Netzwelt-Ticker Flickr löscht Fotos aus Archiven der ägyptischen Stasi

Der Bilderdienst Flickr hat Bilder von angeblichen Geheimdienstlern der ägyptischen Staatssicherheit entfernt. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Schwere Sicherheitslücke in Adobe-Produkten, Microsoft stellt Zune ein und wie eine Spam-Welle aus Botmaster-Perspektive funktioniert.
Blog: Hossam al-Hamalawy beklagt, dass der Fotodienst Flickr Bilder entfernt

Blog: Hossam al-Hamalawy beklagt, dass der Fotodienst Flickr Bilder entfernt

Unter Angabe angeblicher "Urheberrechtsverletzungen" hat die Yahoos Bilderseite Flickr Aufnahmen von angeblichen Mitarbeitern des ägyptischen Geheimdienstes  gelöscht. Ägyptische Demonstranten fanden die Porträts bei der Erstürmung der ägyptischen Geheimdienstzentrale vergangene Woche und laden sie seitdem nach und nach ins Internet. Einer der Uploader ist Hossam al-Hamalawy. Im Internet tritt er unterm dem Pseudonym "3arabawy" auf. Ihm wurde eine DVD mit Bildern zugespielt, die er zunächst bei Flickr veröffentlichte - bis das Unternehmen erklärte, diese Sammlung verstoße gegen "Community-Regeln", da die von ihm veröffentlichten Bilder nicht sein Werk seien.

In einem die beanstandeten Bilder begleitenden Blog-Eintrag 3arabawys  ist seitdem zu lesen: "This photo is currently unavailable."

Als Demonstranten vergangene Woche gewaltsam in die Kairo-Zentrale des ägyptischen Geheimdiensts SSI eingebrochen sind, fanden sie dort mehrere Video-Discs, Festplatten und CDs voller Bilder und Dokumente. Um sie vor der Zerstörung zu retten, laden Demonstranten und Bürgerrechtler wie Hossam Arabawy sie ins Netz.

Dass diese Veröffentlichung problematisch ist, darüber machte sich offenbar niemand Gedanken. Und so ist die Aufregung groß: Flickr zensiert Fotos, erklärt Flickr-Fotoblogger Thomas Hawk , Arabawy konnte "nachdem Flickr diese Bilder zensiert hat" nicht mehr schlafen, schreibt dieser in seinem Twitter-Profil , viele Blogger und Twitter-Kommentatoren schließen sich der Zensur-Vorwürfe an.

Tatsächlich dürfte Flickr bei der Löschaktion nicht Zensur, sondern die Lösung eines ethischen Dilemmas im Sinn gehabt haben. Die bei Flickr veröffentlichten Bilder könnten die abgebildeten Personen gefährden. Ob sie überhaupt eine Schuld trifft, muss ein Gericht ermitteln. Die erbeuteten Dokumente gehören deshalb nicht ins Netz, sondern in eine Kanzlei oder eine Menschenrechtsorganisation. Die Enthüllung angeblicher Geheimdienstmitarbeiter ist eine Vorstufe zur Selbstjustiz.

Microsoft stellt Zune-Entwicklung ein

Das war's dann wohl mit Microsofts Versuch, Apples iPod etwas entgegenzusetzen: Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wird die Entwicklung des MP3-Players eingetellt. Zukünftig soll die Zune-Software nur noch auf Handys mit dem Mobil-Betriebssystem Windows Phone 7 zum Einsatz kommen .

Betanews versucht sich an einer anderen Crash-Analyse: Nicht Apple ist Schuld an Zunes Untergang, sondern Microsoft. Denn der (neue) Zune HD war dem iPod gleichrangig, die begleitende Software dem iTunes-Ungeheuer überlegen. Microsoft habe sich als Firma aber nicht hinter das gute Gerät gestellt.

Gefährliche Zero-Day-Lücke in Adobe Flash, Acrobat Reader und Acrobat

Software-Hersteller Adobe muss sich mit einer fiesen Sicherheitslücke im aktuellen Flash-Player, der PDF-Lesesoftware Acrobat Reader und der PDF-Software Acrobat herumschlagen. In einem gerade veröffentlichten Sicherheitshinweis erklärt das Unternehmen , dass quasi alle Versionen auf allen Betriebssystemen betroffen sind: Windows, Macintosh, Linux, Solaris und im Falle Flash sogar für das Handybetriebssystem Android.

Über die Sicherheitslücke können Angreifer in einen Rechner eindringen - und sie tun es längst: Es gebe Berichte über manipulierte Flash-Dateien, die in Excel-Tabellen eingebettet sind und als E-Mail verschickt werden.

Adobe will in der kommenden Woche die Sicherheitslücke per Patch schließen. Zumindest für PDF-Dateien gibt es schon jetzt einen einfachen Schutz: Im sogenannten "Protected Mode" des aktuellen Adobe Acrobat Reader X misslingt der Hack.

Twitter nimmt sich Deutschland vor

Der Kurznachrichtendienst Twitter verhandelt laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit deutschen Mobilfunkbetreibern über die Einführung eines SMS-Angebots . Kevin Thau, Mobil-Vizechef bei Twitter, erklärt der Zeitung: "SMS ist Teil unserer globalen Benachrichtigungsplattform. Damit lassen sich Tweets abonnieren, selbst wenn man gar kein Konto bei Twitter hat." Dieses Angebot, das so schnell wie möglich eingeführt werden solle, sei vor allem für Twitter-Mitglieder interessant, die kein Smartphone mit Internetanschluss besitzen. Aber warum jetzt erst Deutschland?

Weil Twitter hier langsamer wächst als in anderen Märkten - unter anderem, erklärt Thau, weil die deutschen Massenmedien noch nicht von "Twitter als Instrument für Journalismus" überzeugt seien.

Spam aus Botmaster-Perspektive

Wie fühlt es sich eigentlich an, mit der Hilfe ferngesteuerter Zombie-Rechner Abermilliarden Werbe-Mails in alle Welt hinauszujagen - und dabei auch noch Profit machen zu wollen? Zumindest aus technischer wirtschaftlicher Perspektive versuchen das vier Sicherheitsexperten in einer neuen Studie zu beleuchten: "Die Untergrund-Ökonomie von Spam: Wie man aus Sicht der Botmeister großangelegte Spam-Kampagnen koordiniert (PDF , 1,3 MB)."

Für diese Studie gelang den Experten ein Clou: Internet-Hoster beim Zugriff auf 16-Kontrollserver des Cutwail-Waledac-Botnetzes. So konnten die Forscher die dort gespeicherten Daten analysieren. Dabei wurde ihnen klar: Sowohl Botnets als auch Spam-Kampagnen brauchen mehr Hege und Pflege als bisher bekannt; die Botnet-Meister müssen sich mit Filtern, schwarzen Listen und falschen E-Mail-Adressen herumschlagen.

Die Datenanalyse eröffnet trotzdem Erschreckendes: Obwohl weniger als ein Drittel der Spam-Sendeversuche des Cutwail-Botnetz glückte, gelang den beobachteten Servern seit Juni 2009 insgesamt 516.852.678.718-mal der Versand. Ist auch nur jede Hundertmillionste Spam-Mail erfolgreich, bedeutet das rund 6000 neue Kunden.

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