Netzwelt-Ticker Ex-Googler attackieren Google

Google bläst sich auf und bekommt Konkurrenz von Ex-Google-Angestellten. Facebook wird schon wieder verklagt, diesmal wegen Scrabble. Das Bertelsmann-Netzwerk macht dicht und schickt seine Nutzer zur Konkurrenz. Das und mehr im Überblick.


Suchmaschinenriese Google fand es mal wieder an der Zeit darauf hinzuweisen, wie groß man inzwischen geworden ist. Also kramten die Verantwortlichen ein bisschen in den Tiefen der Suchalgorithmen und zogen eine Zahl aus dem Hut: eine Billion. So viele Webseiten hat der Google-Bot nun angeblich indiziert und durchforstet sie für jede Suchanfrage. Im Jahr 2000 betrug die Anzahl der indizierten Seiten noch eine Milliarde. Ein beeindruckendes Wachstum, allerdings gibt es ein Detail, das ein wenig Wasser in den Statistikwein gießt. Eine ganze Reihe der im Index enthaltenen Seiten dürften schlichte Dubletten, die Zahl "richtiger" Seiten wesentlich geringer sein.

"Cuil": Gegner für Google?

"Cuil": Gegner für Google?

Das finden auch einige Ex-Google-Mitarbeiter, die heute mit einem Konkurrenzangebot namens "Cuil" an den Start gehen. Die Suchmaschine soll schneller sein und mit 120 Milliarden erfassten Seiten dreimal so viele im Index haben wie Google, das, anders als behauptet, nur 40 Milliarden Dateien indiziert habe, so Anna Patterson, eine der Gründerinnen und nebenbei eine profilierte Ex-Google-Mitarbeiterin . Cuil loggt die IP-Adressen der Seitenbesucher nicht und sammelt auch sonst keine Nutzerdaten. Ganz im Unterschied zum großen Bruder, der entsprechende Daten zur kommerziellen Verwertung für anderthalb Jahre speichert. Der Name der neuen Seite stammt aus dem Gälischen, das Wort "Cuil" soll "Wissen" bedeuten - und wird ausgesprochen wie "cool". Die neue Suchmaschine unterscheidet sich schon optisch stark von Google: Der Bildschirmhintergrund ist umweltfreundlich schwarz, die Ergebnisse werden in mehreren Spalten und mit mehr Text und Bildern präsentiert. Die Suchmaschine soll anders als Google funktionieren und Seiten mehr über ihre Inhalte als über Popularität und Link-Zahl bewerten. Wie gut das funktioniert, werden eingehendere Tests zeigen müssen.

Die Gerüchte über die Übernahme des Nachrichten-Bookmark-Dienstes Digg.com durch Google haben sich unterdessen offenbar erledigt. Noch in der letzten Woche befanden sich die zukünftigen Partner angeblich in letzten und abschließenden Gesprächen, dabei war von einem Übernahmepreis von 200 Millionen Dollar die Rede. Es war bereits das zig-ste Gerücht über eine Angebliche Digg-Übernahme, das kurz darauf wieder dementiert und begraben wurde.

Hasbro verklagt Facebook

Jeder kennt das Wörterratespiel Scrabble, bei dem man aus einzelnen gezogenen Buchstaben Wörter zusammensetzen muss. Den Zeitvertreib gibt's nicht nur analog aus Holz und Karton, sondern auch in einer virtuellen, abgewandelten Version beim Social Network Facebook. Dort heißt das Spiel "Scrabulous". Allerdings mit dem Schönheitsfehler, nicht vom Scrabble-Hersteller Hasbro lizenziert zu sein. Das ursprünglich von zwei Brüdern programmierte Spiel wurde ohne große Prüfungen von Facebook übernommen, und das könnte sich jetzt unter Umständen als teurer Spaß herausstellen. Denn Hasbro verklagt neben der kleinen Software-Firma der Brüder auch Facebook mit dem Ziel, entweder das sehr beliebte Online-Spiel (eine halbe Million Spieler am Tag) zu stoppen oder einen ordentlichen Batzen Schadensersatz herauszuschlagen.

MySpace-Wachstum schwächer

Die Video- und Musiknetzwerk MySpace wächst sowohl in den USA wie auch weltweit nach wie vor - aber mit immer geringerem Tempo. Immerhin lag die Zuwachsrate im April 2008 noch bei zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert. Trotzdem gibt es für MySpace-Besitzer Rupert Murdoch Trost: die Investmentbanker von Goldman Sachs gestehen ihm zu, im Internet jetzt Geld zu verdienen. Zwar nicht so viel wie erhofft, aber immerhin schätzen die Analysten, dass Murdochs Online-Besitz Fox Interactive Media in diesem Jahr 155 Millionen US-Dollar Vorsteuergewinn machen wird.

MyBertelSpace schickt Nutzer ins RTL-Netz

Das dritte Social Network, das hier heute Erwähnung findet, bekommt einen Nekrolog. Es geht um den MySpace-Klon Bloomstreet, mit dem der Medienkonzern Bertelsmann ins Web-2.0-Geschäft vorstoßen wollte. Offensichtlich ohne Erfolg, denn im August ist Schluss. Das ist schon länger bekannt, aber seit heute verschickt die Zentrale E-Mails, in denen die Bloomstreet-Mitglieder über das unmittelbar bevorstehende Ende des Angebots informiert. Immerhin: die Verantwortlichen geloben die Löschung sämtlicher Nutzerdaten. Trotzdem sollen die User für das Gütersloher Medienhaus nicht gänzlich verlorengehen: als Alternative wird der Dienst "Wer kennt wen" angeboten, der unter anderem RTL Interactive gehört, einer Tochter von RTL Television - das wiederum zum Großteil Bertelsmann gehört. Wer-kennt-Wen hat nach eigenen Angaben bereits über drei Millionen Mitglieder.


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