Netzwelt-Ticker Das iPhone wird ein teurer Spaß

Microsoft punktet vor Gericht gegen Google, IBM rechnet jetzt im drei-Petaflop-Bereich, TorrentSpy würde eher US-Nutzer rausschmeißen, als sich der Vorratsdatenspeicherung beugen und Apple will mächtig viel Geld für iPhone-Verträge. Das und mehr im Überblick.


Google vs Microsoft: Richterin dämpft Googles Forderungen

Bekanntlich hat Microsoft in seinem neuen Betriebssystem Windows Vista eine Suchfunktion eingebettet, was den Suchmaschinenkonkurrenten Google sehr vergrätzt hat. Nur logisch, dass die Konzerne mittlerweile vor Gericht im Clinch liegen, befürchtet Google doch Wettbewerbsnachteile im Bereich der Desktopsuche. Zwar hatte Microsoft schon einige Zugeständnisse gemacht, aber die gingen Google nicht weit genug, der Suchmaschinenbetreiber drängte auf weitergehende Schritte. Ohne Erfolg: Nun hat die zuständige US-Bundesrichterin sich zufrieden mit den bisherigen Bemühungen der Redmonder gezeigt, der Konzern komme seinen Auflagen nach. Für eine Fortsetzung der Überwachung Microsofts durch die Kartellbehörden bestünden derzeit keine Gründe.

Service Pack 1 für Vista kommt

Zusammen mit diesen Versicherungen, bei Vista gerichtlichen Forderungen nachkommen zu wollen, hat Microsoft ein Service Pack 1 (SP1) für Vista angekündigt, das bei der Desktopsuche auch die Verwendung von Fremdprogrammen ermöglichen soll. Im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen mit Google wurde jetzt auch der genaue Erscheinungstermin bekannt gegeben, und zwar der 12. November.

An diesem Tag (an dem auch die ursprüngliche Überwachungsfrist durch die Behörden endet) soll eine Betaversion mit umfangreichen Änderungen herauskommen, wie winfuture meldet. Und wie weiter oben berichtet, scheint Microsoft so mit seinen Plänen durchzukommen, den lästigen Zusatzkontrollen durch die Wettbewerbshüter ein Ende zu machen. Wann allerdings die Endversion des SP1 veröffentlicht werden soll, ist noch nicht bekannt.

IBM überschreitet die Petaflop-Grenze

IBM baut Supercomputer. So war das schon vor Jahrzehnten, und daran hat sich offensichtlich nichts geändert. Gestern hat Big Blue seinen neuen Supercomputer Blue Gene/P vorgestellt, der eine Rechengeschwindigkeit von durchschnittlich einem, in der Spitze bis zu drei Petaflop erreichen soll, das sind drei Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde.

Damit bricht der Rechengigant, der 100.000 Mal schneller als ein handelsüblicher PC ist, den Rekord seines Vorgängermodells Blue Gene/L, der sich erst im November letzten Jahres mit 280 Teraflop an die Spitze der Schnellrechner setzen konnte.

Natürlich darf man sich unter dem Supercomputer kein lastwagengroßes Elektronikmonster vorstellen. Wie in dieser Liga inzwischen üblich, wird er aus einzelnen Racks zusammengesetzt. Blue Gene/P besteht aus deren 32, die ihrerseits mit jeweils 32 PowerPC-450-Prozessoren ausgerüstet wurden. Das Modell soll allerdings nicht angestaunt, sondern zu Forschungszwecken eingesetzt werden. Geplante Einsatzorte sind das Kernforschungszentrum Jülich, das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching und das Argonne National Laboratory der amerikanischen Energiebehörde.

Die zehn schnellsten Supercomputer der Welt

Rang Tflops Name (Hersteller) Standort
1 280,6 BlueGene/L (IBM) USA/Lawrence Livermore National Laboratory
2 101,7 Jaguar (Cray) USA/Oak Ridge National Laboratory
3 101,4 Red Storm (Cray) USA/NNSA/Sandia National Laboratorie
4 91,2 BGW (IBM) USA/IBM Thomas J. Watson Research Center
5 82,1 New York Blue (IBM) USA/ Brookhaven National Laboratory
6 75,7 ASC Purple (IBM) USA/Lawrence Livermore National Laboratory
7 73,0 eServer Blue Gene Solution (IBM) USA/Rensselaer Polytechnic Institute, CCNI
8 62,7 Abe (Dell) USA/NCSA
9 62,6 MareNostrum (IBM) Spanien/Barcelona Supercomputing Center
10 56,5 HLRB-II (SGI) Deutschland/Leibniz Rechenzentrum

Stand: Juni 2007, Quelle: www.top500.org:

TorrentSpy filtert Raubkopien - bald auch US-User?

Das amerikanische Torrent-Verzeichnis TorrentSpy ist vergangene Woche dazu verurteilt worden, die IP-Adressen seiner User zu speichern und auf Verlangen herauszugeben, zum Beispiel bei Prozessen wegen Urheberrechtsfragen. Darüber hinaus müssen die Betreiber der Plattform auch die einzelnen Suchanfragen der Tauschbörsennutzer nach Datenmaterial speichern, die Filmindustrie erhofft sich dadurch neue Munition im Kampf gegen Raubkopien.

Nun reagiert TorrentSpy und kündigte ein neues Filtersystem an, das raubkopierte Daten erkennen und die entsprechenden Links löschen soll. Das Programm mit dem Namen FileRights wurde von TorrentSpy selbst entwickelt und soll autonom und vollautomatisch laufen. Allerdings haben die Betreiber der privaten Suchseite gegen die Überwachungspflicht Beschwerde eingelegt, weil die dadurch erzwungene Offenlegung der Nutzerdaten gegen die eigenen Bestimmungen zum Datenschutz verstoße.

Sollte die Forderung zur Vorratsdatenspeicherung allerdings bestehen bleiben, würde TorrentSpy eher den Zugang für Nutzer aus den USA sperren, als deren Daten zu offenbaren, zitiert CNet Ira Rothken, die Anwältin des Unternehmens. Überdies sei das System zur Erkennung raubkopierten Datenmaterials "nicht idiotensicher", so die Unternehmensjuristin.

Das iPhone wird teuer

iPhone: Fraglos chic, Apple-typisch gut in der Handhabung - aber technisch nicht außergewöhnlich und zudem teuer

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Exklusivität lässt sich auf dem Technikmarkt auf verschiedene Weise erreichen. Man kann ein prächtiges Design auf den Markt werfen, außergewöhnliche Features - oder einfach teurer sein als die anderen. Mit all diesen Ansätzen hat Apple hinreichend Erfahrung und nutzt sie offenbar auch bei der Vermarktung des ach so heiß erwarteten iPhone.

Wer das ab Freitag in den USA kaufen möchte, wird tief in die Tasche greifen müssen. Nicht genug damit, dass der Vertrag mit AT&T dem Mobilfunkanbieter verbietet, das Handy wie sonst üblich zu subventionieren. Neben den darum für das Gerät fälligen 500 bis 600 Dollar plus Steuern (Modellabhängig) muss der Käufer sich auf einen Zwei-Jahres-Vertrag einlassen und eine Anmeldung bei iTunes nachweisen. Die Verträge sind an abgestufte Flatrates für freie Gesprächsminuten ins Festnetz, kostenlose Handy-zu-Handy-Gespräche und Internet-Datenverkehr gebunden und schlagen mit Preisen zwischen 59,99 Dollar und 219,99 Dollar pro Monat zu Buche.

Die Datenflatrate kann der iPhone-Nutzer schon deshalb gut gebrauchen, weil sein Handy etwas nicht kann, was die Konkurrenz durchaus anbietet - schnelle 3G-Anbindungen zum Beispiel. Eigentlich ein Konzeptbruch, wenn man bedenkt, dass hier auch eine Verbindung zum Musik-Shop angedacht ist - und Downloads nach Bandbreite verlangen.

Unter dem Strich wird der iPhone-Spaß die Fans also mindestens rund 2000 Dollar in zwei Jahren kosten. Wer sich für das große Modell mit dicker Flatrate entscheidet, wird sogar fast 6000 Dollar los.

Auch in Deutschland laufen die Verhandlungen mit Mobilfunkbetreibern nach dem Highlander-Prinzip ("Es kann nur einen geben!"). Auch hier sickerte bereits durch, dass Apple wahrscheinlich erfolgreich versucht, die sonst üblichen Marktregeln auf den Kopf zu stellen und die Bedingungen zu diktieren. Zu erwarten sind darum auch hierzulande nicht etwa Sonderangebote, sondern sonderbare.

pat

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