Netzwelt-Ticker Die USA sind Spamkönig

Die Vereinigten Staaten sind Nummer eins - im zweifelhaften Spammer-Wettbewerb. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Sega setzt auf Online-Anbindung zum Kopierschutz und die BBC will einen Online-Radiosender stilllegen. Das und mehr im Überblick.

Kochschinken: Ein Gag über das Dosenfutter gab der Werbepost den Namen
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Sage keiner, die Amerikaner würden in der Konkurrenz mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China auf allen Feldern zurückfallen. Was die Menge versandter Spam-Mails angeht, liegen die USA im ersten Quartal 2010 unangefochten an der Spitze. Jede achte Müll-Mail (13,1 Prozent) stammt von dort, gefolgt von Indien mit 7,3 Prozent und Brasilien mit 6,8 Prozent. Im Bericht des IT-Sicherheitsunternehmens Sophos erscheint übrigens auch Deutschland. Ein Spamanteil von 3,2 Prozent reicht für Platz sechs auf der wenig rühmlichen Bestenliste.

Was an dieser Übersicht vor allem auffällt, ist das Fehlen eines alten Bekannten. Bislang war nämlich China fester Bestandteil des "dreckigen Dutzends" der Spamverteiler. Doch seit dem vergangenen Jahr geht die Menge des aus dem Reich der Mitte verschickten Spams zurück, mittlerweile liegt der chinesische Anteil nur noch bei 1,9 Prozent und beschert China somit Platz 15.

Inzwischen können besonders im Firmenbereich ernsthafte Nachrichten und echte Mitteilungen wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen gesucht werden. Nach Sophos-Angaben handelt es sich dort bei bis zu 97 Prozent des virtuellen Posteingangs um Spam.

Apple hat mehr als eine Million iPads verkauft

Der US-Computerhersteller Apple hat seit der Markteinführung Anfang April eine Million Stück seines neuen Tablet-PCs iPad verkauft. Die Marke habe man am Freitag überschritten. Die Nachfrage übersteige noch immer das Angebot, erklärte Apple-Chef Steve Jobs. Die iPad-Nutzer hätten zudem mehr als zwölf Millionen Apps heruntergeladen sowie 1,5 Millionen Ebooks aus dem hauseigenen Online-Laden gekauft. Das iPad, das eine Brücke zwischen Smartphone und Laptops schlagen soll, ist in den USA seit dem Osterwochenende im Verkauf. Eigentlich sollte das Gerät wenige Wochen nach dem US-Start auch in Europa erhältlich sein. Apple hat den Verkaufsstart außerhalb der USA wegen der großen Nachfrage verschoben. Bereits in der ersten Verkaufswoche setzte Apple in den USA nach eigenen Angaben mehr als 500.000 iPads ab.

rtr

Sega verpflichten Gamer zur Online-Aktivierung

Die Spielehersteller Ubisoft und Electronic Arts ärgerten mit verstärkten Kopierschutzmaßnahmen und dem Zwang zur dauernden Online-Anbindung so manchen Gamer - vor allem, wenn mal wieder die Server down waren. Diese negativen Erfahrungen schrecken Spielehersteller Sega offensichtlich nicht ab, im Gegenteil, das hauseigene Action-Game "Alpha Protocol" bedarf künftig ebenfalls einer Online-Verbindung. Immerhin ist kein dauerhafter Anschluss bei Sega erforderlich. Das DRM-System Uniloc verlangt jedoch eine anfängliche Internet-Aktivierung.

Um die zu erwartende Verstimmung der Gamer-Gemeinde ein wenig zu besänftigen, schiebt Sega die Zusicherung nach, dass ungefähr anderthalb bis zwei Jahre nach der Veröffentlichung ein Patch für "Alpha Protocol" herauskommen wird. Der soll dann Spielgenuss ohne Kopierschutz-Einschränkung gewährleisten. Denn, so Sega in der entsprechenden Mitteilung, "wir nehmen die Rechte der Verbraucher sehr ernst".

Für Meat Loaf ist die Musikindustrie selbst an ihrem Niedergang schuld

Die Klagegesänge der Musikindustrie im In- und Ausland sind hinlänglich bekannt. Raubkopierer würden ihrer Branche den Todesstoß versetzen, Absatzzahlen und damit Arbeitsplätze verringern. Alles dumme Ausreden, die nur die Faulheit der Branche kaschieren sollen, hält dem ein Mann entgegen, der sich in seinem Fach auskennt. Der Sänger Meat Loaf erklärte im Interview, die gesamte Musikbranche "ist faul geworden und sucht lahme Ausreden wie die illegalen Musik-Downloads, die angeblich an der Krise schuld sind". Außerdem nähmen die Labels ihre Künstler nicht selten bis aufs letzte Hemd aus. Häufig bestehe das Musikmanagement aus regelrechten Betrügern. So habe sich zwar sein Erfolgsalbum "Bat out of Hell" vor 33 Jahren 43 Millionen Mal verkauft, bloß habe er selbst so gut wie nichts daran verdient.

OLG Düsseldorf verwirft Störerhaftung für Rapidshare

Die Interessenvertreter von Rechteinhabern haben Tauschbörsen schon lange auf dem Kieker. Doch auch Online-Hoster sind in den letzten Jahren zunehmend ins juristische Visier geraten. Um so überraschender ist ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf, das Ende März in einer jetzt bekannt gewordenen Urteilsbegründung die Störerhaftung für den Filehoster Rapidshare verneinte. Dem Speicherdienst sei es nicht zuzumuten, Inhalte, die von seinen Nutzern hochgeladen würden, auf ihre urheberrechtliche Unbedenklichkeit hin zu überprüfen. Der Hoster sei am Datenmanagement nur mittelbar beteiligt.

Weder würde Rapidshare strittige Dateien "selbst vervielfältigen", noch nehme der Service eine "öffentliche Zugänglichmachung" vor. "Alleine der Kunde bestimmt, an wen er den Link zu den Dateien weiterleitet. Insofern kann von einer öffentlichen Wiedergabe durch den Provider nicht gesprochen werden, da diese im Verantwortungsbereich des Nutzers liegt, der sowohl über den Dateinamen, als auch über Dateiinhalte und Dateilinks exklusiv verfügt", so die Düsseldorfer Juristen. Eine Überprüfung des hochgeladenen Datenmaterials sei dem Hoster nicht zuzumuten.

Die Kläger hatten unter anderem vorgebracht, als RAR-Archiv komprimiert abgespeicherte Dateien würden ein wichtiges Indiz für eine Filmdatei liefern. Die Richter erteilten da gern Nachhilfeunterricht: "Dies ist unzutreffend. RAR ist ein allgemeines Dateiformat zur Datenkompression, um den Speicherbedarf von Dateien für die Archivierung und Übertragung zu verringern. Mit Filmdateien hat das unmittelbar nichts zu tun." (Az. I-20 U 166/09 12 O 221/09)

BBC-Online-Radio trotz Publikumswachstum vor dem Aus

Verkehrte Welt: Die BBC betreibt mit ihrer digitalen Station "6 Music" einen erfolgreichen Online-Sender. Allein im März nahm die Zahl der Hörer um satte 50 Prozent zu und lieferte damit die besten Werte aller BBC-Kanäle im Lande ab. Die wöchentliche Reichweite betrug immerhin knapp 700.000 Hörer. Dennoch hat Senderchef Mark Thompson das Ende für den Erfolgssender verkündet. Der "Guardian" vermutet, der wachsende Publikumszuspruch verdanke sich nicht zuletzt der öffentlichkeitsträchtigen Ankündigung vom Ende des Kanals. Doch auch anderswo im BBC-Reich brummt der Online-Bereich. So habe das BBC Asian Network, ebenfalls von Schließung bedroht, seine Online-Gemeinde im vergangenen Jahr um 33 Prozent vergrößern können. Was wohl alles nichts helfen wird. "Gemessen an der Zahl der Zuhörer ist die Station zu teuer", so BBC-Chef Thompson zur Begründung der für Ende 2011 vorgesehen Schließung.

Der Bürodaumen aus Gummi für iPhone & Co.

Nur die Älteren unter den Büroarbeitern kennen ihn noch, den grünen Gummifingerling, der das Umblättern von Papierseiten und damit das Studium dicker Akten erleichterte. Doch auch in Online- und Computerzeiten hat der Fingerschutz längst nicht ausgedient. Zwar kommt er jetzt in schwarz, weiß, babyblau und rosa daher und hat auch keine Noppen mehr.

Aber dafür sollen die Fingerlinge auch keine drögen Akten sortieren helfen, sondern die Bedienung von Touchscreens bei Smartphones und Tablets erleichtern. Die verschmutzen nämlich schnell, wenn ihre Besitzer mit fettigen, schmutzigen Fingern die Bedienoberfläche berühren. Die bunten Latexüberzüge sollen das nun verhindern. Deren eigenwillige Ästhetik verschaffte dem iPhone-Finger nun die Würdigung für den " Verriss des Monats" bei Heise, wo es abschließend heißt: "Latexüberzogene Finger haben nichts von regulärer Bekleidung, vielmehr sehen die Dinger aus, als habe man mit den Fingern in einen Farbeimer gefasst."

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insgesamt 2 Beiträge
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Meckermann 03.05.2010
1. Puh, erstmal durchatmen
Und ich dachte schon... Zwischen einer einmaligen Online-Aktivierung und einer permanent benötigten Internetverbindung ist doch wohl ein himmelweiter Unterschied, das sollte man mal nicht vermischen und in der Berichterstattung in einem Topf werfen.
mhicheal 03.05.2010
2. BBC 6Music
Zitat von sysopDie Vereinigten Staaten sind Nummer eins - im zweifelhaften Spammer-Wettbewerb. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Sega setzt auf Online-Anbindung zum Kopierschutz und die BBC will einen Online-Radiosender stilllegen. Das und mehr im Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,692630,00.html
6Music wird zwar ausschließlich digital verbreitet, ist aber keineswegs ein reiner Online-Radiosender. Er kann ebensogut über DAB sowie als digitaler TV-Kanal empfangen werden.
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