Netzwelt-Ticker Facebook schwelgt in Erinnerungen

Freundschaftsseiten, die persönliche Kontakte öffentlich machen, könnten Facebook Ärger bescheren. Außerdem: Google, Yahoo, Ebay und HP wird eine Beeinflussung des US-Wahlkampfes unterstellt. Mit dem Mount Everest wurde das höchste Funkloch der Welt geschlossen. Das und mehr im Überblick.

Facebook: Offenlegung von persönlichen Beziehungen könnte Nebenwirkungen haben
AFP

Facebook: Offenlegung von persönlichen Beziehungen könnte Nebenwirkungen haben

Von Carolin Neumann


Facebook stellt mal wieder was Neues vor: Freundschaftsseiten, auf denen alles aggregiert wird, was zwischen zwei Freunden im Netzwerk passiert. Das reicht von wechselseitigen Pinnwandeinträgen bis hin zu Bildern, auf denen beide markiert sind.

Der bei Facebook-Neuerungen übliche Sturm der Entrüstung dürfte diesmal zwar lauer ausfallen, denn die Freundschaftsseiten greifen auf bereits bestehende Privatsphäre-Einstellungen zurück. Das aber bedeutet nicht, dass das neue Feature nicht eine Vielzahl an Kritikern hätte. Auch wenn es nur auf bereits vorhandene Informationen zugreift, macht es doch Zusammenhänge sichtbar, die man sich zuvor erst mühsam zusammensuchen musste.

Digitaltrends.com glaubt, dass die Seiten ähnlichen Ärger heraufbeschwören könnten wie kürzlich erst Fotos von Ex-Partnern, die seither bei Änderungen des Beziehungsstatus automatisch blockiert werden. Tech.Blorge nennt das Ganze "ein bisschen gruselig" und fürchtet, dass man auf diese Weise damit konfrontiert wird, wie oberflächlich seine Freundschaften bei Facebook doch sind. Was letztlich halb so tragisch ist, so das Resümee von Netzwertig, denn es zeige nur einmal mehr, dass man "seine Aktivität bei dem Social Network auf das beschränken (sollte), wozu man im Nachhinein auch in anderen Zusammenhängen offen stehen kann".

Apropos: Auch unser Hauszeichner Jamiri hat sich zur Eindimensionalität und zu den Risiken des Social-Network-Wahns zuletzt einige Gedanken gemacht.

Fotostrecke

3  Bilder
Jamiri: Falsche Feinde
Google und Co. wegen politischer Kampagne in Bedrängnis

Google, Yahoo, Ebay und Hewlett-Packard wird eine bewusste Beeinflussung des US-Wahlkampfes unterstellt. Es ist herausgekommen, dass die IT-Unternehmen zu den Sponsoren einer Negativkampagne der Republikaner gehören. Ziel ist die kalifornische Staatsanwaltskandidatin Kamala Harris, in der jüngeren Vergangenheit gerne als "weiblicher Obama" tituliert, deren Opposition zur Todesstrafe in dem Spot angegriffen wird.

Auf Techcrunch verteidigen sich drei der betroffenen Firmen gegen die Unterstellung, die Kampagne bewusst zu unterstützen. Man spende stets beiden politischen Lagern, werde aber nicht über die Verwendung der Gelder informiert. Der Blog wirft nun die Frage auf, ob nicht doch mehr hinter der Beteiligung steckt. Etwa, dass es im Interesse der Firmen sei, einen ihnen wohlgesonnenen Kandidaten zu unterstützen, was auf Harris nicht zutrifft.

US-Demokraten fordern Freiheit im Web

Ein solches Interesse der großen Firmen dürfte es sein, möglichst vorteilhaft behandelt zu werden, sollte sich die US-Politik je auf eine Richtung in Sachen Netzneutralität einigen können. Die politische Diskussion um das Thema ist merklich abgekühlt, auch wenn in den Hinterzimmern weiter verhandelt wird. Jetzt versuchen an die 100 Demokraten, Netzneutralität zum Wahlkampfthema der Midterm Elections zu machen.

Reiner Populismus, glaubt Wired, und aussichtslos scheint die Kampagne obendrein. Zumal die "Washington Post" warnt: Wenn die Republikaner tatsächlich die Mehrheit im Kongress holen, liegt die Netzneutralität weiter auf Eis.

Adobe gesteht Zero-Day-Exploit

Keine Woche vergeht, ohne dass von irgendwo ein neues Sicherheitsproblem in Adobe-Software verkündet wird. Die aktuelle Lücke, die Angriffe durch ein schädliches PDF-Dokument möglich macht, betrifft Acrobat, Reader und den Flash Player. Adobe zufolge wird die Schwachstelle bereits ausgenutzt, ein Patch soll in zwei Wochen kommen.

YouTube-CEO künftig nur noch Berater

Fünf Jahre an der Spitze sind ihm genug: YouTube-Gründer Chad Hurley zieht sich von seinem Posten als CEO zurück und will künftig nur noch beratend für das Unternehmen tätig sein. Bekanntgegeben hat er das im Gespräch mit Robin Wauters von Techcrunch. Hurley betonte dabei auch, dass sich bei YouTube nicht viel ändern werde, da ohnehin längst ein anderer das Tagesgeschäft führe.

Chinesische Firma hat I-Pad-Patent

Der strauchelnde taiwanesische Monitorhersteller Overview droht Apple mit einer Patentklage. Vor rund zehn Jahren versuchte das Unternehmen erfolglos, einen Tablet-PC unter dem Namen I-Pad zu etablieren. Overview sicherte sich seinerzeit die Patentrechte sowohl für China als auch die EU, Mexiko und mehrere asiatische Länder. Und da kommt Apple ins Spiel.

Alle bis auf das chinesische Patent wurden 2006 verkauft, an eine Firma, hinter der offenbar Apple steckte; für das verbleibende Patent meldet die Firma nun Ansprüche an. Apple ignoriere mit dem Verkauf des iPads in China das Markenrecht, sagte der Vorstandsvorsitzende Yang Rongshan in der "Financial Times" und kritisierte das Vorgehen als "arrogant". Apple wollte sich zu der drohenden Klage nicht äußern.

Nie wieder Funkloch

Gute Nachrichten, falls Sie gerne mal den Mount Everest besteigen würden, aber wegen des schlechten Handyempfangs dort oben bislang immer gezögert haben: Seit Neuestem steht am Fuße des welthöchsten Bergs die welthöchste 3G-Sendeanlage. Obwohl noch nicht offiziell getestet, sollten Bergsteiger laut Betreiberfirma auch auf dem Gipfel des Everest kein Problem haben, Mama zu Hause kurz eine E-Mail zu schreiben: "Bin gut angekommen!" Wenn es nicht zu kalt wird für den Akku, versteht sich.

Auch das noch:



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.