Netzwelt-Ticker Deutschlands Supercomputer sind Top

Zwei der weltweit schnellsten Großrechner stehen in Deutschland, die neugierige Stadtverwaltung von Bozeman, Montana entschuldigt sich, und im Atlantik werden die Unterseekabel knapp. Das und mehr im Überblick.


Sowas tut in den Zeiten der Finanzkrise doch mal richtig gut: Was superschnelle Großrechner angeht, gehört Deutschland zur Weltspitze. Unter den fixen Riesencomputern steht der weltweit drittschnellste im Forschungszentrum Jülich. Dort haben die Forscher im Mai den Supercomputer Jugene in Betrieb genommen, der mit knapp 300.000 CPU-Kernen eine Rechnerleistung von 825,5 Teraflops, also 825,5 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde, erreicht.

Auf Platz eins und zwei der Weltrangliste liegen weiterhin zwei Großrechner aus den USA. Platzhirsch ist der von IBM konstruierte Roadrunner im Los Alamos National Laboratory, der mit 129.000 CPU-Kernen eine Leistung von 1105 Teraflops erreicht. Von den zehn schnellsten Computern der Welt stehen die meisten in den USA, doch auch der zweite Nichtamerikaner in den Top-10 steht in Jülich. Der von Sun errichtete Juropa bringt es mit gut 26.000 CPU-Kernen auf immer noch 274,80 Teraflops.

Die Spitzenleistungen im Schnellrechnen gibt es allerdings nicht kostenlos. Der Stromverbrauch ist immens. Jülichs Jugene etwa schluckt 2268 Kilowatt, der Roadrunner gar 2483,47 Kilowatt. Ebenso schnell wie die Systeme selbst ist ihre Entwicklung. Der langsamste in der aktuellen Liste der 500 schnellsten Rechner hätte es vor nur sechs Monaten noch auf Platz 274 geschafft, wie "Golem" anmerkt.

Bozeman sagt sorry

Das gab Ärger: Die amerikanische Provinzstadt Bozeman in Montana verlangte von Bewerbern für Jobs in der Stadtverwaltung deren Passwörter für Webdienste aller Art. So sollten die Kandidaten mit Hilfe ihrer Profile bei Facebook und Co. auf ihre Eignung hin überprüft werden. Die Geschichte wurde publik, und ein Sturm der Empörung brach los.

Davon ließen sich die städtischen Verantwortlichen offensichtlich beeindrucken. Nicht nur, dass die entsprechenden Anforderungen an Jobsuchende ersatzlos gestrichen wurden, Bozemans Verwaltungschef entschuldigte sich in aller Öffentlichkeit: "Wir nehmen die Sorgen vieler Bürger sehr ernst, was dieses Thema angeht und entschuldigen uns für die negativen Auswirkungen, die diese Angelegenheit auf die Stadt gehabt hat", zitiert "Ars Technica".

Na gut, die Stadt entschuldigt sich nicht bei den Betroffenen, sondern bei sich selbst. Aber immerhin habe man das bisherige Überprüfungsprozedere schon vergangenen Freitag außer Kraft gesetzt. Derzeit sei man dabei, innerhalb eines Monats ein angemesseneres Bewerbungsverfahren zu entwickeln. Und überhaupt, kein einziger Bewerber sei ausgeschlossen worden, wenn er die Herausgabe der geforderten Passwörter verweigert habe.

Datenleitung im Atlantik könnte bald eng werden

Die Marktforscher von Telegeography haben tief ins Wasser geblickt und wenig Erfreuliches gefunden: Die unterseeischen Kabel zwischen Europa und Amerika sind gewissermaßen zu dünn. Die Kapazität der insgesamt sechs erst zwischen 2000 und 2003 verlegten Datenkabel könnte bereits in fünf Jahren ausgeschöpft sein.

Der Grund ist das kontinuierliche Wachstum des Bandbreitenbedarfs, der auch zukünftig jährlich um etwa 33 Prozent ansteigen dürfte, so die Forscher. Bei dieser Vorgabe wäre die transatlantische Kapazität von 40 Terabit pro Sekunde im Jahr 2014 erreicht. Derzeit steht noch in den Sternen, wer sich beim weiteren Ausbau der Kabelverbindungen engagieren wird. Denn in der Branche hat man sich zu Anfang des Jahrzehnts ordentlich die Finger verbrannt, als nach der Schaffung massiver Überkapazitäten die Durchleitungsgebühren ins Bodenlose fielen - und mit ihnen einige Unternehmen.

Die derzeitigen Preise, die bei monatlich 14.000 Dollar für 10 Gigabit pro Sekunde liegen, reichen so gerade, um die bestehende Infrastruktur am Laufen zu halten, Ausbauprojekte lassen sich damit allerdings nicht finanzieren. Was bedeutet, dass ein baldiger Preisanstieg aufgrund immer knapper werdender Durchleitungsressourcen durchaus im Interesse der Kabelbesitzer liegen dürfte.

Wie Windows 7 auch auf einem Pentium II läuft

Da ist es doch klug, sich mit dem zu begnügen, was vorhanden ist, und auch aus unzureichenden Bedingungen noch das Beste herauszuholen. Wie weit man damit kommt, zeigen die Bemühungen einiger Computerfreaks, die Mindestanforderungen für Microsofts neues Betriebssystem Windows 7 möglichst weit zu drücken. Das neue Flaggschiff aus Redmond ist ohnehin dafür bekannt, längst nicht so ressourcenfressend zu sein wie noch sein Vorgänger Vista.

Die Untergrenze beim Low-End-Setup für Windows 7 fand ein Bastler, der das Programm auf einem PC mit einem 266 MHz schnellen Pentium-II-Prozessor zum Laufen brachte. Dazu reichten bereits 96 MB Arbeitsspeicher, Versuche, mit nur 64 MB den Rechner zu starten , scheiterten.

Für Otto Normalverbraucher sind derlei Schrauberkünste jedoch nicht zur Nachahmung empfohlen, es sei denn, er hat viel, sehr viel Zeit. Schon die Installation von Windows 7 auf einem Pentium-III-Rechner benötigt sagenhafte 17 Stunden, der Neustart und das Hochfahren dauern über eine Viertelstunde. Da kann sich jeder ausmalen, wie viel mehr Zeit da erst auf einem Pentium II vergehen würde.

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