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14. Januar 2010, 17:18 Uhr

Netzwelt-Ticker

Dialer-Attacke auf Mobiltelefone

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Die tot geglaubte Internetpest der Neunziger ist zurück: Dialer versenden - diesmal per Handy - heimlich teure SMS. Außerdem: Bündnis gegen E-Buch-Monopole, Telefonnummer fürs Internet und wie eine japanische Firma die Klebebandabrollerklinge neu erfindet. Das und mehr im Überblick.

Freude, schöner Götterfunken. Die längst tot geglaubte Pest der Neunzigerjahren ist zurück: Dialer! Damals waren das Internet-Schadprogramme, die zu Zeiten, als man sich noch per Modem oder ISDN ins Netz einwählte, hinter dem Rücken des Users teure Premium-Telefonnummern anriefen, deren Gebühren dann dem Dialer-Entwickler überwiesen wurden. Mit dem Aufkommen der DSL-Technik, die Einwahlnummern obsolet machte, verschwanden diese kriminellen "Mehrwertdienste".

Warum die nun zurückkehren? The Register meint: Wegen der großen Nachfrage. Die neuen Dialer-Trojaner, die CA Security ausfindig gemacht hat, nisten sich nicht mehr in Computern mit Modemverbindung, sondern in Mobiltelefonen ein. Von dort aus rufen sie nicht etwa Premiumnummern an, sondern verschicken heimlich Textnachrichten an teure Premium-SMS-Dienste, meist Sex-Dienste. CA Security warnt: Seien Sie vorsichtig, wenn sie Handy-Programme aus dem Netz laden - und verzichten sie auf Programme, die aus unbekannten Quellen stammen.

Frankreichs Buchhändler rüsten sich für E-Books

Ein Zusammenschluss fünf französischer Handelsketten, darunter Fnac und Virgin Megastore, rief am Mittwoch dazu auf, eine nationale, französische Verkaufsplattform für E-Books zu errichten. Dazu sollten Verlage und Handel gemeinsame Sache machen, die Regierung solle dazu politische Rückendeckung durch Schutzmaßnahmen, etwa durch eine E-Book-Preisbindung geben. Nur so könne man ein Oligopol von Amazon, Google und iTunes verhindern, betonte ein Vertreter von Frankreichs größtem Verlag Hachette Livre gegenüber Reuters.

Doch das Vorhaben erntete auch Kritik, sogar aus dem eigenen Haus: Solange Verlage und Händler entgegengesetzte Interesse haben, sei das Vorhaben zum Scheitern verurteilt, sagte Francis Lang, ebenfalls bei Hachette und dort Marketingchef.

Als Negativ-Beispiel für so einen Zusammenschluss zieht Daniel Zwirn, Herr der E-Bücher bei Hachette, dann auch das deutsche E-Buch-Portal Libreka (SPIEGEL ONLINE: "Darum floppt das E-Book-Portal des Buchhandels") heran: "Das sieht nach einer guten Idee aus - ist es aber nicht." Das große Bücherangebot gebe es woanders.

Der Aufruf der Buchhändler kommt übrigens einen Tag, nachdem die französische Regierung grünes Licht für eine Zusammenarbeit mit Google in Sachen Online-Bibliothek bekannt gab. Eine schnelle Analyse der französischen Pläne aus amerikanischer Sicht versucht das Crunchgear-Blog: In fünf Jahren würden die Buchhändler bei Google und Amazon um Almosen bitten, bis dahin helfe nur Zusammenhalten gegen den großen, bösen Google.

Die Perspektive ein wenig gerade rücken muss dann aber Blog-Leser Benedikt. Er sagt ganz richtig: In Europa werden E-Books noch lange nicht massenweise verkauft. Dazu fehle es hier an einem cleveren Buchhändler wie Barnes and Noble, der seit langem ein großes E-Book-Angebot, jetzt sogar mit eigenem Reader, vorhält und gemeinsame Sache mit Google macht. Was Crunchgear als letzte Zuckungen eines sterbenden Buchmarktes sieht, sei in Wirklichkeit Engagement zum genau richtigen Zeitpunkt, meint Benedikt.

Eine Nummer fürs Leben

Das Ars Technica-Blog macht sich Gedanken, wie man "die wichtigste Nummer unseres Lebens", nämlich die Telefonnummer, auf unsere Online-Person anwenden könnte. Als einzelne Nummer, über die man erreichbar, identifizierbar, auffindbar wäre.

Natürlich gibt es längst Versuche, die aus historischen Gründen, heute aber seltsam vom Internet abgekapselte erscheinende Telefon-Kommunikationswelt mit dem Netz zu vermählen. Eine der wichtigsten ist sicherlich das ENUM-System, das innerhalb des Domain Name Systems (DNS) Telefonnummern in Internet-Adressen übersetzen kann und etwa bei Onlinetelefonie über VoIP eingesetzt wird. Ars Technica aber versucht mehr aus diesem soliden Ansatz rauszuholen - und wer weiß, vielleicht setzen sich ja ein paar Gedanken durch und wir müssen uns nur noch seltsam abstrakte Zahlenstränge und nicht mehr seltsam halbabstrakte E-Mail-Adressen merken.

Revolution einer Bürofalle

Es gibt immer ein mehr, es geht immer ein bisschen weiter. Auch im Büro, wie die japanische Firma Nichiban noch im ersten Halbjahr 2010 beweisen wird. Sie hat Hand an den Klebebandabroller gelegt, genauer an die Klebebandabrisssäge der Klebebandabroller. Jenes Stück Metall, das Generationen von Bürokräften verkrüppelte, Kilometer von Klebeband verhunzte und Fantastillionen von eigentlich einfachen Klebearbeiten zu einem globalen Mahnmal des Alltagsterrors aufschichtete.

Dieses Stück Metall also soll nicht länger gefährlich sägeförmig sein und hässliche sägezahnförmige Abrissränder am Klebeband hinterlassen, sondern dank einer fast geraden Schneidefläche Klebebänder glatt abschneiden. Ohne jedoch, und das war die eigentliche Kniffelarbeit, eine Gefahr für den Verklebenden zu sein. Die neue, gewellte Schneide soll all das möglich machen und dabei endgültig mit dem schlechten Ruf der Klebebandabroller als gefährlicher Daumenschreck aufräumen.

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