Netzwelt-Ticker Datenschützer droht Staatskanzlei wegen Facebook

Facebook-Verzicht bei öffentlichen Stellen verlangt das Datenschutzzentrum in Schleswig-Holstein. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Sony verlangt Eintritt für Online-Spiele, die Breitband-Grundversorgung ist vom Tisch, und Aktivisten veröffentlichen syrische Überwachungsprotokolle.
Facebook-Chef: Mark Zuckerberg erklärt Ende September 2011, wie er die Welt vernetzt

Facebook-Chef: Mark Zuckerberg erklärt Ende September 2011, wie er die Welt vernetzt

Foto: ROBERT GALBRAITH/ REUTERS

Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert macht öffentlichen Stellen in seinem Bundesland Druck, auf Facebooks Dienste zu verzichten. Weichert kündigt an, an diesem Mittwoch Mahnbriefe an öffentliche Stellen wie die Staatskanzlei zu versenden. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) verlangt, dass die öffentlichen Stellen nicht mehr "Gefällt mir"-Buttons einbinden oder Fanseiten betreiben.

Weichert kritisiert, bei den Buttons oder Fanseiten würden auch Daten übermittelt, die nicht in der Einwilligungserklärung von Facebook aufgeführt sind. Insofern werde gegen den Datenschutz verstoßen. Auch Unternehmen sollen in diesen Tagen erneut ermahnt werden, Buttons und Fanseiten zu löschen oder zu deaktivieren. Noch in dieser Woche werde Weichert ein Gespräch in der Staatskanzlei über das Problem führen. (dpa)

Sony PS3: Kostenpflichtige Online-Pässe gegen den Gebrauchtmarkt

Spielkonsolen-Hersteller Sony leidet offenbar so unter dem Gebrauchtmarkt für Videospiele, dass das Unternehmen künftig für alle Online-Spiele 10 Euro Eintritt verlangt. Das heißt: Wer ein PS3-Spiel mit Online-Funktion kauft - egal, ob neu oder gebraucht -, muss diese für 10 Euro freischalten. Neuen Spielen dürfte dafür ein Gutschein, im Grunde nur eine Seriennummer, beiliegen - wer keinen Gutschein hat, kauft einen im PS3-Internetshop.

Sony ist natürlich in erster Linie nicht auf die 10 Euro aus, sondern darauf, die Preise für Gebrauchtspiele in die Höhe zu treiben. Wer in der Krabbelkiste ein Spiel für 10 Euro findet, für das er noch einmal 10 Euro Online-Gebühr bezahlen muss, kann gleich für 20 Euro ein neues Spiel zum Rabattpreis erwerben oder offiziell herunterladen. Für den einzelnen Spieler geht die Rechnung immer auf - aber Sony verdient daran doppelt.

Fujifilm entwickelt spiegelloses Kamerasystem

Im Frühjahr 2012 will der japanische Konzern Fujifilm ein neues Kamerasystem vorstellen, bei dem man die Objektive auswechseln kann. Die spiegellosen Systemkameras von Herstellern wie Olympus, Panasonic und Sony bringen in vergleichweise kleinen Gehäusen recht große Bildsensoren unter - diese Kameras bieten eine recht hohe Bildqualität, zumindest im Vergleich zu gängigen Kompaktkameras. Welche Objektive und welche Sensorgröße Fujifilm nutzen will, ist bislang nicht bekannt. (lis)

CNN spekuliert über Facebook-Profil von Kim Jong-Ils Enkel

Treibt sich ein Kim Han-sol, 16 Jahre alt, Nerd-Föhnwelle & Horn-Brille, Diamantohrring & Kreuz-Halsband, Schüler in einem bosnischen Internat und zu allem Überfluss Enkel des nordkoreanischen Führers Kim Jong Il bei Facebook herum? Cnn.com erhebt diese Klatschfrage zur Breaking News : "Stirnrunzeln über Onlineposts des angeblichen Enkel Kim Jong-Ils."

Anlass für diese - und viele weitere - Tratschgeschichten boten südkoreanische Blogs, die Fotos des (angeblichen!) Diktatoren-Enkels bei Facebook und Twitter aufspürten . Der Jugendliche sei nun eifrig damit beschäftigt, seine Internetspuren zu verwischen und so den Online-Spürhunden zu entkommen .

Dass (der angebliche!) Kim Han-sol nun so viel Aufmerksamkeit geschenkt bekommt, liegt nur zum Teil an seiner prominenten Herkunft. Der andere Teil ist die Klatschsucht der südkoreanischen Medien, die jedes Informationsschnipsel aus dem geheimnistuerischen nordkoreanischen Regime und seiner Vertreter begierig aufsammeln und analysieren. Kim Jong-Il treibt darüber die Verschwörungstheorien  mit seiner notorischen Mischung aus höchster Geheimhaltung und absurd banaler Bildsprache da nur an: Ein lächerlicher Diktator, was für ein Widerspruch!

Dass der Enkel des so gefürchteten wie verspotteten Diktators ein Partyleben in Bosnien lebt, passt da perfekt - zumal es sich um den (angeblichen!) Sohn des (angeblichen!) schwarzen Schafs der Familie Kim handelt: Kim Jong-nam. Der gehe mit seiner Öffentlichkeit offen um und sei beim Diktatoren-Vater in Ungnade gefallen, als er 2001 mit einem gefälschten Ausweis das japanische Disneyland besuchen wollte. Was für eine Familie!

Fotostrecke

Panasonic, Olympus & Co.: Spiegellose Systemkameras im Überblick

Breitband-Grundversorgung ist vom Tisch

Heise hat schlechte Nachrichten für vom langsamen Internet geplagte Landeier: Die Pläne der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, eine Universaldienstverpflichtung für Breitbandzugänge  einzuführen, sind offenbar vom Tisch. Eine entsprechende Entscheidung steht kurz bevor.

Das bedeutet einen Sieg für die FDP und die Breitband-Wirtschaft: Beide hatten auf eine Lösung des Netzausbau-Problems durch den Markt, statt durch staatliche Regulierung gedrängt. Dementsprechend gut gelaunt sind die Statements der Branchenverbände: Der Bundesverband Breitbandkommunikation findet den Verzicht auf einen Breitband-Universaldienst schwer in Ordnung.

"Wir begrüßen es sehr, wenn die Koalition hier einen klaren ordnungspolitischen Kurs fährt und sich die Fachpolitiker letztlich den dringenden Argumenten der gesamten Branche gegen einen Breitband-Universaldienst nicht verschließen", so Breko-Präsident Ralf Kleint in einer Pressemeldung . "Gerade die vielen regionalen Netzbetreiber, die bei einem Universaldienst ausgebootet worden wären, haben dieses Vertrauen verdient und werden es auch in Zukunft rechtfertigen."

Was am Mittwoch sonst noch in der Netzwelt wichtig war

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