Netzwelt-Ticker Flash-Lücke entblößt Regierungs-Rechner

Hacker spähen US-Regierungsmitarbeiter mithilfe einer bislang unbekannten Sicherheitslücke in Adobes Flash Player aus. Außerdem im Überblick: Google muss Web-Maßstäbe preisgeben, Geohot und Sony haben sich geeinigt und die iPad-Kamera vollbringt kleine 3D-Wunder.

Adobe Flash Player: Zweite Sicherheitslücke innerhalb eines Monats

Adobe Flash Player: Zweite Sicherheitslücke innerhalb eines Monats


Adobe hat zum zweiten Mal innerhalb eines Monats eine schwere Sicherheitslücke in allen Windows-Versionen des Flash Players eingeräumt. Die zuvor unbekannte Lücke ("Zero day") ermögliche es Hackern, das infizierte System auszuspähen, erklärte der Software-Hersteller in einem Sicherheitshinweis. Internet-Kriminelle könnten demnach E-Mails mit Word-Dateien versenden, in denen entsprechend manipulierte Flash-Daten versteckt seien. Wer die Word-Dateien öffne, laufe Gefahr, sich eine Schadsoftware auf den Rechner zu holen. Man werde die Sicherheitslücke mit dem nächsten Patch beheben.

Der Sicherheits-Experte Brian Krebs will genaueres über die Angriffe erfahren haben: Die neue Sicherheitslücke sei in zielgerichteten, so genannten Spear-Phishing-Attacken gegen Organisationen, die mit der US-Regierung zusammenarbeiten, eingesetzt worden. Die Opfer hatten praktisch keine Chance, sich vor einem Angriff zu schützen: Nur eines von 42 Antivirus-Programmen habe die taufrische Flash-Sicherheitslücke am Tag des Bekanntwerdens erkannt. Welches Motiv die Hacker hatten, ob sie privat oder im Auftrag einer Regierung handelten, das alles soll eine Untersuchung des Vorfalls klären.

Kläger wollen Google das Werbegeheimnis entlocken

Weil sie sich von Googles Werbeprogramm Adsense benachteiligt fühlen, streben mehrere amerikanische Werbefirmen seit einiger Zeit eine Sammelklage gegen den Internet-Konzern an. Jetzt hat ein US-Richter laut Mediapost.com eine wichtige Hürde zu solch einer Klage aus dem Weg geräumt: Google muss offenlegen, wie das Unternehmen den Werbewert von Websites ermittelt, auf denen Werbebanner platziert werden sollen. Die Kläger interessieren sich dabei vor allem für den Wert der nicht-benutzten, so genannten geparkten Internet-Domains, und den Anzeigenwert auf Internet-Fehlerseiten.

Die klagenden Werbefirmen beanstandeten, dass Google auch Werbebanner auf diesen als minderwertig geltenden Websites platzierte. Ein typischer Fall: Zweifelhafte Internetwerber registrieren sich Domains, deren Namen populären Websites ähneln, stopfen sie mit Werbeanzeigen voll und verdienen auf diese Weise durch die Tippfehler der Surfer Geld.

Mit solchen Seiten in Zusammenhang gebracht zu werden, gefällt den Klägern nicht. Die Werbeschaltungen auf den geparkten Seiten liefen schlecht, außerdem sei es markenschädigend, dort aufzutauchen, sagten sie vor Gericht. Doch Google kontert: Werbeanzeigen auf geparkten Domains und auf Fehlerseiten funktionierten ebenso gut wie auf anderen Websites; den Klägern sei durch Googles Werbeschaltungs-Maschinerie kein Schaden entstanden.

Das soll das Unternehmen nun beweisen. Das zuständige Gericht will von Google wissen: Wie viele der Adsense-Anzeigen führen zu Produktkäufen, wie bestimmt Google den Preis für bestimmte Seiten im Werbenetzwerk und wie berechnet Google Preisnachlässe.

Das sind allerdings Informationen, die Google nur ungern preisgeben wird. Ob der Konzern gegen die Gerichtsanordnung vorgehen wird - oder kann - lässt Mediapost.com offen.

Hacker "Geohot" und Sony einigen sich

Der Playstation-Hacker "Geohot" und Sony haben sich laut Wired.com außergerichtlich geeinigt. Sony lässt die Urheberrechts-Klage gegen den Mann, der mit bürgerlichem Namen George Hotz heißt, fallen. Hotz verpflichtet sich im Gegenzug dazu, nie wieder bestimmte Teile der Hard- und Software eines Sony-Produktes zu manipulieren, heißt es in der Abmachung. Hotz dürfe zudem nie wieder "die Verschlüsselung, Sicherheit oder einen Authentifizierungsmechanismus" von Sony-Produkten "umgehen, abschalten oder unterlaufen". Pro Verstoß gegen die Abmachung droht Hotz eine Vertragsstrafe von 10.000 Dollar (PDF-Datei, 1,3 MB).

Sollte das mit dem Fall befasste Bezirksgericht in San Francisco die Abmachung absegnen, geht damit ein Prozess zu Ende, der für viel Missmut sorgte: Sony ging außergewöhnlich harsch gegen Hacker George Hotz vor, überzeugte den Richter davon, Hotz' Festplatten, seine Twitter-, Paypal- und Youtube-Konten durchsuchen zu dürfen. Doch mit der Einigung ist für Hotz die Sache noch nicht erledigt - in einer Stellungnahme auf seinem Blog erklärt der Hacker: "Heute, am 11. April 2011 nehme ich am Boykott gegen Sony teil. Ich werde nie wieder ein Sony-Produkt kaufen."

Den Sony-Boykott haben sich die Internet-Aktivisten von Anonymous einfallen lassen, nachdem sie mit ihren Überlastungsangriffen auf Playstation-Dienste die Netzwerknutzer und somit potentielle Unterstützer verärgert hatten.

KGB-Nachfolger fordert mehr Internet-Überwachung

Der russische Geheimdienst FSB (früher: KGB) will mehr Kontrolle über ausländische Anbieter von Webmail und Internet-Telefonie. Alexander Andreyechkin, der Leiter der Abteilung für Information und Kommunikation des russischen Inlandsgeheimdienstes, sei in Sorge über den "unkontrollierten Einsatz" von Diensten wie Skype, Google Mail und Hotmail. Diese stellten ein Sicherheitsrisiko darf. Extremistische Organisationen könnten diese Dienste verwenden, um sich, von ausländischer Verschlüsselungstechnologie geschützt, auf ausländischen Servern unerreichbar, abzusprechen.

Der Kreml wies die Geheimdienst-Wünsche zurück: Kommunikationsminister Igor Shchegolev sagte, dass es derzeit keine Pläne gebe, ausländische Dienste zu blockieren. Dieser Aussage schloss sich auch der FSB an: Es werde kein Skype-Verbot geben.

Doch um eine Blockade dürfte es gar nicht gehen - vielmehr um einen einfacheren Zugriff auf die geschützten Dienste. Tatsächlich bestätigte ein Mitarbeiter Shchegolevs, dass man bis Oktober einen Vorschlag zur Regulierung von ausländischen Verschlüsselungsprodukten erarbeiten wolle. Ein Sprecher des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin erklärte die FSB-Forderungen entsprechend als "legitim". Und es gibt noch eine ganze Reihe weitere gegensätzliche Stellungnahmen.

Wofür sich die Front-Kamera des iPad 2 noch eignet

Wer hätte gedacht, dass sich die Mini-Kamera auf der Vorderseite von Apples iPad 2 für aufregende 3-D-Spielereien eignet? Forscher des Laboratoire d'Informatique de Grenoble haben einen Software-Prototypen vorgestellt, der 3-D-Objekte je nach Blickwinkel des Betrachters drehen und neigen kann. Die dafür nötigen Informationen sammelt die iPad-Frontkamera ein - indem sie den Kopf des iPad-Benutzers beobachtet ("Head-tracking"). Mit ein wenig Software entsteht so der Eindruck, dass sich Objekte aus dem iPad-Display erheben und unabhängig davon bewegen. Wie beeindruckend das ist, zeigt ein Youtube-Video - nach 47 Sekunden erst richtig.

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