit dem 2007, und zweitens gab es bereits 2009 mehrere Verurteilungen diesbezüglich. Kennen Sie eigentlich Google? Oder die englische Polizeikontrollbehörde? Sie lesen hin & wieder ein PDF? Ah, dacht' ich 's doch.
Emmi 06.10.2010
2. "i-Dötzchen"
"i-Dötzchen" - Wage zu bezweifeln, dass die Ösis ihre Schulanfänger so nennen. Dieser Begriff ist auch nur in ((nord)westlichen) Teilen Deutschlands verbreitet und seine selbstverständliche Verwendung zeugt von der Arroganz des Schreibers (Wer SPON liest, muss ja ein Wessi sein!)
kopi07, 06.10.2010
3. zu US-Senat gegen zu laute TV-Reklame
Wäre ja schön, wenn sich deutsche TV-Sender mal daran ein Beispiel nehmen würden. Es wird ja selten genug was vernünftiges in Amiland verabschiedet ;-)
Richard Meusers 06.10.2010
4. Ripa...
Zitat von schmarrnsepp...ein britisches Gesetz zur Telekommunikationsüberwachung... & »Nun ist es erstmalig zur Anwendung gelangt«. Das ist absoluter Dummfug, werter Richard Meusers. Dieses Gesetz namens »Regulation of Investigatory Powers Act« gilt erstens seit dem 2007, und zweitens gab es bereits 2009 mehrere Verurteilungen diesbezüglich. Kennen Sie eigentlich Google? Oder die englische Polizeikontrollbehörde? Sie lesen hin & wieder ein PDF? Ah, dacht' ich 's doch.
...wurde am 26. Juli 2000 vom britischen Parlament verabschiedet und durchlief seither mehrere Novellierungen. Ob Sie diese Frage nicht zuerst an sich selbst richten möchten?
Realo, 06.10.2010
5. Krank !
Unbescholtene Bürger vorladen und erfassen. 16 Monate Gefängnis weil man sein Password nicht rausrückt. Arme kranke Welt !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.