Netzwelt-Ticker "Curiosity"-Software, iCloud-Hack, Demonoid gestoppt

Heute im Netzwelt-Ticker: Der Mars-Rover "Curiosity" ist auch ein Wunderwerk der Programmierkunst; Hack-Opfer Mat Honan nennt Sicherheitslücke für Apple-Nutzer mit Amazon-Konto; ukrainische Behörden haben die Filesharing-Suchmaschine Demonoid vom Netz genommen.

Mars-Rover "Curiosity" (Illustration): Software-Update aus Millionen Kilometer Abstand
DPA/Max-Planck-Institut

Mars-Rover "Curiosity" (Illustration): Software-Update aus Millionen Kilometer Abstand


Der Mars-Rover "Curiosity" ist eines der spektakulärsten Werkzeuge der Weltraumagentur Nasa und wirkt wie ein Stück wahrgewordene Science-Fiction. Doch welchen Anteil hatten Nerds und Geeks an "Curiosity"?

Offenbar einen erheblichen. Das zeigen die Informationen zum Programmieraufwand hinter dem Mars Science Laboratory (MSL), die Blogger und Raumfahrtfans zusammengetragen haben, zum Beispiel beim Programmierertreff "Stackexchange". Im MSL stecken demnach 2,5 Millionen Zeilen Programmcode, davon eine Million von 30 Entwicklern handprogrammiert. Der Rover selbst trägt einen kleinen Computer mit 200 Megahertz Chip, zwei Gigabyte Flash-, 256 MB Arbeitsspeicher (RAM) und 256 Kilobyte programmierbarem Festspeicher (ROM). Dieser Speicher, erklärte die Nasa, werde für die nun startenden Experimente mit einem neuen Programm gefüllt. Ein Software-Update aus Hunderten Millionen Kilometern Abstand.

Solche Informationen stammen aus Präsentationen und Spezifikationen, die von Raumfahrt-Ingenieuren und -Ingenieurinnen veröffentlicht wurden. Auch Amateuren bieten sie interessante Einsichten in die Arbeit hinter dem Spektakel. "Monitoring the Execution of Space Craft Flight Software" heißt eine interessante Präsentation der Rheinisch-Westfaelischen Technischen Hochschule Aachen. Eine andere "The Evolution of the Mars Science Laboratory Flight Software", hielt Benjamin Cichy, Software- und Systementwickler am Jet Propulsion Laboratory, im Rahmen der jährlichen Workshops über Raumschiff-Software 2010. Welche Coding-Richtlinien die Raumfahrt-Entwickler einzuhalten haben, zeigt ein JPL-Buch für Programmierstandards.

Wer weiter sucht, stößt auf eine große Daten- und Anekdotensammlung der Raumfahrt aus einer Hacker-Perspektive. Leseempfehlung: Wie die Mondlandung fast an einem Computerbug gescheitert wäre, erzählt vom Entwickler des Programms, und passend dazu: der Quellcode des Mondprogramms und eine Bauanleitung für den dazu passenden Apollo Guidance Computer AGC.

So gelang der iCloud-Hack

Es gibt Neuigkeiten zum gelungenen iCloud-Hack, der einen amerikanischen Journalisten Daten, mehrere Nutzeraccounts und das Vertrauen in Apple kostete: Wie Mat Honan bei "Wired" beschreibt, gelang dem Hacker der Dateneinbruch, weil er eine prinzipielle Sicherheitslücke ausnutzen konnte, die sich erst im Zusammenspiel von Apple und Amazon öffnete: Amazons automatischer Kundendienst verriet dem Hacker die letzten vier Stellen von Honans Kreditkarte. Diese wiederum akzeptierte Apple in Kombination mit einer Postadresse als Vertrauensbeweis und schickte ihm neues Passwort für iCloud zu. Auf diese Vorwürfe reagierte Apple mit dem Versprechen, die Lücke zu schließen.

Diesmal endgültig? Demonoid ist offline

Die ukrainischen Behörden haben die Filesharing-Suchmaschine Demonoid abgeschaltet, angeblich indem sie die Server der Website manuell vom Netz nahmen.

Demonoid geriet seit der Eröffnung 2003 immer wieder unter Beschuss von Urheberrechts-Verbänden. Sie drängten Server-Dienstleister des BitTorrent-Trackers zum Rauswurf der angeblich illegalen Website. Zuvor wurde Demonoid angeblich Opfer eines Überlastungsangriffs (DDoS), ob ein Zusammenhang mit dem Behördeneinsatz bestand, ist bislang nicht klar. Der Seitenbetreiber jedenfalls kündigte bereits eine Rückkehr an.

Was am Dienstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

Der Dateneinbruch bei LinkedIn Anfang Juni hat das Business-Netzwerk eine Million Dollar für Aufräum- und Analysearbeiten gekostet. Das geht aus nun veröffentlichten Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2012 hervor.

Wikipedia (WP) war am Montag weltweit für zwei Stunden offline, nachdem jemand versehentlich zwei Überlandkabel durchtrennte, die den WP-Server mit dem Internet verbanden.

So schnell wird das doch nichts mit Irans verschärften Plänen eines nationalen Internets - also eines von der Außenwelt teilweise abgeschirmten Datennetzwerks. Jetzt werden in Teheran erst einmal die Ministerien vom Netz genommen, um sie gegen Zu- und Angriffe "von ein oder zwei feindlich gesinnten Staaten" zu schützen, so Irans Kommunikationsminister Reza Taghipour.

Neue PR-Schlappe für den US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney. 15 Prozent seiner Twitter-Followerschaft sollen bezahlte Fakes sein, wollen die Sicherheitsexperten der Barracuda Labs herausgefunden haben.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
timorieth 07.08.2012
1. ---
jaja klar, ein paar Zeilen über den iCloud-hack sind dann einfach mal Apple-Werbung. Ist schon gut... Lesen Sie bitte (niemals) auf heise o.Ä Seiten. Sie werden sonst an den ganzen IT-News (upps, ich meinte Werbung) kollabieren.
sample-d 07.08.2012
2.
Wieso soll ein Beitrag über einen Angriff auf die iCloud Werbung sein ? - eher das Gegenteil oder ?!? Gehen Sie doch mal auf https://discussions.apple.com - da können Sie sich austoben - da gehts nur um Apple...^^
tenseintense 08.08.2012
3. Wait, what?
"Der Rover selbst trägt einen kleinen Computer mit 200 Megahertz Chip, zwei Gigabyte Flash-, 256 MB Arbeitsspeicher (RAM) und 256 Kilobyte programmierbarem Festspeicher (ROM)." - Soll das heißen, in dieser Mars-Mission wird ein Roboterfahrzeug eingesetzt, das weniger Arbeitsspeicher hat als mein iPhone? Oo - Das liest sich, wie die Hardwarevorraussetzung eines Computers für ein x-beliebiges Videospiel in den Neunzigern ... Damit fliegt man zum Mars?
db6017bd1f27118d44083a172 08.08.2012
4.
Zitat von tenseintense"Der Rover selbst trägt einen kleinen Computer mit 200 Megahertz Chip, zwei Gigabyte Flash-, 256 MB Arbeitsspeicher (RAM) und 256 Kilobyte programmierbarem Festspeicher (ROM)." - Soll das heißen, in dieser Mars-Mission wird ein Roboterfahrzeug eingesetzt, das weniger Arbeitsspeicher hat als mein iPhone? Oo - Das liest sich, wie die Hardwarevorraussetzung eines Computers für ein x-beliebiges Videospiel in den Neunzigern ... Damit fliegt man zum Mars?
Genau das tut man.. Es ist nämlich recht ungünstig unterwegs einen Apple-Store zwecks Reparatur anzufliegen. Also brauchts extrem zuverlässige Hardware, die auch den Umwelteinflüssen (Temperatur, Strahlung, Vakuum) standhält.
Der Meyer Klaus 08.08.2012
5.
Zitat von tenseintense"Der Rover selbst trägt einen kleinen Computer mit 200 Megahertz Chip, zwei Gigabyte Flash-, 256 MB Arbeitsspeicher (RAM) und 256 Kilobyte programmierbarem Festspeicher (ROM)." - Soll das heißen, in dieser Mars-Mission wird ein Roboterfahrzeug eingesetzt, das weniger Arbeitsspeicher hat als mein iPhone? Oo - Das liest sich, wie die Hardwarevorraussetzung eines Computers für ein x-beliebiges Videospiel in den Neunzigern ... Damit fliegt man zum Mars?
Klar. Denn wenn man weiß was ein Gerät tun soll, braucht man auch keinen Arbeitsspeicher sondern kann das alles fest verdrahten. Der meiste Speicher beim Smartphone dürfte auch voll von Bildern sein oder sonstigen Cache-Daten die eigentlich nicht benötigt werden und nur das "arbeiten" flüssiger machen. Vielseitigkeit ist das was Consumerhardware so hungrig macht.
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