Netzwelt-Ticker Ebay droht mit Aus für Skype

Wegen Lizenzstreitigkeiten steht das Internet-Telefonie-Angebot Skype vor dem Aus - droht zumindest Skype-Mutter Ebay. Außerdem: Musiker Chris Brown profitiert von Hochzeitsvideo-Hype, Windows 7 ist schon geknackt, das iPhone per SMS gehackt und Pirate-Bay-Verkauf klappt scheinbar doch.


Das Internet-Telefonie-Angebot Skype steht möglicherweise vor dem Aus. Hintergrund sind Lizenzstreitigkeiten zwischen der Skype-Mutter Ebay und der Firma der Skype-Erfinder Niklas Zennstrom und Janus Friis: Joltid. Die Probleme reichen laut Bloomberg.com ins Jahr 2005 zurück, als das Online-Auktionshaus zwar für 2,6 Milliarden Dollar (heute: 1,84 Mrd. Euro) Skype aufkaufte, nicht aber das technologische Herzstück, das die Peer-to-Peer-Kommunikation zwischen Skype-Nutzern ermöglicht. Die musste das neue Unternehmen Skype von Joltid lizenzieren.

Skype (hier das Logo der iPhone-Applikation): Weltweit populärster Internet-Telefondienst, mit dem sich auch teure Mobilfunktarife aushebeln lassen
SPIEGEL ONLINE

Skype (hier das Logo der iPhone-Applikation): Weltweit populärster Internet-Telefondienst, mit dem sich auch teure Mobilfunktarife aushebeln lassen

Diese Lizenz steht nach Gerichtsstreitigkeiten der beiden Unternehmen aber auf der Kippe. Im jüngsten Quartalsbericht gab Ebay unmissverständlich zu verstehen: Wir arbeiten an einer Software-Alternative. Sollte das scheitern und kein neuer Lizenzvertrag zustande kommen, wäre Skype so "schwer beschädigt, dass der Fortbestand des aktuellen Angebotes wahrscheinlich nicht möglich wäre".

Die aktuellen Geschehnisse stehen aber auch dem geplanten Börsengang Skypes als eigenständiges Unternehmen im ersten Halbjahr 2010 im Weg. Der Gerichtsprozess um den Fortbestand der Software-Lizenz ist erst für Juni 2010 angesetzt.

Hacker knacken iPhone per SMS

Eine Kurzmitteilung genügt, und Kriminelle können auf dem iPhone beliebige Schadsoftware ausführen. Forscher haben auf der IT-Sicherheitskonferenz "Black Hat" in Las Vegas einen solchen Angriff auf das Apple-Handy erfolgreich demonstriert.

Charlie Miller und Collin Mulliner erklärten bei ihrem Vortrag, eine entsprechend konstruierte Kurzmitteilung könne ein iPhone zum Absturz bringen, beim anschließenden Neustart könnte man Code einschleusen und beliebige Software ausführen.

Die kann theoretisch alles Mögliche anstellen - zum Beispiel Killer-Kurznachrichten an alle Kontakte im Adressbuch des gehackten iPhone versenden. Laut Miller und Mulliner ist eine ähnliche SMS-Sicherheitslücke auch bei Mobiltelefonen mit den Betriebssystemen Windows Mobile und Android ausnutzbar. Man habe Apple vor sechs Wochen über das Problem informiert, bislang sei die Lücke noch nicht geschlossen worden.

Hochzeitsvideo macht Musiker Chris Brown reich

Google nutzt den Internet-Aufruhr rund um das famose Hochzeitvideo von Jill Peterson und Kevin Heinz für ein wenig Eigenlob. Das Video wurde bei YouTube, einer Google-Tochter, innerhalb einer Woche über zehn Millionen Mal aufgerufen: Tanz den Bund fürs Leben. Den musikalischen Hintergrund lieferte Chris Browns "Forever" - für Plattenfirmen üblicherweise ein Grund, das Video in Nullkommanichts von YouTube zu verbannen.

Ein Glück für Chris Brown, dass das nicht passierte. Die Rechteinhaber verzichteten auf den Löschantrag, sondern nutzen die Gunst der Stunde, um an dem Internet-Hype mitzuverdienen. Das Video verlinkt zum MP3-Angebot bei Amazon und iTunes, Browns offizielles Musikvideo wurde, wie auch alle inoffiziellen Forever-Videos, im Windschatten mitgezogen.

Vor allem aber schaffte es Brown ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Forever" wieder in die Charts: Nummer vier in den iTunes Singlecharts, Nummer drei in Amazons MP3-Charts. Er verkaufte in dieser Sommerwoche fast so viele Singles wie zur Forever-Veröffentlichung zu Weihnachten 2008. Und noch einen interessanten Nebeneffekt hatte das Tanzvideo: Es erschien zeitgleich zu einer öffentlichen Nachricht Chris Browns bei YouTube, in der er sich für die Misshandlungen an seiner Freundin Rihanna entschuldigt. Ein anderes Video, das es in die Liste der meistgesehenen Web-Filmchen dieses Monats schaffte …

Derweil macht sich schon ein gemeines Video daran, die Nachfolge von Jills und Kevins Videoerfolg anzutreten: JKs Scheidungstanz. Mit flippenden Anwälten, breakenden Richtern, kuschelnden Polizisten und Flickflack-schlagenden Scheidungspartnern. Wow.

Windows-7-Aktivierung ist offenbar schon geknackt

Zurück ins normale Leben, wo Tänze keine Leben retten können: Noch vor der Auslieferung an die Öffentlichkeit haben Hacker den Aktivierungsprozess von Microsofts neuem Betriebssystem Windows 7 ausgehebelt. Offensichtlich kam dem Computerhersteller Lenovo ein Iso-Abbild einer Win-7-Ultimate-DVD abhanden, aus der Hacker Cracks zur Umgehung der "Windows Genuine Advantage"-Prüfung ableiten konnten. Teil des Problems, das Microsoft jetzt hat, ist, dass auch ein Master-Aktivierungsschlüssel abhanden kam - mit dem Händlerversionen unter anderem auch von HP und Dell geknackt werden können.

Microsoft warnt in einem Statement nun Filesharer vor dem Download der ISO-Datei: Windows 7 von Filesharing-Seiten herunterzuladen sei Piraterie und gefährde Nutzer unnötig, sich mit Viren, Trojanern und anderem Übelcode zu infizieren.

Dass auf den naiven Downloader noch ganz andere Probleme warten, hat WinFuture.de erfahren: Ohne BIOS-Patch geht erstmal eh nichts.

Kauf der Pirate Bay kann beinahe stattfinden

Global Gaming Factory verleiht den Spekulationen um den angeblich wackelnden Verkauf von Pirate Bay neue Würze. Entgegen aller Unkenrufe behauptet der potentielle Käufer nun: Wir haben das Geld, um uns den Piratenkahn zu kaufen. Eine Gruppe von Investoren sei bereit, 2,8 Millionen Euro für den Cash-Anteil des Pirate-Bay-Kaufes lockerzumachen. Die andere Hälfte werde das Unternehmen in Aktien auszahlen. Der Deal soll am 27. August über die Bühne gehen, die Website Piratebay.org - zum Leidwesen seiner Nutzer - daraufhin ein legales Angebot werden.

Diese Erfolgsmeldung kommt überraschend: Noch vor wenigen Tagen schien der Pirate-Bay-Verkauf endgültig gescheitert. GGF-Chef Pandeya geriet wegen angeblicher Börsenmanipulation ins Gerede und der eigens als Berater hinzugezogene Ex-Grokster-Boss Wayne Rosso verließ panisch das Schiff ( "um meinen Ruf nicht weiter zu gefährden").

Netzagentur sperrt Nummern von Gewinnanrufern

Glücklich, wer in den letzten Monaten nicht von einer fürchterlichen Roboterstimme angerufen wurde: "Guten Tag, sie sind der glückliche Gewinner eines Audi Cabriolets im Wert von 25.000 Euro!"

Laut Winfuture.de hat die Bundesnetzagentur auf die jüngste Welle von telefonischen Gewinnversprechen reagiert. Bereits kurz nach den ersten Beschwerden hat die Behörde mehrere Nummern gesperrt, die Empfänger der Werbenachrichten kostenpflichtig anrufen sollten.

Diese Nummern verstoßen regelmäßig gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Es werden 0900er-Nummern beworben, ohne dass der beim Anruf dieser Nummern zu zahlende Preis angegeben wird. Anrufe auf diese Rufnummern dürfen nun für den Zeitraum des Verbots nicht mehr in Rechnung gestellt werden. Wie sich Opfer gegen die Abzock-Forderungen wehren können, beschreibt Winfuture.

Weitere Meldungen:

· Twitterwelt: Technorati startet Twitterati
· Orwell-Löschung: Schüler verklagt Amazon
· Quatsch-Heilung: Star-Blog Huffington Post unter Quacksalber-Verdacht
· Cyber-Ausgrenzung: Minderheiten in Videospielen unterrepräsentiert
· Truecrypt-Pleite: Bootkit hebt Festplattenverschlüsselung aus

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.