Netzwelt-Ticker Doktor Google verschlingt Patientenakten

Google Health bietet Usern an, ihre Krankenakten zu verwalten, der Microsoft-Boss gerät in Ungarn in einen Eierhinterhalt und ein Computersystem hilft Gefängniswächtern, ihre Hunde zu verstehen. Das und mehr im Überblick.


Google macht jetzt auch auf Netzdoktor und hat seine "Google Health"-Website eröffnet. Ziel des Projekts: Nutzer können dort ihre Krankenakten, Verschreibungen und Testergebnisse verwalten, sich über unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamentenmixturen informieren und Ärzte in der Umgebung suchen.

Google-Logo: Der Online-Riese speichert nun auch Gesundheitsdaten, auf Patientenwunsch
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Google-Logo: Der Online-Riese speichert nun auch Gesundheitsdaten, auf Patientenwunsch

Das geht leicht von der Hand: Einige Daten gibt man manuell ein, andere kann Google über Kooperationen mit Online-Apotheken automatisch abfragen – freilich nur in den Vereinigten Staaten. Ars Technica kalauert: Alles was man für Google Health braucht, ist ein Googlemail-Konto und eine gesunde Portion Vertrauen.

Denn "Google Health" wächst mit den Informationen, die man einspeist – und damit wächst auch die Brisanz der Daten. Man muss nun darauf vertrauen, dass niemand bei Google die Daten missbraucht. Ein Bösewicht könnte aber auch von außen kommen und sich per Hackangriff der Daten bemächtigen. Denn gesichert sind die nur durch das Google-Standardpasswort, das man auch für die anderen Google-Produkte einsetzt. Google hat sich bereits zu einigen Bedenken in einem Blogpost geäußert.

Andere Vorwürfe sind ganz grundlegender Natur. Ebenso wie Microsofts Konkurrenzprodukt Health Vault bietet Google Health zunächst kaum einen Nutzen: Etwas Überblick über die eigene Gesundheit, ein paar Produktinformationen. Das ist den ganzen Trubel bestimmt nicht wert.

Eierattacke auf Steve Ballmer

Es gibt nur wenige Sachen, räsoniert The Register, wegen denen Microsoft-Boss Steve Ballmer bisher in Deckung gehen musste. Dazu gehören nicht: die Europäische Union, das US-Justizministerium, Open-Source-Software. Dann das: Bei einem Besuch in einer ungarischen Universität attackiert ein gewalttätiger Besucher Ballmer erst verbal, dann mit Eiern.

Seinen Angriff versuchte der Mann mit den Ärger über ein Abkommen zwischen Microsoft und dem Staat Ungarn zu rechtfertigen. Das koste die Steuerzahler angeblich 190 Millionen Euro: "Give the money back, right now!" – dann flogen die Eier. Der Hintergrund: Microsoft bietet in Ungarn günstige Campus-Lizenzen an – die aber vom Staat Ungarn finanziert werden.

Zweimal Wuff heißt einmal Flucht

Das Hündchen kläfft und bellt und jault und faucht, aber Herrchen Gefängniswächter versteht nicht: "Ob mal wieder das Futter alle ist? Ob sich mal wieder die Katze beim Jagdspiel im Elektrozaun verheddert hat?"

So verstreichen wertvolle Sekunden, der Gefängnisinsasse ist längst mit Sack und Pack auf der Flucht. Doch einige israelische Gefängniswärter bekommen digitale Unterstützung vom Computerkollegen Hundeflüsterer. AP hörte "Army Radio" und berichtet nun: Ein spezielles Computersystem nimmt im Gefängnis Hundegebell mit Mikrofonen auf, analysiert es, stuft es ein. Sollte zu viel Stress oder Aggression im Bellen stecken wird das Wachpersonal mit automatisch zoomenden Kameras auf den Ort des wütenden Gebells aufmerksam gemacht. Die Hoffnung: randalierende oder flüchtende Insassen früher erkennen.

Hinter der Analyse-Software steckt ein Unternehmen, das Tausende Varianten von Hundegebell daraufhin untersuchte, was Alarmgebell vom Alltagsgekläffe unterscheidet: Stress. Das Computersystem, das den Hunden lauscht, benutzt diese Gebellanalyse als empfindlichere, vielleicht etwas cleverere Alarmanlage. Jetzt sollte es so ein System nur noch für Hunde geben, die Erkennen können, ob Herrchen jetzt tatsächlich Lust auf Speichelattacken oder schmuddelige Matschspiele mit Mitmachzwang hat.

Einkaufszentren überwachen Kunden per Handy

Einkaufszentren in Großbritannien sollen damit begonnen haben, mithilfe von Handydaten Bewegungsprofile ihrer Kunden zu erfassen. Laut Winfuture.de ist das möglich, weil die Zentren Peilsysteme innerhalb ihres Gebäudes aufstellen.

Damit kann mit Hilfe einer Dreieckspeilung ziemlich genau festgestellt werden, welche Geschäfte ein bestimmter Kunde gerade besucht. Für die Privatsphäre besteht laut Anbieter keine Gefahr. Das sehen Datenschützer anders. Gelangt ein Cracker an die vermeintlich anonymen Bewegungsdaten und verbindet sie mit anderen Daten, die das Kaufhaus erhebt – zum Beispiel Kreditkartennummern – könnten dabei detaillierte Einkaufs– und Bewegungsprofile erhoben werden. Für die Zentren bieten sich natürlich genau dieselben Möglichkeiten – im Dienste der Marktforschung und zielgerechten Werbung.

Google petzt, Inder wird verhaftet

Google steht mal wieder in der Kritik, weil das Unternehmen die Daten eines Nutzers herausgab, die zu dessen Verhaftung führten. Im aktuellen Fall beleidigte ein Inder die indische Politikerin Sonia Gandhi in Googles sozialem Netzwerk Orkut. Laut Ars Technica ist das in Indien verboten. Weil Google bereitwillig Nutzerdaten herausrückte, konnten die örtlichen Behörden den Täter ausfindig machen – und festnehmen.

Damit verstößt Google gegen ein ungeschriebenes Internet_Gesetz, wonach Unternehmen nicht die Daten ihrer Nutzer herausgeben dürfen – wenn diese von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen. Mit diesem Vorwurf wird Google in eine Reihe gestellt mit Yahoo, die ebenso Nutzerdaten herausgaben und damit – unter heftiger Kritik von Menschenrechtsorganisationen – zum Beispiel zur Verhaftung von chinesischen Dissidenten beigetragen haben.

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