Netzwelt-Ticker EU untersucht Apples Software-Markt

Wie eigenmächtig darf Apple Programme von Wettbewerbern vom iPhone-Markt aussperren? Nach US- wollen nun auch EU-Wettbewerbshüter diese Fragen klären. Außerdem im Nachrichtenüberblick: GVU hat Ärger wegen Löschaktion, Wave-Fans flehen bei Google um Gnade.

iPhone: Die EU-Wettbewerbshüter interessiert Apples eng umzäunter App Store
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iPhone: Die EU-Wettbewerbshüter interessiert Apples eng umzäunter App Store


Die recht strengen Geschäftspraktiken von Apple bei seinem App Store haben ja schon länger Kritiker auf den Plan gerufen. Seit Juni 2010 befasst sich auch die US-Wettbewerbsbehörde FTC mit dem Ausschluss von Drittanbieter-Werkzeugen vom App Store. Damit hat Apple zum Beispiel eine Portierungssoftware für Flash auf iPhone und iPad unterbunden.

Nun hat sich auch die EU den Untersuchungen angeschlossen, was die Apple-Konkurrenz aufhorchen und ein wenig hoffen lässt. Denn die EU-Kommission geht traditionell sehr hart gegen Wettbewerbsverzerrungen vor. Das musste auch Microsoft erfahren, das sein Betriebssystem Windows nur noch mit einer Browserauswahl, nicht jedoch mit lediglich vorinstalliertem Internet Explorer anbieten darf. Nun könnte für andere Unternehmen der Zugang zu Apples Verkaufsplattform möglicherweise bald erleichtert werden, wie "Cnet" vermutet.

GVU kassiert Abmahnung wegen unrechtmäßiger Videolöschungen

Im Eifer des Gefechts ist die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen und hat einige Videos bei Vimeo löschen lassen, ohne dass deren Urheber etwas davon wussten. Betroffen sind der Journalist Mario Sixtus, der den plötzlichen Verlust von vier Ausgaben seines "Elektrischen Reporters" beklagte.

Außerdem war von der Löschaktion auch Alexander Lehmann betroffen, dessen mehrfach preisgekrönter Film "Du bist Terrorist" ebenfalls in den Datenorkus gekippt worden war. Sixtus fackelte nicht lang und verlangte von der GVU umgehend eine Erklärung für die Vorgänge. Mit der Antwort, man bemühe sich um Aufklärung, gab er sich nicht zufrieden: "Das Vorgehen der GVU ist in meinen Augen nichts anderes als digitaler Vandalismus."

Also forderte er den GVU-Geschäftsführer Matthias Leonardy zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auf. Denn, so Sixtus, "die GVU bzw. der von ihr beauftragte Dienstleister haben in meine Publikationsrechte eingegriffen und dabei ein Werkzeug missbraucht, das Vimeo zum Schutz der Rechte der Urheber - also meiner - eingerichtet hat. Genaugenommen hat die GVU selbst das Urheberrecht verletzt."

Fans fordern: Rettet Wave!

Kaum hat Google sein Kommunikationssystem Wave beerdigt, regen sich im Netz Stimmen für dessen Weiterführung. Dafür wurde schon eigens eine Web-Seite online gestellt, auf Savegooglewave.com kann jeder Wave-Fan seine Unterstützung mitteilen. Schon über 26.000 Surfer hatten bis Mittwoch vormittag ihre Zustimmung bekundet und sich der dramatischen Erklärung der Seite angeschlossen: "Als wir davon hörten, Google Wave solle abgeschaltet werden, waren wir niedergeschmettert. Wave ist ein unbezahlbares Tool, mit dem wir jeden Tag an Projekten zusammenarbeiten. Helft uns, es am Leben zu erhalten!"

iPhone-Nutzer haben angeblich mehr Sex

Zur Abwechslung mal wieder eine Studie: Was dem Boulevard im Sommerloch das Krokodil im Badesee ist, das bedeutet der Apple-Hype dem Netzbewohner. Also freut er sich, vor allem dann, wenn er stolzer Besitzer eines iPhones ist. Dann hat er nämlich doppelt so häufig Sex wie seine Mitmenschen, die ohne das schicke Gerät auskommen müssen.

Das behauptet zumindest eine Studie, die das Paarungsverhalten von Smartphone-Besitzern auflistet. Nach den umtriebigen iPhone-Besitzern liegen Blackberry-Nutzer auf Platz zwei, ganz schlecht sieht's für Android-Fans aus. Sie bilden das Schlusslicht und bekommen den Blaustrumpf-Preis.

Abgesehen davon, dass es reichlich mutig ist, vom iPhone-Besitz auf durchschnittlich zwölf Sexualpartner während der gesamten Lebenszeit zu schließen, sollten ältere Herrschaften nicht vorschnell das Viagra wegwerfen. Denn Korrelation ist bekanntlich nicht gleich Kausalität. Und keine Frau schmilzt willig dahin, nur weil jemand mit einem Telefon vor ihren Augen wedelt.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Kabe 11.08.2010
1. Schwarzsurfen ist straffrei?
...seltsam, dass der Link dann aber auf lauter Urteile verweist, nachdem Schwarzsurfen strafbar ist!
kaitou1412 11.08.2010
2.
Toll … iPhone Besitzer sind eigentlich die Menschen, denen teures Aussehen sowieso vor Inhalten geht. So sehen sie dann auch selbst aus ihrer Gesinnung nach und haben natürlich somit auch mehr Erfolg beim anderen Geschlecht. iPhone Nutzer haben also nicht mehr Sex, sondern Leute mit mehr Sex kaufen sich eher ein simples, hippes iPhone, weil sie eben mehr mit Sex (und dem drumrum) zu tun haben. Thats it.
Geonom 11.08.2010
3. Wie eigenmächtig darf Apple ...
... NETZBETREIBER vom iPhone-Markt aussperren? Was sich hier an Flickenteppich in der EU präsentiert, ist ein Schlag ins Gesicht jeder EU-Banane, -Gurke, usw. usf. ... . Das ganze Protektionistengehabe der Lobbyisten in der Europäischen Union unter dem Deckmäntelchen eines "freien Wettbewerbs" pendelt einfach nur noch zwischen peinlich und lächerlich!
VorwaertsImmer, 11.08.2010
4. Apple soll behandelt werden wie Microsoft!!!!
Apple bekommt doch momentan noch eine Sonderbehandlung. Microsoft hat man schon verurteilt weil nicht Standardmässig der Anwender zwischen Internet-Browsern wählen musste. Dabei hatte der Anwender stets die Möglichkeit, eine andere Software zu installieren. Nicht so bei Apple. Apple dichtet sich bewusst ab: Der Verbraucher wird systematisch eingeschüchtert, es wird mit dem Verlust der Garantie gedroht und die Geräte verbarrikatiert. Das iPhone lässt sich nur in bestimmten Netzen betreiben usw. Man stelle sich vor, Microsoft hätte in sein Betriebssystem ähnliche Sperren eingebaut. Liebe EU: Verklagt endlich Apple! Die sollen für die Verbraucherfeindlichkeit genauso viel Millionen zahlen wie Microsoft! Ich persönlich boykottiere ja arrogante Unternehmen, die Verbraucher abzocken und gängeln wollen. So cool ist das Geraffel mit dem angebissenen Apfel ja auch wieder nicht. Was für Angeber die sich Status kaufen müssen, weil sie ihn nicht haben (lach!)....
Niamey 12.08.2010
5. GVU kassiert Abmahnung
Zitat von sysopWie eigenmächtig darf Apple Programme von Wettbewerbern vom iPhone-Markt aussperren? Nach US- wollen nun auch EU-Wettbewerbshüter diese Fragen klären. Außerdem im Nachrichtenüberblick: GVU hat Ärger wegen Löschaktion, Wave-Fans flehen bei Google um Gnade. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,711263,00.html
Wer oder was ist die GUV? Ist das auch so ein selbstherrlicher Selbstbedienungsladen wie die GEZ? Wer finanziert die? Woher kommen deren Mitarbeiter? Ich könnte auf Anhieb keine dieser Fragen beantworten. Dafür wurmt es umso mehr, dass da ein Verein existiert, der sich mit Rechten wie eine Staatsanwaltschaft ausgestattet sieht und scheinbar auch so handeln darf.
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