Netzwelt-Ticker Filme sind auch nur lange Fotos

Yahoos Fotodienst erlaubt jetzt auch das Hochladen von Videoclips, die elektronische Gesundheitskarte überfordert sämtliche Beteiligten, der Streit um die Entstehung von Facebook steht vor der Beilegung. Das und mehr im Überblick.


Flickr spielt YouTube

Es ist noch gar nicht solange her, da versprach Flickr mal wieder, nun aber wirklich ins Zeitalter der Bewegtbilder einzutreten - und tatsächlich, seit gestern geht es. Die zahlende Kundschaft des Bilderdienstes darf nun auch Videoclips hochladen. Allerdings ist es nach wie vor nicht möglich, seinen Freunden den eigenen Lieblingsfilm zu präsentieren, denn die Länge der Clips ist auf 90 Sekunden beschränkt.

Flickr: Jetzt in Bewegung

Flickr: Jetzt in Bewegung

Das reicht höchstens für ein Politikerinterview (in Zusammenfassung des wahren Gehalts). Bei Flickr erklärt man diese Einschränkung mit dem originellen Argument, Videos seien schließlich nichts anderes als "lange Fotos". Erlaubt sind außerdem auch nur selbstaufgenommene Clips. Die Filmschnipsel können immerhin genauso wie zuvor Fotos mit Kommentaren und Geotags versehen werden. Na denn. Mit diesem Angebot wird man die Konkurrenz von YouTube ganz sicher das Fürchten lehren.

Wieder viele Flicken aus Redmond

Gestern war mal wieder Patchday bei Microsoft, und es wurde erneut ordentlich was unters Volk gebracht. Fünf der Sicherheitsupdates wurden als "kritisch" eingestuft, immerhin drei als "wichtig". Im Einzelnen sollen die Flicken mehrere Löcher unter anderem in Windows und dem Internet Explorer 5 bis 7 stopfen. Dabei geht es vor allem um die Möglichkeit für Angreifer, über das Netz von außen Schadprogramme auf den ungeschützten Computer zu schleusen, die, mit Anwenderrechten ausgestattet, für viel Unheil sorgen können.

Testlauf mit E-Gesundheitskarte ein Desaster

Auch am Arztberuf geht das Computerzeitalter nicht vorbei, und so gaben auch die Jünger des Hippokrates mittlerweile eine branchenspezifische IT-Messe, die "Conhit". Auf der Berliner Veranstaltung war auch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ein Thema. Für die wurde in Schleswig-Holstein ein Feldtest mit 10.000 eGK durchgeführt, um ihre Tauglichkeit in der freien Wildbahn zu erproben. Das Ergebnis ist ernüchternd, wie man nun auf der Conhit erfahren konnte, chaotische Umstände führten Mitte März zum Abbruch des Versuchs.

Mitten in der Testphase versagten Tausende Karten wegen plötzlich abgelaufener Zertifikate ihren Dienst. Auch das ärztliche Personal zeigte sich im Praxistest überfordert. Entweder hatten sie ihre PIN vergessen oder versuchten, Notfalldaten ohne Arztkarte zu speichern. Drei Viertel der Karten hatten am Schluss ihren Geist aufgegeben.

Höchstwahrscheinlich wird es mit der eGK so laufen wie bei der Maut. Die funktioniert zwar mittlerweile endlich, ist aber trotzdem kein Exportschlager geworden. Schon in Österreich begnügen sie sich weiter mit einem Aufkleber.

BBC digitalisiert sich mit Siemens-Hilfe

Großbritanniens Nachrichtenflaggschiff BBC stellt sein Produktionssystem komplett auf Digitaltechnik um. Den entsprechend dicken Auftrag konnte sich die IT-Abteilung von Siemens an Land ziehen. Sämtliche Arbeitsabläufe sollen in Zukunft über die neue Digitalstruktur erledigt werden, Archivierung, Verarbeitung, Übertragung und Verteilung der Beiträge. Zum umfangreichen Auftragsvolumen gehört nicht zuletzt auch das Videoarchiv der BBC, das noch guten Teils aus ehrwürdigen, von Hand beschriebenen Videokassetten besteht.

Verseuchte USB-Sticks von HP

Elektronikhersteller Hewlett-Packard warnt vor mit Malware verseuchten USB-Sticks. Die ansteckenden Datenstäbchen werden als Beipack mit dem Proliant-Server ausgeliefert und können unter Umständen zu einer Infektion mit den Würmern "W32.Fakerecy" oder "W32.Sillyfdc" führen. HP empfiehlt die Verwendung der Sticks nur an Computern mit aktualisierter Antivirensoftware. Der Gefährdungsgrad wurde jedoch als gering eingestuft.

Streit um Facebook-Entstehung vor der Beilegung

Hat er nun geklaut, oder hat er nicht? Der Streit um die Frage, ob Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die Idee zur beliebten Online-Plattform möglicherweise "entliehen" habe, kommt wohl bald an ein gütliches Ende. In der Vergangenheit hatten ehemalige Kommilitonen Zuckerbergs, die ebenfalls ein Social Network ("ConnectU.com") an den Start gebracht hatten, beklagt, Idee und Quellcode des Zuckerberg-Projekts stammten tatsächlich von ihnen. Seit vier Jahren streitet man sich nun vor Gericht, jetzt berichtet die "New York Times", man sei kurz davor, sich im Guten zu einigen. Der Streitwert war immens - immerhin wird Facebook auf einen Wert von zehn Milliarden Euro geschätzt.

Google Apps startet - Erfolgaussichten ungewiss

Nun hat auch Google seine Drittentwicklerplattform gestartet, ab sofort können Entwickler oder gleich Unternehmen ihre Programme auf Google-Servern laufen lassen. Die zehntausend Zugänge zur Beta der "Google App Engine" waren im Nu vergriffen. Allerdings stellen sich viele die Frage nach Sinn und Zweck der Veranstaltung. Nicht aus der Sicht von Google, natürlich. Die Suchmaschinenbetreiber werden auch dieses Angebot höchstwahrscheinlich auf die eine oder andere Weise durch Werbung zu versilbern suchen. Ob das allerdings die Entwickler von Programmen in ihrem Elan bestärken wird, mag dahingestellt sein. Denn wer will schon hauptsächlich für den Profit Dritter arbeiten?

Outreach im Aufwind

Google Outreach: der wohltätige Blick aufs Weltgeschehen ist ab sofort nicht mehr nur eine Sache von Google und privaten Hilfsorganisationen, nun sind auch die Vereinten Nationen mit ins Boot gestiegen. In Zusammenarbeit mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR werden dem Betrachter detaillierte Einblicke ins humanitäre Geschehen gegeben. Virtuelle Besuche in Hilfslagern informieren mit hochauflösendem Bildmaterial über Schulprojekte oder die lokale Wasserversorgung.

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