Netzwelt-Ticker EU senkt Roamingkosten

Handy-Gespräche im Ausland sollen noch in diesem Jahr deutlich billiger werden. Apple lenkt ein bisschen ein im Streit um den 802.11n-Enabler. Und das ZDF will mehr Geld für HDTV. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.


Word: Loch ein alter Hut?

Am Dienstag warnte das Sicherheitsunternehmen Symantec seine Kunden vor einem neuen, bislang unentdeckten Sicherheitsloch in Word 2003. In Einzelfällen sei dieser Zero-Day-Exploit sogar schon von Kriminellen ausgenutzt worden. In einer E-Mail an Techweb hat Microsoft nun den impliziten Vorwurf zurückgewiesen, zu wenig gegen die Sicherheitsprobleme zu unternehmen. Der Exploit sei ein alter Hut, das aktuelle Problem nur ein Duplikat eines älteren. Man untersuche den Vorfall und schaue dann, was man in Redmond gegen das Problem tun könne.

Symantec berichtete, Word-Dokumente erhalten zu haben, die über die fragliche Sicherheitslücke einen Schädling in ein System schleusen können. Anscheinend wurden verschiedene Firmen gezielt mit derlei präparierten Dokumenten angegriffen, das gehe aus der Sprache und dem Inhalt der infizierten Textdokumente hervor.

Roaming: Gebührensenkung in Sicht

Deutsche auf Mallorca: Roaming-Abzocke bald vorbei
DDP

Deutsche auf Mallorca: Roaming-Abzocke bald vorbei

Noch in diesem Jahr wird das bisher sehr teure Roaming, also Telefonieren mit Handys aus dem Ausland, drastisch billiger. Das kündigte die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding, im Gespräch mit der WAZ an. Im Sommer werde die EU eine Obergrenze für Mobilfunk-Telefonate aus dem Ausland beschließen. Leider wird sie erst nach der Urlaubssaison in Kraft gesetzt, das sei jedoch "so sicher wie das Amen im Gebet", so Reding. Die Mobilfunkbetreiber seien selbst schuld, dass die EU nun so hart gegen Roaming-Abzocke vorgehe: Aus freien Stücken hätte keiner von ihnen die überhöhten Roaming-Gebühren gesenkt. "Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie die EU-Politik insgesamt funktionieren sollte."

Jetzt doch: Apple verkauft 802.11n-Enabler

Als vor zwei Wochen die ersten Gerüchte um den kostenpflichtigen 802.11n-Enabler die Runde machten, schlugen die Wellen hoch: Apple, so die Kritik, zieht seinen Kunden das Geld aus der Tasche. Grund für den Vorwurf waren Nachrichten, dass Apple die in neuen Core-2-Duo-Produkten bereits verbaute, aber softwareseitig blockierte 802.11n-WLAN-Hardware nur für Käufer eines Airport Extreme freischalte oder für jene, die dafür bezahlen wollen (kostenpflichtiger Download). Angeblich zwinge das amerikanisches Sarbanes-Oxley-Gesetz Apple zu diesem Zug.

Mit dieser Erklärung zeigten sich Apple-Kunden nicht zufrieden. Erstens sei die gesetzliche Lage nicht so zwingend, zweitens halte Apple doch nichts davon ab, einen Zwangspreis einfach viel niedriger anzusetzen. Auf einen Dollarcent, zum Beispiel. Das war vor zwei Wochen. Jetzt hat Apple endlich den 802.11n-Enabler im Apple-Onlineshop veröffentlicht – zum Kompromisspreis von 1,99 Dollar.

Musikdownloads: 11-Jähriger wehrt sich gegen Plattenfirmen

Nachdem seine Mutter erfolglos von der amerikanischen Plattenfirmen-Vereinigung RIAA wegen Filesharing verklagt wurde, waren ihre beiden Kinder Michelle, damals 15, und Robert Santangelo, damals 11, an der Reihe. Ein Privatdetektiv der RIAA wollte von einem Nachbarsjungen und besten Freund von Robert erfahren haben, dass er täglich Musik von einer Tauschbörse herunterlade. Eine ähnliche Klage gegen Michelle blieb von dieser unbeantwortet und lief auf ein Säumnisurteil und eine Strafe von 30.750 Dollar hinaus. Robert jedoch zeigt sich kämpferisch. Der heute 16-Jährige weist mithilfe eines Anwaltes sämtliche Vorwürfe zurück, will ein Jury-Verfahren und wirft den Plattenfirmen eine weitreichende Verschwörung zum Betrug der amerikanischen Gerichte vor. Santangelo bezeichnet die Label als Kartell, die verschwörerisch arbeiten und amerikanische Anti-Kartell-Gesetze verletzen. Aber er geht noch weiter: Musik zu verbreiten sei kein Rechtsbruch, da das vorgeworfene Vergehen längst verjährt sei. Er sagte außerdem, dass die Musikindustrie Kinder zum kostenlosen Musikdownload aufgefordert und angestachelt habe und dass die von den Plattenfirmen veranschlagte Strafe verfassungswidrig hoch sei.

Ob der Fall auch tatsächlich jemals vor Gericht landet, ist jedoch sehr fraglich. Bislang regelte die amerikanische Plattenindustrie fast jeden Fall außergerichtlich. Zumal ein Gerichtsverfahren vor einer Jury spektakulär wäre: Dort die Haie der RIAA, auf der anderen Seite ein Junge, der mit elf Jahren angebeblich Musik aus dem Netz lud. So ein Verfahren muss die RIAA mit aller Kraft vermeiden. Wie zum Beispiel auch im Fall des Nachbarn, der Robert verpfiffen hatte. Er war ebenfalls ins Fadenkreuz der RIAA gekommen und einigte sich laut Ars Technica außergerichtlich mit ihr. Natürlich wird vermutet, dass die Aussage gegen seinen besten Freund Teil dieser Einigung war.

Rundfunkgebühren: ZDF will mehr Geld für HDTV

Die einen Gebühren gehen runter, die anderen sollen rauf. Wegen der bevorstehenden Umrüstung auf den HDTV-Standard entstehen allein dem ZDF innerhalb von fünf Jahren angeblich Kosten von 80 Millionen Euro. Die, so ZDF-Intendant Markus Schächter gegenüber der FTD, werde man der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) als Gebührenbedarf anmelden. Die KEF kann daraufhin den Landesparlamenten eine Erhöhung der Rundfunkgebühren empfehlen, die daraufhin von der GEZ eingezogen werden.

Bis 31. Dezember 2008 stehen die aktuellen Gebühren fest, wie es danach weitergehen soll, wird aber bereits jetzt verhandelt. Bis April können die Rundfunkanstalten eine Erhöhung ab 2009 beantragen.

Laut Schächter will das ZDF möglichst bald nach den Olympischen Spielen mit der Umstellung auf HDTV anfangen. Die Spiele sollen bereits mit der neuen Technik ausgestrahlt werden. Die wäre aber irgendwann sowieso fällig. Soll das Technikargument eine Erhöhung der immer heftiger in die Kritik geratenen Gebühren sichern?

MySpace: Klaffende Sicherheitslöcher

In einem Interview mit Gulli.com erklärt ein MySpace-Phisher, wie einfach es ist, massenhaft persönliche Zugangsdaten von MySpace zu sammeln. Mit seiner Stalkertrack-Software habe er angeblich 200.000 gephishte Accounts, 120.000 Pageviews am Tag und die Kleinigkeit von 20.000 Dollar Reingewinn in drei Wochen gemacht. Wobei man bei diesen Zahlen vorsichtig sein muss. Der Phisher widersprach sich laut Gulli in verschiedenen Gesprächen selbst. Klar ist jedoch: Das weltgrößte Communityportal muss ein haarsträubendes Sicherheitskonzept haben. In den MySpace-Cookies seien Username, Profilbild, seine UserID und andere Daten nur unzureichend verschlüsselt abgespeichert. Angeblich machen das auch billige Sammlungen von Userdaten möglich, die im Netz gehandelt werden: 15 Dollar für 1000 Logins. Erkennbar wird das in den Spam-Wellen, die regelmäßig über MySpace hereinbrechen.

Gegen die Spammerei hilft nur eines: Surfen ohne JavaScript ( zum Beispiel mit dem NoScript-Addon für Firefox) und ein regelmäßig wechselndes Passwort, das nicht auch noch anderswo eingesetzt wird

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