Netzwelt-Ticker Facebook macht auf Open Source

Facebook öffnet sich und bleibt trotzdem abgeschottet. Außerdem: EU ermittelt gegen Intel, Australier basteln am Holo-Doc, CDU-Nachwuchs chattet sich um Kopf und Kragen, und der iPod bleibt so teuer, wie er ist. Das und mehr im Überblick.


Facebook macht auf Open Source

Fcebook-Chef Mark Zuckerberg: Folgt dem Trend zu offenen Schnittstellen
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Fcebook-Chef Mark Zuckerberg: Folgt dem Trend zu offenen Schnittstellen

Es sieht aus wie eine Kursänderung, ist aber wohl nur die konsequente Fortführung eines einmal eingeschlagenen Weges. Das Social Network Facebook wandelt seine Plattform in ein Open-Source-Projekt um, weiß "Techcrunch" zu berichten.

Mit den offengelegten APIs kann sich nun jedes soziale Netzwerk an Facebook angleichen - und damit auf lange Sicht einen großen Verbund unterschiedlichster Plattformen schaffen. Damit kopiert Facebook das, was Google mit seinem "Opensocial" bereits aufgelegt hat und wogegen sich die Plattformbetreiber hartnäckig abgeschottet hatten. Inwieweit diese Aktion nun von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten. Zum einen kommt sie reichlich spät und gleichsam als Copycat daher. Außerdem konterkariert sie die grundsätzliche Idee der grenzüberschreitenden Plattformen, indem sie wieder einen exklusiven Zweitstandard einzuführen versucht.

Gigabyte bleibt doch billig

Am Montag machte die Nachricht die Runde, eine Verwertungsgesellschaft namens Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) wolle bei MP3-Playern auf jedes Gigabyte Speicherkapazität eine Abgabe von einem Euro plus Mehrwertsteuer erheben. Was nach dem seit Januar veränderten Urheberrecht, das auf bestimmte Geräte Abgaben vorsieht, auch ganz logisch klang. Und womit sich ein 160-GB-iPod mal eben um schlanke 200 Euro verteuern würde.

Stimmt alles nicht, haben wir nie gefordert, sagt die ZPÜ nun. Ein entsprechendes Schreiben an iPod-Hersteller Apple habe es nicht gegeben, alles sei ein "Missverständnis".

Dumme Sprüche bei StudiVZ: JU-Funktionär tritt zurück

Die Union hat ein Problem mit ihrem Nachwuchs, so scheint es zumindest. Erst beeindruckt der RCDS-Bundesvorsitzende mit seinem Vorschlag eines einkommensabhängigen Zweiklassenwahlrechts, nun gelangte auch ein Funktionär der Jungen Union (JU) in die Schlagzeilen.

Der Vizechef des hessischen Landesverbandes Thomas Müller demonstrierte sein eigenwilliges Verständnis von Humor und mischte kräftig in StudiVZ-Mitgliedergruppen mit aussageträchtigen Namen wie "Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten", "Brot für die Welt - Fleisch für mich" oder "Krieg ist Scheiße, aber der Sound ist geil" mit. Nach Bekanntwerden kamen kritische Nachfragen, nun trat Müller von seinem Amt wieder zurück.

Nicht der erste, dem seine Aktivitäten auf Deutschlands führender Plattform für sexuelle Anbahnungen und Basalhumor zum Verhängnis wurden. Offensichtlich steigert häufiger Mediengebrauch nicht unbedingt auch die Medienkompetenz.

EU ermittelt gegen Intel

Schon seit längerem haben die europäischen Wettbewerbswächter unter Kommissarin Neelie Kroes die Vertriebspraktiken des Chipherstellers Intel im Visier. Dessen marktbeherrschende Stellung wurde nicht zuletzt auch mit diversen Zückerchen an die Kundschaft erreicht. PC-Hersteller, die Rabatte kassieren, Händler, die mit Werbekostenzuschüssen geködert werden, mit alledem wird bald Schluss sein.

Diese Praktiken, mit denen Rivalen aus dem Markt gedrängt werden sollen, verstießen gegen geltendes EU-Recht. Neben unerlaubten Vergünstigungen habe Intel seine Vertriebspartner auch mit Drohungen gefügig zu machen versucht. Und das könnte noch ein teurer Spaß werden, die EU pflegt derlei Vorgänge nicht zimperlich zu bestrafen.

Neben dem Verbot des bisherigen Vertriebs blüht dem US-Konzern ein Superknöllchen von bis zu zehn Prozent seines Jahresumsatzes, womit im Ernstfall 2,6 Mrd. Euro fällig wären. Doch auch Empfänger von Intels finanziellen Überredungshilfen kommen möglicherweise nicht ungeschoren davon: Elektrohändler Saturn, immerhin Europas Marktführer, ließ sich laut "FDT" seine Treue zu Intel mit hohen zweistelligen Millionenbeträgen vergolden und wird derzeit ebenfalls kritisch durchleuchtet.

Wikipedia: Sechs Links verbinden alles mit allem

Filmfans kennen das alte Spiel "Six Degrees of Kevin Bacon", mit dem jede beliebige Person auf der Welt über höchstens sechs andere Menschen schrittweise mit dem US-Schauspieler Kevin Bacon verknüpft werden kann. Das Prinzip des Spiels lässt sich allerdings auch modernisieren und der virtuellen Welt anpassen, zum Beispiel an Wikipedia-Artikel.

Anstelle des Kriteriums "kennt persönlich" wird einfach "ist verlinkt mit" benutzt. So kann auch für Einträge in der Online-Enzyklopädie ein "Bacon-Wert" angegeben werden, der besagt, wie "nahe" sie anderen Artikeln sind. Die Idee hatte ein Blogger, der herausfinden wollte, wo sich das "Zentrum" von Wikipedia befindet, also der Eintrag mit der kürzesten Distanz zu anderen.

Für die englischsprachige Wikipedia lautet die Antwort auf die Frage nach deren Mittelpunkt übrigens "2007". Wer das enttäuschend findet, sollte bedenken, dass die Antwort auf die Frage "nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" die Zahl 42 ist. Manchmal werfen eben die scheinbar einfachsten Antworten die meisten neuen Fragen auf.

Mit dem 3D-Hologramm zur Konferenz

Und wieder rückt die Welt von "Star Trek" ein Stückchen näher. Hugh Bradlow, der Technikchef des australischen Telko Telstra, erschien auf einer Konferenz nicht persönlich, sondern als dreidimensionale Projektion. Das Hologramm wurde über eine Distanz von über 700 Kilometern von Melbourne nach Adelaide übertragen.

Und das nicht etwa als dröges Standbild, sondern live, bewegt und fähig zur Interaktion. Durch eine Kameraverbindung war Bradlow über das Geschehen im Saal seines virtuellen Erscheinens informiert. Telstra hofft, für den Bereich von Business-Meetings eine interessante Alternative erfunden zu haben, die lebensnäher als Videokonferenzen ist und Managern trotzdem zeitraubende Flüge um die halbe Welt erspart. Allerdings können die 3D-Hologramme noch nichts berühren. Bis sie wie der Holo-Doc auf dem Raumschiff "Voyager" ganz selbstverständlich mit Gegenständen umgehen können, wird also noch ein wenig Zeit vergehen.

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