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Netzwelt-Ticker EU-Kommissarin Reding kritisiert USA wegen Haltung zum Datenschutz

Weiterhin Zoff um Datenschutz zwischen EU und USA, weiterhin Gefahr für Surfer durch Phishing, keine Echtheitsprüfung mehr für Microsofts Office-Produkte, vielleicht kein Streit mehr um die Vorratsdatenspeicherung. Das und mehr im Überblick.
Viviane Reding: Amerikaner bei Datenschutz "unvorbereitet und desinteressiert"

Viviane Reding: Amerikaner bei Datenschutz "unvorbereitet und desinteressiert"

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

Die unterschiedlichen Auffassungen über Bedeutung und notwendiges Ausmaß des Datenschutzes zwischen Amerikanern und Europäern sind bekannt. Besonders deutlich wurde das beim Swift-Abkommen, das den Bankdaten-Austausch regelt. Im Sommer musste die Vereinbarung auf Drängen der EU nachgebessert werden, doch nun gibt es erneuten Ärger. Derzeit laufen die Verhandlungen über grundsätzliche Regeln zum Datenschutz bei künftigen Abkommen zwischen der EU und den USA.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding warf den Amerikanern dabei vor, einzig auf den Zugriff auf vertrauliche Daten aus Europa aus zu sein. Dagegen gebe es in Washington eine ziemliche Gleichgültigkeit zu Fragen des Datenschutzes. Sie erlebe die amerikanischen Verhandlungspartner als "unvorbereitet und desinteressiert".

Der britische "Guardian" zitiert eine offensichtlich verstimmte Kommissarin: "Das Treffen zum Thema Datenschutz erwies sich als recht enttäuschend . Von Anfang an stellten wir seitens der USA einen deutlichen Mangel an Interesse fest, ernsthaft über Datenschutz zu reden. Sie haben hierzu noch nicht einmal einen Verhandlungsführer ernannt."

Phishing ist weiterhin bedeutende Online-Bedrohung

Allen Warnungen und Hinweisen zum Trotz bleiben Web-Surfer nach wie vor durch eine Reihe von Gefahren bedroht. Der aktuelle Phishing- und Spam-Report des IT-Sicherheitsunternehmens Symantec enthält wie alle Jahre wieder den Hinweis auf ein höchst lästiges, wahrhaft periodisches Phänomen: Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft erhoffen sich Anbieter fragwürdiger Weihnachtsprodukte gute Geschäfte.

Entsprechend ist die Kategorie Produkt-Spam um satte 30 Prozent gewachsen, auch wenn der Werbemüll ansonsten auf dem niedrigsten Stand seit knapp zwei Jahren rangiert. Besorgniserregend dagegen die kräftige Zunahme der registrierten Phishing-Fälle. Im November 2010 wurden davon 37 Prozent mehr als im Vormonat verzeichnet. Phishing-Seiten, die von automatischen Toolkits erstellt wurden , nahmen sogar um 90 Prozent zu.

Die Aussichten für 2011 sind laut Symantec durchwachsen. Einerseits sehen die Sicherheitsexperten das Spam-Aufkommen eher sinkend. Es gebe mehr öffentliches Bewusstsein für dieses Thema, und auch Behörden reagierten inzwischen schneller - Spamming sei darum im Niedergang. Allerdings wird auf der anderen Seite ein spürbarer Anstieg beim Malware-Aufkommen erwartet. Datenklau und Identitätsdiebstahl durch Phisher und Spammer bleibe ebenfalls weiter ein Thema, vor allen Social Networks werden davon betroffen sein, prognostiziert Symantec.

Überraschend: Spanisches Gesetz gegen Internetpiraterie scheitert

Ein von der spanischen Regierung eingebrachtes Gesetz gegen Internetpiraterie ist im zuständigen Parlamentsausschuss überraschend gescheitert. Das Gesetz hätte es der Regierung erlaubt, Websites zu schließen, die widerrechtlich urheberrechtlich geschützte Filme und Musik anbieten.

Im Ausschuss stimmten die Abgeordneten am späten Dienstagabend mit 20 zu 18 gegen das Vorhaben der Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero. Seinen Sozialisten gelang es nicht, die notwendige Zustimmung einiger Oppositionsabgeordneter zu erlangen. Diese kritisierten, die Einrichtung eines Gremiums im Kulturministerium, das Klagen gegen Websites bei den Gerichte einreichen könne, komme einer Zensur des Internets gleich.

Die Regierung will das Gesetzesvorhaen jetzt überarbeiten und dann erneut ins Parlament einbringen.

dapd

Microsoft beendet Echtheitsprüfung für Office-Produkte

Seit Anbeginn der (Windows)-Zeiten gehörte die Pflicht zur Authentifizierung zu allen Updates von Microsofts Office-Produkten. Wer seine Büroanwendungen auf den neuesten Stand bringen wollte, musste durch das "Office Genuine Advantage"-System (OGA) hindurch und die Korrektheit seiner Lizenz beweisen. Diese Überprüfung diente der Eindämmung von raubkopierten, nicht originalen Office-Anwendungen.

Damit ist ab sofort Schluss. Heimlich, still und leise haben die Redmonder diese Überprüfung abgeschafft. In der Knowledge Base von Microsoft gibt es dazu lediglich die dürre Mitteilung: "Das OGA-Programm wurde deaktiviert."  Jetzt bleibt nur noch der Link zu weiteren Erläuterungen über die Vorteile einer echten Version des Büroprogramms übrig. Allerdings bedeutet das nicht, Microsoft wollte etwa die Existenz raubkopierter Windows-Programme klaglos hinnehmen."

Windows für ARM-Prozessoren

Die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas wirft ihre Schatten voraus. Gerüchten zufolge will Microsoft auf der im Januar stattfindenden Messe eine Variante seines Betriebssystem Windows 7 ankündigen, die auf stromsparende Geräte wie Tablet-Rechner und mobile Geräte zugeschnitten ist. In denen verrichten oft ARM-Prozessoren die Arbeit und verbrauchen dabei sehr wenig Energie. Diese Kooperation von Microsoft und ARM dürfte den Chiphersteller Intel kräftig ärgern. Und mehr noch: Das "Handelsblatt" erwartet von der Allianz, dass Microsoft im Marktsegment der mobilen Geräte wieder Boden gutmachen könne .

Kindle-Verkäufe übertreffen Erwartungen

Süßer die Kassen nie klingeln. Das erhofft sich das Online-Kaufhaus Amazon auch für sein elektronisches Lesebuch Kindle. In diesem Jahr könnten laut "Businessweek" mehr als acht Millionen E-Book-Reader über den Ladentisch  gehen. Damit läge Amazon 60 Prozent über den Analysten-Erwartungen zu Beginn des Jahres. Noch im vergangenen Jahr wurden lediglich 2,4 Millionen Kindles verkauft.

Gibt es einen Kompromiss bei der Vorratsdatenspeicherung?

Tauwetter im Streit um die Vorratsdatenspeicherung zwischen FDP und CDU. Innenminister Thomas de Maizière setzt auf Kompromiss. Der scheint auch nötig, denn seitdem das Bundesverfassungsgericht die bisherigen Pläne zur verdachtslosen Vorratsdatenspeicherung für unzulässig erklärte, sind die Positionen zwischen Gegnern und Befürwortern festgefahren.

Gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" schlug der Minister nun versöhnliche Töne an: "Mir ist sehr daran gelegen, dass wir beim Thema Vorratsdatenspeicherung fast zehn Monate nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts endlich zu einer Lösung  kommen." Es könne über alles geredet werden, die Dauer der Mindestspeicherfrist für Verbindungsdaten genauso wie deren Umfang und Zugriffsbeschränkungen für Strafverfolger.

Denkbar wären zum Beispiel nach Nutzungsarten gestaffelte Speicherzeiten. Telefon-, Handy- und Internetverkehrsdaten würden dann, die Zustimmung der EU-Kommission vorausgesetzt, unterschiedlich lang aufbewahrt.

Reklamewand erkennt Alter und Geschlecht

Vor acht Jahren war es nicht mehr als ein nettes Gimmick in Steven Spielbergs Hollywood-Blockbuster "Minority Report": Eine elektronische Werbewand, die auf gerade vorbeieilende Passanten zugeschnittene Reklame abspielte. Doch nun verwandelt sich die im Jahr 2054 angesiedelte Science-Fiction-Vision schon jetzt in Wirklichkeit.

Chip-Riese Intel werkelt derzeit an Werbetafeln, die auf diejenigen reagieren, die gerade davorstehen. Die werden durch integrierte Kameras erfasst, ein Gesichtserkennungsprogramm erkennt Alter und Geschlecht der so vermessenen Personen. Die Software soll außerdem darüber Aufschluss geben können, ob die Werbebotschaft bei den Reklame-Berieselten überhaupt ankommt. Erste Probeläufe in Ladengeschäften  sind bereits für das kommende Jahr geplant.

Auch das noch:

Korrektur: In der ersten Version dieses Artikels hieß es, Microsoft habe eine Windows-Version für ARM-Chips bereits angekündigt. Dem ist nicht so. Bisher gibt es nur von Microsoft nicht bestätigte Gerüchte über eine solches Projekt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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