Netzwelt-Ticker Ein Bestseller, Osama sei Dank!

Im Nachrichtenüberblick: Eine Buchempfehlung in Osama Bin Ladens letzter Tonband-Nachricht wird zum Bestseller in den Verkaufscharts bei Amazon. Microsoft würde in der Dritten Welt nicht Laptops, sondern Handys verteilen. Oder MP3-Player? Angeblich entwickelt MS eine Konkurrenz zum iPod. Und mehr...

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Empfohlen von Ihrem freundlichen Osama...

Ob William Blum sich darüber freuen kann? Sein Buch "Rogue State" stieg in den letzten Tagen auf Amazons Bestseller-Liste um mehr als 20 Plätze, nachdem kein geringerer als Osama Bin Laden den Zuhörern seiner letzten Tonband-Botschaft die Lektüre empfahl. Hätte er einen Amazon-Affiliate-Account, spottet Web-Kolumnist Shmuly Tennenhaus da, hätte er massig Provisionen einstreichen können.

Osama Bin Laden: Seine Buchempfehlungen, spottete Rosemarie Jackowski bei "Press Action", seien "besser als die von Oprah"
AFP

Osama Bin Laden: Seine Buchempfehlungen, spottete Rosemarie Jackowski bei "Press Action", seien "besser als die von Oprah"

William Blum dagegen erntet mächtig viel Feedback, und erwartungsgemäß ist so manches davon alles andere als rational: In einem Interview mit "Press Action" berichtet er über Zuspruch, mehr aber über Drohbriefe und Beschimpfungen. Der Vorwurf: Er leiste dem Feind "Hilfe und Trost". Für Tennenhaus stellt sich diese Frage gar nicht. Er genießt dagegen die Vorstellung, wie Osama Bin Laden bei schlechtem Licht in seinem Versteck hockt und amerikanische Bestseller liest. Seine nahe liegende Frage: "Wie ist Bin Laden an dieses Buch heran gekommen, während er in einer Höhle campierte?"

AMD-Foren gehackt

Tja, auch bei den Großen der Branche kann man sich nicht immer sicher sein. Nach verschiedenen Berichten, unter anderem von "CNet", haben Hacker am Wochenende einen PC-Schädling in die Internet-Foren des Prozessor-Produzenten AMD eingeschmuggelt, der unerkannt auf die PCs der Foren-Besucher übertragen wurde. Dieser so genannte "WMF Exploit" nutzt eine längst bekannten Sicherheitslücke im Internet Explorer, durch die Angreifer die Kontrolle über einen infizierten PC erlangen können. Erst nachdem ein Anwender im Forum selbst auf die Gefahr hinwies, wurden die Seiten vom Netz genommen. Mittlerweile scheint die Spyware von der Website entfernt worden zu sein.

Ärzte brauchen Handys

Das hat eine Studie der Fachzeitschrift "Anesthesia & Analgesia" ergeben. Deren Ergebnis: da Mobiltelefone aufgrund der potentiellen Interferenzen mit medizinischen Geräten in viele Krankenhäuser verboten sind, kommunizieren die Ärzte meist per Pager. Jene Mediziner, die bei der Arbeit aber per Handy erreichbar sind, berichten von schnelleren Reaktionen und einer geringeren Gefahr von Fehlentscheidungen. Diese Vorteile würden die vergleichsweise geringe Gefahr einer Wechselwirkung mit Messgeräten überwiegen, so die Studie.

Handys als Entwicklungshilfe, Notebook von der Uno

Ausgerechnet Microsoft kann sich nicht so recht mit dem Gedanken an den 100-Dollar-Laptop für die Dritte Welt anfreunden. Statt eines Computers, sollen die Menschen in Entwicklungsländern lieber ein Handy, das per Tastatur und TV-Bildschirm zum Mini-PC umgerüstet wurde, benutzen, um online zu gehen, berichtet die "New York Times". Das diese Marschroute etwas mit der Entscheidung zu tun, den 100 Dollar-Laptop mit Open Source-Software statt mit Windows auszustatten, wäre natürlich reine Spekulation. Die Uno dagegen findet die Idee mit dem billigen Volksrechner so gut, dass sie die Initiatoren unterstützen will. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben der Chef des Uno-Entwicklungsprogramms, Kemal Dervis, und der Initiator des Notebook-Projekts, Nicholas Negroponte, eine Kooperationserklärung unterzeichnet.

Kommt der Windows-Pod?

Eigentlich kann man die Gerüchte, Microsoft würde jetzt dies oder das gegen Apple unternehmen, schon gar nicht mehr hören. Aber 42 Millionen verkaufte iPods könnten auch für den Software-Riesen ein Argument sein, in das Geschäft mit digitalen Musik-Playern einzusteigen. Das meinen jedenfalls die "BusinessWeek" und "NewsFactor" und schließen sich damit den üblichen Gerüchteköchen an. Nix genaues wissen die nämlich auch nicht. Aber interessant zu lesen ist's trotzdem.

Zwei Jahre für 20 Dollar

Als 2004 illegal kopierte Teile des Quelltextes von Windows 2000 im Internet zirkulierten, passierte nicht viel. Schließlich waren die Dokumente unvollständig. Einzig der Amerikaner William P. Genovese, Jr. ließ sich dabei schnappen, wie er versuchte, seinen Internet-Fund zu Geld zu machen. Für schlappe 20 US-Dollar wollte er den Quellcode weitergeben. Dumm nur, dass er ihn ausgerechnet an einen Microsoft-Anwalt verhökerte. Die Quittung bekam er letzte Woche: Zwei Jahre Haft und weitere drei Jahre auf Bewährung. Die Begründung des Richters: Genovese habe Firmengeheimnisse verkauft. Hätte er die Texte kostenlos angeboten, wäre wahrscheinlich nichts passiert.

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