Netzwelt-Ticker Ein zweites Leben für Christiansen

Sabine Christiansen streift bald als Avatar durch Second Life, Innenminister Schäuble findet erste Unterstützer für seine Bürgerüberwachungspläne. Außerdem im Überblick: Sony und Toshiba rüsten auf, Google erspart den Gang vor die Haustür, weiter wanzenfreie US-Kinder und mehr.


Christiansen in Second Life

Moderatorin Christiansen: bald auch als Avatar in Secon Life
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Moderatorin Christiansen: bald auch als Avatar in Secon Life

Bevor Sabine Christiansen im Juni als TV-Moderatorin abtritt, will sie offenbar noch einmal alle Wege nutzen, sich nachdrücklich im Bewusstsein der Menschen zu verankern - ob die nun wollen oder nicht. Auf dem Wirtschaftskanal CNBC wird die Talkerin ihr Fernsehformat "Global Players" starten, und zwar in der bunten Welt von Second Life. Ihr Avatar soll ihr sogar ähnlich sehen - die Fans werden es mit Tränen in den Augen vernehmen.

Freunde des Staatstrojaners

Von Bedenken über Datenschutz und Bürgerrechte weitgehend frei ist Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in seinem Feldzug gegen die Terrorgefahr. Er wünscht sich neben Vorratsdatenspeicherung, präventiver Ausforschung von Privatcomputern, biometrischen Daten in Personalpapieren und Zugriff auf die Personenfotos in Pass-Datenbänken, damit die vielen, neuen Kameras im öffentlichen Raum auch was zu identifizieren haben, auch die Freigabe, die Kameras der Autobahn-Mautbrücken nutzen zu können. Seine Unterstützer verweisen darauf, dass ja nichts befürchten müsse, der nichts zu verbergen habe. Das dürfte allerdings auch schwer werden.

Die Debatte um heimliche Online-Angriffe staatlicher Stellen auf den heimischen Privatrechner wurde gestern um zwei Stellungnahmen von der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) und vom hessischen Verfassungsschutz bereichert. Und, oh Wunder, beide haben mit den geplanten Überwachungsmaßnahmen keine Schwierigkeiten, sondern befürworten sie.

Im heutigen Handelsblatt wird ASW-Vorsitzender Thomas Menk zwar mit der Einschränkung zitiert, es müssten "zielgerichtete Eingriffe gegen potenzielle terroristische Straftäter sein, bei denen die rechtsstaatlichen Grenzen genau definiert sind". Die befragten ASW-Mitgliedsunternehmen, darunter etliche Sicherheitsfirmen, hätten jedoch auf die terroristische Bedrohung über das Internet hingewiesen. Daher könne er nicht verstehen, dass Telefonüberwachung auf richterliche Anordnung zulässig sei, dies allerdings im Bereich des Internets ausgeschlossen sein sollte, wird Menk zitiert. Dass es aber genau darum nicht geht, sondern um Maßnahmen ohne richterliche Genehmigung, verschweigt der Interessensvertreter.

Auch Hessens Verfassungsschutzchef Alexander Eisvogel hat sich zu Wort gemeldet und sich für Online-Durchsuchungen ausgesprochen, wie die Frankfurter Rundschau heute berichtet. Bereits jetzt würden diese Mittel angewendet werden. Der hessische Innenminister Bouffier ließ das gestern dementieren, Online-Durchsuchungen gebe es im Bundesland nicht. Ein Ministersprecher wird mit der Klarstellung "Wir haben keine Befugnis, das zu machen" zitiert. Gleichwohl müsse man sich dieses Instrument unter Wahrung rechtsstaatlicher und gesetzgeberischer Vorgaben anschauen.

Kalifornien: keine Erfassung von Schülern durch RFID-Chips

Da ist die Debatte in den USA schon wesentlich weiter gediehen. Am Montag segnete der Senat des Bundesstaates Kalifornien ein Gesetz ab, das den Einsatz von RFID-Chips auf dem Gelände von Schulen und Universitäten untersagt. Mit denen könnten Schüler und Studenten identifiziert und ihr jeweiliger Aufenthaltsort auf dem Schulgelände oder Campus lokalisiert werden. The Register berichtet von einer eindeutigen 28 zu 5-Mehrheit. Bereits 2005 war das Vorhaben einer kalifornischen Grundschule, ein RFID-Kontrollsystem zu installieren, am Widerstand der Eltern gescheitert. Seither hat sich öffentliche Meinung immer stärker gegen diese Art der Überwachung gestellt. Interessant dürfte die weitere Entwicklung nun nach dem Amoklauf von Blacksburg werden.

200 GByte-Speicherstick von Toshiba

Das Rennen um USB-Speichersticks mit möglichst hoher Kapazität geht in eine neue Runde: Wie eWeek meldet, hat sich Toshiba an die Spitze gesetzt und einen USB-Stick vorgestellt, der auf seinen zweieinhalb Zoll immerhin 200 GByte an Daten unterbringen kann. Damit komplettiert der Elektronikhersteller seine externe Speicherlinie, die bisher schon Minigeräte mit Platz für 100, 120 und 160 GByte umfasste.

Die Sticks sind durch eine spezielle Ummantelung gegen Stöße und Überhitzung geschützt. Auch wenn die Geräte für den Endverbrauchermarkt konzipiert wurden, sind sie mit ihrer Speichergröße auch für Business-Anwendungen interessant. Der Verkaufsstart ist für Ende April angekündigt. Der Preis soll bei umgerechnet 170 Euro liegen.

Statistiken in 3D: Google Earth jetzt noch bunter

Das Google Watchblog weist auf zwei Neuerungen hin: zum einen lassen sich jetzt beim 3D-Atlas Google Earth mit "GE Graph" statistische Daten in 3D-Diagrammen darstellen. Dabei kann sich die Darstellung auch an den geografischen Umrissen des jeweiligen Landes orientieren. Auch die schnelle Wettervorhersage ist mittlerweile für den deutschsprachigen Raum verfügbar. Bei der Google-Suche nach "Wetter Berlin", "Wetter 12557" (oder den entsprechenden Angaben für beliebige andere Orte) erscheint eine kleine Onbox mit den gewünschten Informationen. Erübrigt sich Dank Google bald der Gang aus dem Haus?

Sony PS3 demnächst mit 80 GByte

Letzten Freitag wurde an dieser Stelle über das vorzeitige Ende für Sonys "kleine" PS3 mit nur 20 GByte berichtet, deren Verkauf in den USA mangels Kundenerfolg eingestellt wird. Das hat in Europa eigentlich niemanden interessiert, weil das Gerät hier nie angeboten wurde. Ganz anders als bei der Schmalhans-Konsole könnte das allerdings für eine Version mit größerer Kapazität aussehen.

Sony-Sprecher Satoshi Fukuoka erklärte in einem Interview mit Bloomberg, man plane ein neues Modell mit größerer Festplatte. Areagames.de berichtet von Gerüchtenüber eine 80 GByte-Version und fragt gleich nach dem Wahrheits- und Vernunftgehalt solcher Vermutungen, wenn doch die Konkurrenzkonsole Xbox 360 Elite bereits jetzt schon mit 40 GByte mehr Speicherplatz aufwartet.

Powerpoint-Klon von Google kommt

Immer wieder angekündigt, doch bisher nie gesehen: eine Art Powerpoint-Klon als Erweiterung für Googles Office-Paket Docs & Spreadsheets. Jetzt könnte es soweit sein, wie Golem meldet. Nach der soeben erfolgten Übernahme von Tonic Systems verfügt Google nun über eine Präsentationsanwendung, die ähnlich wie Powerpoint funktioniert und sogar in diesem Format erstellte Dokumente weiterbearbeiten kann. Die Applikation soll im Browser laufen, also keine gesonderte Softwareinstallation benötigen und darüber hinaus die gleichzeitige Onlinebearbeitung durch mehrere Autoren erlauben.

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