Netzwelt-Ticker Facebook baut Rechenzentrum am Polarkreis

Wasserkraft und niedrige Außen-Temperatur: Facebook baut in Nordschweden sein Europa-Rechenzentrum. Außerdem im Nachrichten-Überblick: US-Abgeordnete wollen Internetsperren einführen und das selbsternannte Anti-Facebook Unthink.com legt los.
Facebook-Pläne: So soll das Rechenzentrum im Norden Schwedens aussehen

Facebook-Pläne: So soll das Rechenzentrum im Norden Schwedens aussehen

Foto: Sweco/ dpa

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook baut sein erstes europäisches Datenzentrum knapp unter dem Polarkreis im nordschwedischen Luleå, damit zehntausende Server in drei riesigen Hallen leichter und stromsparender gekühlt werden können.

Drei Server-Hallen mit einer Fläche von 28 000 Quadratmetern sollen entstehen. Der hohe Strombedarf soll ausschließlich mit Wasserkraft gedeckt werden. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Bauaufträge für etwa 800 Millionen Kronen (umgerechnet etwa 88 Millionen Euro) vergeben. Die Serverhallen sollen nacheinander zwischen Ende 2012 und 2014 in Betrieb genommen und von insgesamt 30 bis 50 Mitarbeitern in Gang gehalten werden. (dpa)

US-Abgeordnete planen Internet-Sperrliste

Eine Überarbeitung des umstrittenen (und derzeit blockierten) amerikanischen Protect-IP-Gesetzes hat als Gesetzesvorschlag das US-Repräsentantenhaus erreicht - und viele US-Internetmedien sind sich einig: Aus schlimm wird damit schlimmer .

  • Mit dem neuen Protect IP Act könnten Rechteinhaber auf Zuruf und ohne Kontrolle Web-Anbieter dazu zwingen, bestimmte Inhalte zu löschen - die Überprüfung, ob die Löschanträge berechtigt sind, obläge dem Anbieter.
  • US-Abgeordnete könnten eine Sperrliste von Websites erstellen, deren Adressen nicht mehr über amerikanische Internet-Anbieter erreichbar sein dürften.
  • Die Schutzwirkung des Urheberrechts-Gesetzes DMCA würde verblassen.
  • Die Reichweite der Internet-Gesetze würde von Internetseiten, die vor allem die Verletzung von Schutzrechten als Inhalt transportieren, auf quasi alle Inhaltsangebote ausgeweitet.

Für die amerikanische Bürgerrechtsorganisation EFF ist die Rückkehr des Protect IP Acts als "Stop Online Piracy Act (SOPA)" ein Desaster ; Techdirt bezeichnet das Vorhaben als "lächerlich schlecht" , das neue Kapitel "E-Parasite Act" (für "Enforcing and Protecting American Rights Against Sites Intent on Theft and Exploitation Act"( Entwurf als PDF ) sei eine "Ausgeburt und eine Beleidigung der Verfassung". Ars Technica erklärt, wie eine Medienwelt aussehen könnte, in der dieses Gesetz gilt: "Stell Dir eine Welt vor, in der Eigentümer geistige Eigentumsrechte, ohne vor einem Richter sprechen, ohne einen Fuß in einen Gerichtssaal setzen zu müssen, das Werbeprogramm jeder Website abschalten und Kreditkarten-Zahlungsverkehr blockieren können."

Doch so groß die Aufregung um SOPA ist: Auf eine baldige Umsetzung des Gesetzesvorschlags sollte kein Rechteinhaber setzen. Für eine Umsetzung wäre neben der Zustimmung der US-Repräsentantenhauses auch die des US-Senats notwendig. Doch der hat - nach zunächst einstimmiger Zustimmung - erst im Mai die Fortentwicklung des umstrittenen Protect IP Acts verhindert .

Was sonst am Donnerstag wichtig in der Netzwelt war

  • Googles halbjährlicher "Transparency Report" besorgt nicht nur deutsche Surfer. Die britischen Behörden forderten YouTube allein im letzten Halbjahr 135 Mal auf, Videos zum Wohle der "nationalen Sicherheit" zu löschen . Weltweit folgte YouTube-Mutter Google dieser und anderen Aufforderungen in 82 Prozent der Fälle.
  • Apple droht doch kein Verkaufsverbot für das iPhone 4S in Italien ( italienisch , deutsch ). Konkurrent (und Zulieferer) Samsung wollte per einstweiliger Verfügung den Verkaufsstart am Freitag verhindern, ein Mailänder Handelsgericht wies den Antrag zurück - am 16. Dezember wird der Fall neu verhandelt.
  • Wikimedia verstärkt die Anstrengungen, den Wissensvorrat der Wikipedia auch Handy-freundlich aufzubereiten  - und als kostenlose Standard-Funktion in WAP-Browser älterer Handys, wie sie etwa in Afrika weit verbreitet sind, unterzubringen.
  • Das "Anti-Facebook" Unthink.com  ist eröffnet - und damit die Diskussion: Ist Unthinks Revolutions-Gehabe naiv-optimistisch oder zynisch-kapitalistisch ?

  • Nachdem konservative britische Medien den Occupy-XY-Demonstranten mangelndes Durchstehvermögen mit Hilfe von Wärmebildkameras nachzuweisen trachteten, meldet sich jetzt ein Wissenschaftler zu Wort: Die Wärmebildkameras waren offensichtlich falsch eingestellt .

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