Netzwelt-Ticker Facebook verbannt nackte Porzellanpuppen

Auch Facebook hat jetzt sein Nipplegate, Telkos basteln am Zwei-Klassen-Netz und 4chan hackt Justin-Bieber-Videos. Dies und mehr im Überblick.
Juwelier-Werbeseite bei Facebook: Schwarze Balken vor der Puppenbrust

Juwelier-Werbeseite bei Facebook: Schwarze Balken vor der Puppenbrust

Wir haben uns ja inzwischen alle an die gestrenge Haltung gewöhnt, die Apple bei der Zulassung von Apps an den Tag legt. Ist auch nur eine Brustwarze zu sehen, fällt die Schranke. Diese Keuschheit ist auch bei Facebook Unternehmensprinzip. Wie prüde das Social Network dabei vorgeht, demonstrieren dieser Tage die Erfahrungen einer australischen Schmuckhändlerin.

Victoria Buckley aus Sydney führt ein Juweliergeschäft und einen Facebook-Account. Um die Edelsteine ein bisschen besser in Szene zu setzen, hat Buckley ein Plakat ins Schaufenster gehängt, das eine unbekleidete Porzellanpuppe nebst zwei Goldringen präsentiert. Dieses Motiv zeigt sie auch auf ihrem Facebook-Profil. Allerdings hat sich im Unterschied zum Original ein zusätzliches Detail eingeschlichen. Quer über den Brustbereich haben die Facebook-Verantwortlichen einen schwarzen Balken gelegt, um die Besucher der Seite vom schockierenden Anblick einer nackten Puppe  zu schützen.

Facebook

Zuvor hatte Buckley über das Wochenende nicht weniger als sechs Warnungen von erhalten, das Puppenbild stelle "unangemessenen Inhalt" dar und verstoße gegen die Geschäftsbedingungen. Der "Sydney Morning Herald" merkt dazu an, dass dieser Akt des Gouvernantentums nur das jüngste Ereignis in einer langen Kette ähnlicher Vorgänge sei. So habe das Unternehmen zuvor schon Bilder von stillenden Müttern gelöscht. Auch Motive von brustamputierten Frauen wurden entfernt, obwohl es den Urhebern dabei um Brustkrebsvorsorge gegangen war. Buckley ist inzwischen stocksauer. In ihrem Laden würde das Motiv seit Monaten hängen, sagt sie, ohne jede Beschwerde. Facebook benehme sich mit seinem amerikanischen Puritanismus ziemlich spießig. Gegen Facebook-Gruppen mit nackten Michelangelo-Figuren  habe merkwürdigerweise niemand etwas.

Telkos planen teures, schnelles Netz

Das "Handelsblatt" berichtet von Planungen der Mobilfunkanbieter für die Zeiten steigenden Datenverkehrs. Der wächst vor allem wegen immer häufiger heruntergeladener Videos rasant an. Um den erforderlichen Ausbau der Kapazitäten erreichen zu können, setzen die Verantwortlichen auf LTE-Technologie (Long Term Evolution). LTE lasse einen zehnfach höheren Datendurchsatz zu als das heute verbreitete UMTS. Allerdings kostet die Sache auch etwas, Experten würden den Bedarf auf zwei Milliarden Euro innerhalb der kommenden fünf Jahre schätzen, so die Zeitung. Das Geld wollen sich die Mobilfunknetzbetreiber gern vom Kunden zurückholen. Dazu könnten Premiumangebote aufgelegt werden, die nach Bezahlung den Zugriff auf eine größere Bandbreite ermöglichen würden. Ein Motto haben die Telkos auch schon, "nicht billig, sondern besser surfen" könnte es lauten, so ein Berater zu der Zeitung.

Die Aussichten auf ein Zwei-Klassen-Netz  machen nicht allen Freude. Kritiker sehen das seit Anfang der Digitalzeiten geltende Prinzip der Netzneutralität in Gefahr. Darauf weist auch Netz-Zensur-Bekämpfer Alvar Freude hin: "Der Erfolg des Internets beruht auf Diskriminierungsfreiheit und Transparenz." Soll heißen, jeder kann mit jedem mit der jeweils bestmöglichen Geschwindigkeit kommunizieren. Und dieses Prinzip könnte nun bedroht sein. Alvar Freude: "Man muss sich fragen: Ist es fair gegenüber dem Kunden, wenn das Internet plötzlich aus nicht nachvollziehbaren Gründen für einzelne Kunden langsamer wird?"

Zwei Milliarden Firefox-Add-ons heruntergeladen

Zwar scheint der Mozilla-Browser Firefox seit einiger Zeit die Grenzen des Wachstums erreicht zu haben, aber er steht in den Beliebtheitslisten immer noch weit oben. Das liegt auch an den Add-ons, kleinen Helferlein, mit denen sich jeder Nutzer seinen Browser auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden kann. Von Sicherheitstools bis zum bunt aufgepeppten Aussehen des Programms reicht die schier unendliche Palette der Möglichkeiten. Inzwischen haben Firefox-Nutzer weltweit mehr als zwei Milliarden dieser Add-ons  heruntergeladen, wie die Verantwortlichen mitteilten.

Bücher sind quasi schneller als iPad und Kindle

Jakob Nielsen ist Experte für Benutzerfreundlichkeit und als solcher hat er sich mit der Lesegeschwindigkeit befasst, die Besitzer eines Kindle oder iPad im Vergleich zum traditionellen Buchleser erreichen. Das Ergebnis der Studie: Print siegt. Das Lesen elektronisch dargebotener Texte verlangsamt sich um 6,2 (iPad) bis 10,7 Prozent (Kindle), verglichen mit der Lektüre eines gedruckten Textes . Allerdings würden die zahlenmäßigen Unterschiede zwischen iPad und Kindle nicht ins Gewicht fallen, sie lägen noch innerhalb der üblichen statistischen Schwankungsbreite. Was auch daran liegen könnte, dass die Zahl von Nielsens Probanden recht überschaubar war. Gerade einmal 24 Lesefreunde steuerten ihre Messdaten bei.

Justin-Bieber-Videos auf YouTube gehackt

Da haben es sich die Netz-Anarchos von 4chan wohl endgültig mit den Kreisch-Teenies verscherzt. Am Sonntag haben sie die Seiten des Videoportals YouTube gehackt, indem sie eine Sicherheitslücke im Kommentarsystem ausnutzten. Die erlaubte, HTML-Code direkt in die Seite einzuprogrammieren. Einmal drin, befassten sich die Spaß-Hacker vor allem mit Musikvideos, und hier besonders jenen des Mädchenschwarms Justin Bieber. Andauernd erschienen Pop-ups, die stolz mitteilten, diese Seite sei gehackt worden . Manchmal war da auch zu lesen, Justin Bieber sei plötzlich verstorben, mehr Informationen würde man auf der Homepage von CNN finden.

Die Sicherheitslücke wurde von Google nach wenigen Stunden wieder gestopft. Der Angriff war nur der jüngste Streich von 4chan gegen den jugendlichen Schmusesänger. Erst streuten sie Gerüchte, Bieber leide an Syphilis, vergangene Woche versuchten sie, den singenden Teenie nach Nordkorea  zu schicken. Sie hatten, wie so oft mit schierer Masse, eine Seite manipuliert, auf der Bieber-Fans abstimmen konnten, wo ihr Held seinen nächsten Auftritt abhalten solle.

Auch das noch:

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.